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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:29 Uhr

Tarup : Verwirrung um Baupläne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nachbarn des Eckgrundstücks beklagen Größe des Objekts / Planungsausschuss auf Schlingerkurs zum Baurecht

Der große Sturm der Entrüstung blieb zwar aus. Doch einzelne Nachbarn waren deutlich entrüstet, und es gab kritische Nachfragen zu dem Bauprojekt des Unternehmers Martin Aye auf dem Grundstück des früheren Edeka-Marktes in Tarup. Zudem blieb während des Info-Abends im Rathaus zunächst im Dunkeln, wie das Projekt baurechtlich zu beurteilen ist: Darf Aye es nun zügig umsetzen oder muss er auf ein langwieriges Planverfahren warten?

Er darf, wenn man den Beteuerungen der Beteiligten glauben darf. Zwar hat der Umwelt- und Planungsausschuss auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen, für das fragliche Grundstück an der Taruper Hauptstraße einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit hätte man den unmittelbaren Anspruch auf eine Genehmigung nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches ausgebremst. Doch das habe man nur gemacht, weil man sich von der Verwaltung unter Druck gesetzt fühlte, so der Ausschussvorsitzende Axel Kohrt. Im Grunde wollen alle Beteiligten, dass Aye möglichst bald bauen kann. Denn an dem Projekt arbeitet er schon seit drei Jahren.

Doch man wollte den Bürgern noch einmal die Möglichkeit geben, sich direkt zu informieren. Und in der Tat war das Interesse groß: Der Europaraum des Rathauses war voll, es dürften überwiegend Taruper gewesen sein, die sich für Ayes Pläne interessierten.

Schnell wurde deutlich: Den gewünschten Einkaufsmarkt, den die Taruper seit so vielen Jahren schmerzlich vermissen, wird es hier nicht geben. „Es gibt niemanden, mit dem ich nicht geredet habe“, sagte Aye. Die Fläche sei für einen Vollversorger oder einen Discounter einfach zu klein. Selbst vielversprechende Gespräche mit einem Bio-Supermarkt hätten am Ende zu nichts geführt, wie der städtische Chefplaner Peter Schroeders sagte. Aye plant jetzt Dienstleistungen, Praxen und Kleingewerbe im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes.

Dessen Firsthöhe von 13 Metern stößt bei den unmittelbaren Nachbarn aus den Reihenhäusern der Straße Norderlück auf großen Unmut. „Die Leute gucken von ihrem Balkon meiner Mutter auf den Bauchnabel“, schimpfte Frank Geisler, dessen Mutter dort wohnt. Er befürchte, die neue Nachbarschaft werde zu einem Wertverlust des Grundstücks führen. Aye beeilte sich mitzuteilen, dass die Position der Balkone noch gar nicht feststehe.

Andere Reihenhaus-Bewohner konnten wegen der Ferien die Veranstaltung nicht besuchen, hieß es; sonst hätte es noch mehr Protest gegeben. Für das Forum Tarup fragte Dieter Röhling, warum die Fristen plötzlich so eng seien. „Was passiert hier mit uns?“, insistierte er und stellte in Frage, ob sich das Bauprojekt tatsächlich in die Umgebung einfüge.

Das habe die baurechtliche Prüfung jedoch ergeben, bekräftigte Ratsherr Arne Rüstemeier, der die Versammlung leitete. Und damit habe man keine Handhabe, dem Bauherrn das Grüne Licht zu versagen. Das bestätigte gestern Stadtsprecher Clemens Teschendorf: Ein Bebauungsplan verhindere nur dann eine Genehmigung nach Paragraf 34, wenn die Stadt damit etwas völlig anderes auf dem betroffenen Grundstück realisieren möchte – also hier etwa ein Schwimmbad oder ein Parkhaus.

Aye hörte sich die Bedenken und Anregungen der Bürger an, gerade auch den Wunsch, die SB-Filialen der Nospa und der Raiba unbedingt zu erhalten. Er werde auch erwägen, das Staffelgeschoss anders zu positionieren. Er ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass er das Projekt nach der langen Vorlaufzeit jetzt zügig umsetzen werde. Am 6. September wird der Planungsausschuss wohl doch noch das gemeindliche Einvernehmen erteilen.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 08:17 Uhr

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