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Flensburger Tageblatt

27. Juni 2016 | 04:19 Uhr

Ehemaliger Baumarkt in Flensburg : Überraschung: Neuer Nutzer für den Bahr-Standort

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Wohn- und Baudiscounter Tedox will das leere Max-Bahr-Gebäude an der Bleiche übernehmen. Der Inhaber darf hier keinen Einrichtungsbaumarkt eröffnen.

Flensburg | Es wird zwar noch etwas dauern, aber es gibt einen heißen Interessenten für das Gebäude des früheren Baumarkts Max Bahr an der Bleiche. Die Firma Tedox aus Harste bei Göttingen, die bislang mit je einer Filiale in Neumünster und in Raisdorf bei Kiel sowie vielen weiteren im gesamten Bundesgebiet vertreten ist, hat nach eigener Bekundung bereits eine Einigung mit der Stadtplanung erzielt und möchte hier so schnell wie möglich einen ihrer Läden für Wohnbedarf eröffnen. Allerdings steht noch eine Einigung mit dem Eigentümer Poco aus, der hier – wie mehrfach berichtet – nicht mit seinem Angebot zum Zuge kam.

Die neue Entwicklung überrascht. Poco hatte das Grundstück samt Gebäude aus der Insolvenzmasse von Max Bahr/Praktiker erworben, ohne vorher mit der Stadt zu klären, ob es denn einen seiner Einrichtungsmärkte hier überhaupt eröffnen darf. Und Poco durfte nicht. Denn die Stadtplanung und die Mehrheit der Ratsversammlung möchte das Grundstück künftig gewerblich nutzen, also nicht mit Einzelhandel.

Doch was mit Tedox jetzt kommt, ist purer Einzelhandel. Tedox ist eine Art Discounter für Wohnbedarf, also Bodenbeläge, Wohntextilien mit Gardinen, Farben, aber auch Betten, Matratzen, Möbel, Lampen und vieles mehr. „Tedox ist Deutschlands einzigartiger Renovierungs-Discounter“, wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage. Wie also kann es sein, dass Poco hier keine Chance hatte, Tedox aber jetzt eine bekommt?

Das Geheimnis des Erfolgs der Niedersachsen: „Wir passen mit unserem Sortiment in die bestehende Genehmigung“, sagt Jan-Dirc Krumbach, Expansionsleiter bei Tedox. Die Genehmigungen waren zu Zeiten, als Max Bahr an die Bleiche kam, weniger eng gefasst als heute, vermutet er. „Wir verkaufen zwar nicht alles, was Max Bahr hatte, aber alles, was wir haben, hatte auch Max Bahr.“ Die Einigung mit der Stadtplanung sei bereits unter Dach und Fach.

Der Chef der Stadtplanung, Peter Schroeders, hält sich noch etwas zurück: „Wir prüfen das noch“, sagte er gestern. Dass Tedox gute Chancen hat, an der Bleiche einen Markt einzurichten, sieht er allerdings auch so. „Tedox ist ein Baumarkt“, behauptet Schroeders, und könne somit in die bestehende Genehmigung von Max Bahr einsteigen. „Das ist explizit zulässig“, so Schroeders. Es gebe allerdings noch keinen Bauantrag von Tedox, so dass man zu diesem Zeitpunkt noch nichts Endgültiges sagen könne. „Es hängt davon ab, was im Bauantrag steht.“

Und Krumbach scheint genau zu wissen, was er dort hineinschreiben muss, um eine Genehmigung zu bekommen. Tedox möchte das gesamte Gebäude mit knapp 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche nutzen. Damit ist die Idee, den hinteren Teil abzureißen und dort Wohnhäuser zu bauen, vom Tisch. Auf dem Grundstück sei aber womöglich noch Platz für einen gewerblichen Anbieter, so Krumbach; im Gespräch sei ein Vermieter von Baumaschinen. Ganz schnell werde das alles aber nicht vonstatten gehen; realistischerweise müsse man mit einem Jahr bis zur Eröffnung rechnen. „Wenn wir ganz schnell sind, schaffen wir es vielleicht im November oder Dezember.“ Man werde mit 15 oder 16 Mitarbeitern starten; erfahrungsgemäß dauere es rund sieben Jahre, bis man das Maximum an Umsatz erreicht hat, da Tedox komplett ohne Werbung arbeitet, sondern ausschließlich auf die Qualität und die niedrigen Preise setze. Nach sieben Jahren werde man dann rund 25 Leute beschäftigen, so Krumbach.

Ob die Entwicklung an der Bleiche Auswirkungen auf andere freie Grundstücke im Süden der Stadt haben wird, bleibt abzuwarten. Dort warten an der Schleswiger Straße vor allem die Grundstücke von Transit Transport und des früheren Bauhaus’ auf eine Nachnutzung. Interessenten gibt es offenbar genug, aber sie gehören alle in den Bereich Einzelhandel; die Eigentümer haben ein starkes Interesse daran, sie an Einzelhändler zu vermieten, weil die Einnahmen dann viel höher als bei einer gewerblichen Nutzung sind, die von der Stadt gewünscht wird, für die es bisher aber keine Nachfrage gibt. In der Politik ist dieses Thema umstritten.

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erstellt am 18.Feb.2015 | 08:00 Uhr

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