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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 09:35 Uhr

Asylsuchende : Uni Flensburg holt Flüchtlinge auf den Campus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Integration durch Studium: Mit fast 100.000 Euro sollen 30 Asylsuchende kurzfristig fit für den Studienstart im Wintersemester gemacht werden.

Flensburg | Nachdem die Europa-Universität bereits im Dezember als erste Hochschule eine Strategie für den Umgang mit Flüchtlingen auf dem Campus beschlossen hatte, fließt jetzt Geld für ein Auftaktprojekt: Die Uni hat fast 100.000 Euro vom Akademischen Auslandsdienst DAAD eingeworben, um Flüchtlinge ins Studium zu integrieren. „Unser Ziel ist es, geflüchteten Menschen zum Wintersemester die Aufnahme eines regulären Studiums zu ermöglichen“, sagt Charlotte Fiala, die die Mittel aus zwei DAAD-Programmen eingeworben hat. „Wir suchen Geflüchtete, die in ihrem Heimatland Abitur gemacht haben und bereits Deutsch oder Englisch auf Uni-Niveau sprechen“, sagt Fiala. Da dies die wenigsten aber so gut können, werden mit den DAAD-Geldern nun gezielt sprachliche Vorbereitungskurse für das Wintersemester eingerichtet.

Viele der Geflüchteten haben zwar die Voraussetzungen für ein Studium, an den Sprachkenntnissen hapert es aber noch. An der Uni Flensburg werden Sprachkurse angeboten.

Zum Auftakt sind nun kurzfristig drei Sprachkurse für insgesamt 30 geflüchtete Studenten möglich, zwei Deutschkurse und ein Englischkurs. In insgesamt 200 Stunden erhalten dann qualifizierte studierfähige Flüchtlinge die Chance, Deutsch bis Stufe B2 oder C1 und Englisch bis B2 zu lernen. Die Sprachkurse sollen im Mai starten, die Tests dafür schon diese und kommende Woche über die Bühne gehen. Die Zielgruppe sollte den 600- bis 900-Stunden-Integrationskurs möglichst hinter sich haben. Es gebe aber auch Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern bereits sehr gut Englisch gelernt hätten und so die Möglichkeit hätten, englischsprachige Studiengänge des Management-Instituts oder den neuen interdisziplinären Bachelor-Studiengang „European Cultures and Society“ zu beginnen. Es könnte ein Auftakt für ein größeres Projekt werden: „In diesem Jahr sind viele der 2015 angekommenen Flüchtlinge mit akademischem Hintergrund wegen der Sprache noch nicht studierfähig.“

Wer sich für die Sprachkurse für geeignet hält, sollte am besten Nachmittags Im Uni-Erweiterungsbau (EB 135) bei Charlotte Fiala vorsprechen – oder am Tresen der Campus-Engel im Eingangsbereich. Vielleicht steht dort gerade der Afghane Owais Tokhi (32) am Info-Point. Es floh vor sechs Jahren selbst nach Deutschland und hat bereits Internationale Beziehungen studiert. Nun soll er Geflüchteten den Weg auf den Campus ebnen. Dazu ist es doppelt geeignet. Er kennt die Probleme bei der Ankunft und studiert im zweiten Semester im Master-Studiengang European Studies: „Ich wäre froh gewesen, nach meiner Flucht aus Afghanistan so eine Hilfe in Deutschland vorzufinden.“ Ach ja, Tokhi spricht Dari und Paschtunisch, seine Vater- und Muttersprache, dazu Indisch, Russisch, Englisch, Deutsch – und ein bisschen Arabisch.

Charlotte Fiala hofft, dass das Programm Signalwirkung haben wird: „Man darf den Vorbildcharakter nicht unterschätzen: Ich bin in dieser Gesellschaft willkommen, wenn ich mich anstrenge.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 14:30 Uhr

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