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Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 19:32 Uhr

Station Flensburg-Gutenbergstraße : Tüv-Report: 40 Prozent fallen durch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Fahrzeuge weisen bei der Hauptuntersuchung erhebliche Mängel auf – doch der Trend ist positiv

„Ganz schön krass!“, entfährt es Olaf Meyer. Der Chef der Flensburger Tüv-Station hat ein Fahrzeug in der Mangel. Reichlich betagt, was nicht verwerflich ist. Der durchschnittliche Pkw, der im vergangenen Jahr geprüft wurde, war 9,3 Jahre alt und hatte über 117  000 Kilometer auf dem Tacho. Doch bei einer durchgerosteten Vorderachse hört der Spaß auf. Der Schaden firmiert unter dem Begriff „erheblicher Mangel“. Der Sachverständige schickt den Halter nebst Fahrzeug in die nächste Werkstatt. „Es muss nicht stillgelegt werden“, erläutert Meyer, „weil keine unmittelbare Verkehrsgefährdung besteht.“

Doch es geht noch krasser. Bei Bremsleitungen etwa, die während der Prüfung platzen, gebrochenen oder unsachgemäß reparierten tragenden Teilen muss das Fahrzeug zwangsweise außer Betrieb gesetzt werden. Als völlig verkehrsunsicher wurden 2015 in Flensburg neun Autos eingestuft. Das geht aus der aktuellen Tüv-Statistik hervor.

Demnach hatten 45 Prozent bei der Hauptuntersuchung keine und 14,7 Prozent nur geringe Mängel. „Ein erfreuliches Ergebnis“, urteilt der Technische Überwachungsverein. Doch die Kehrseite der Plakette: Über 40 Prozent der Fahrzeuge wiesen erhebliche Mängel auf. Sie mussten umgehend repariert und erneut vorgestellt werden. Im gesamten Gebiet des Tüv-Nord hat sich die Zahl der Fahrzeuge mit erheblichen Beeinträchtigungen schon zum dritten Mal hintereinander verringert. Ein neuer, ein positiver Trend. Dennoch warnt Olaf Meyer: „Immer noch wird an älteren Fahrzeugen viel zu viel unsachgemäß herumgeschraubt.“ Besonders fatal sei, sich Hilfestellung aus dem Internet zu holen. „Was dort Hobby-Forumschreiber verbreiten, ist teilweise schon grob fahrlässig.“ Genauso wie Teilebeschaffung ohne Prüfzeichen aus dem Ausland. „Da gibt es im Tuning-Bereich die abenteuerlichsten Geschichten.“

Was tun, wenn der Termin für die HU (ca. 100 Euro) naht? Meyer und sein fünfköpfiges Team wissen, dass viele Kunden zunächst in die Gutenbergstraße 9 fahren, bevor es in die Werkstatt geht. „Vielleicht haben sie dort schlechte Erfahrungen gemacht, dass etwa Reparaturen vorgenommen worden sind, die gar nicht oder zu diesem Zeitpunkt noch nicht nötig waren. Wichtig ist ihnen eine objektive Beurteilung.“ Allerdings kommen Prüfer auch direkt in die Werkstätten. Konkurrenz also durch Überwachungsorganisationen wie Dekra, Küs, GTÜ, FSP – ja sogar durch den Tüv Süd.

Spitzenreiter in der Mängelliste sind Licht und Elektrik, gefolgt von Bremsen und Reifen. Aber auch Fahrwerksteile sind betroffen: So monieren die Prüfer oft auch Federbrüche oder ausgeschlagene Traggelenke. „Diese Schäden nehmen zu“, sagt Meyer. „Und ganz gewiss ist der Zustand unserer Straßen nicht ganz unschuldig daran.“



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erstellt am 11.Nov.2016 | 07:56 Uhr

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