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Flensburger Tageblatt

28. November 2014 | 07:46 Uhr

Brüche und Quetschungen : Vom Bus überrollt? Anzeige gegen Fahrer

vom

Seit zwei Wochen liegt ein 79-jähriger Flensburger mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Ein Bus rollte angeblich über seinen rechten Fuß.

Flensburg | Er liegt auf der Privatstation der Diako, ganz oben, D5. Schmerzen quälen ihn, er greift zu einem Morphium-Medikament. "Anders ist es einfach nicht auszuhalten", stöhnt Gerhard Rothenberg. Vor zwei Wochen, so geht es aus dem Polizeibericht hervor, überrollte der rechte Vorderreifen eines Linienbusses seinen Fuß. Mit schwerwiegenden Folgen: Komplizierte Knochenbrüche, offene Quetschungen. Die sofort veranlasste Operation habe, sagt der Patient, vier Stunden gedauert.
Der 79-Jährige wirkt verzweifelt, kann die Bilder des Ereignisses nicht verdrängen. Bitter enttäuscht ist er darüber, dass sich bislang weder die Afag noch der Busfahrer (37) bei ihm gemeldet geschweige denn entschuldigt haben. "Ein Blumenstrauß", findet er, "hätte es auch getan."
"Plötzlich lag ich wie ein Baby im Rinnstein"
Der 4. August, 15. 15 Uhr. Rothenberg wartet, bepackt mit zwei Einkaufstüten, an der Haltestelle Angelburgerstraße (Süderhofenden) auf einen Bus. Die Taschen so schwer, dass er die geringe Distanz bis zum Zob lieber fahren als gehen will. Fahrbahn und Bürgersteig sind nass geregnet, der Flensburger hat im Buswartehäuschen Platz genommen. Da nähert sich die Linie 1, einen halben Meter, bevor er die vordere Tür erreicht, schließt sie sich.
Noch hält der Bus, Rothenberg klopft gegen die Scheibe ("und ich klopfe nicht leise!"), er wird nicht wahrgenommen - oder aber ignoriert -, der Fahrer gibt Gas. Der Bus touchiert den alten Mann, er kommt an der Bordsteinkante zu Fall. Als der Reifen den rechten Fuß überfährt, gibt es, so Rothenberg, ein schreckliches Geräusch. "Ich höre es heute noch knacken. Ein fürchterlicher Schmerz, und plötzlich lag ich wie ein Baby im Rinnstein."
Reise zum Hochzeitstag fällt ins Wasser
Der Rentner, der noch in der familieneigenen Hausverwaltung mitarbeitet, wollte einen Tag nach dem Vorfall eigentlich seinen 35-jährigen Hochzeitstag feiern und zu diesem Anlass mit seiner Frau eine Urlaubsreise nach Bad Tölz machen. Daraus wird nun nichts.
Er wirft dem Fahrer vor, er habe nicht oder zu spät in den Spiegel geschaut. "Sonst hätte er mich sehen müssen." Zwei Zeugen sollen, so hofft er, mit ihren Aussagen seine Einschätzung stützen. Rothenberg hat Strafanzeige gestellt, will notfalls das Busunternehmen verklagen, weil dieses seine Fürsorgepflicht vernachlässigt habe.
Busfahrer und Zeugen stellen Situation anders dar
Zu dem Vorfall gibt es, man ahnt es schon, eine zweite Version. Afag-Chef Uwe Möser hat sich über die Vorkommnisse informieren lassen. Aus den ihm vorliegenden Unterlagen ergibt sich ein gänzlich anderes Bild. So soll Rothenberg dem Bus hinterher gelaufen sein und an das Heck des Busses "gebollert" haben. "Als der Fahrer daraufhin in den Spiegel schaute, sah er aus den Augenwinkeln einen Schatten in die Haltebucht fallen", sagt Möser mit Blick auf die Aussage des Fahrers, in der von einem Überfahren des Fußes keine Rede ist.
Der Chauffeur habe sich zusammen mit drei Passagieren sofort um den Verletzten gekümmert, die Zentrale informiert, die wiederum den Rettungswagen alarmiert habe. Nach Kenntnis des Afag-Geschäftsführers deckt sich diese Darstellung mit Zeugenaussagen. "Ich kann unserem Fahrer nach gegenwärtigem Stand keinen Vorwurf machen." Eine Nachfrage bei der Polizei ergab: Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen wird der Fahrer als Verantwortlicher des Unfalls geführt. Ob der Geschädigte schuldhaft gehandelt habe, werde ebenfalls geprüft. Man geht davon aus, dass der Fuß überrollt worden ist.
Uwe Möser: "Ich bedaure die Angelegenheit sehr. Leider habe ich die Personalien des Geschädigten nicht in Erfahrung bringen können." Doch noch an diesem Freitag, versichert er, will ein Vertreter der Afag in der Klinik vorstellig werden. Mit einem Blumenstrauß.

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erstellt am 18.Aug.2012 | 07:03 Uhr

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