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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Traumjob an der Töpferscheibe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Luise Duncker trennt sich von den letzten ihrer Werke / Die 88-Jährige lebt heute glücklich im Kloster zum Heiligen Geist

Ein Werk von ihr ziert viele Wohnzimmer der Stadt. Lange Zeit war Luise Duncker in Flensburg eine Institution, wenn es um das Töpferhandwerk ging. Doch die 88-Jährige hat ihre Töpferscheibe schon vor Jahren verlassen, 2015 ist sie von der Waitzstraße, in der sie Wohnung und Werkstatt hatte, in die Einrichtung für Betreutes Wohnen des Klosters zum Heiligen Geist gezogen, wo sie zwei Zimmer bewohnt. Am Wochenende bietet sich an ihrer alten Wirkungsstätte zum letzten Mal die Gelegenheit, eine Keramik der Künstlerin zu erwerben (siehe Info-Box).

Geboren in Mecklenburg, führte ihr Weg sie nach Göttingen, wo sie eine Ausbildung zur Töpferin absolvierte; ihre Meisterprüfung bestand sie 1961 vor der Handwerkskammer Flensburg, wo sie später auf der anderen Seite stand und Prüflinge vor ihr bestehen mussten.

„Ich habe schon immer gern mit den Händen gearbeitet“, sagt die kleine, zierliche Frau. In der Schule begann sie zu zeichnen und zu modellieren. Es war schwer, in der Folge des Krieges eine Ausbildung zu bekommen. Die Oberschule musste Luise Duncker abbrechen, weil die finanziellen Mittel der Eltern nicht ausreichten. „Manchmal habe ich es bedauert, dass ich kein Abitur gemacht habe, aber ich war immer glücklich mit meinem Beruf.“

In Flensburg erwarb sich die Töpferin schnell einen guten Ruf. 1982 konnte sie einen kleinen Laden nebst Werkstatt in der Roten Straße mieten. Es gelang ihr, vom Verkauf ihrer Werke zu leben; nicht zuletzt durch Aufträge, die sie auf der zweimal im Jahr stattfindenden internationalen Messe in Frankfurt bekam. „Phasenweise habe ich richtig gut verkauft, hab mich gut durchgewurschtelt“, sagt die Seniorin und lacht. Zu ihrer großen Freude ist das Interesse an Keramik in jüngster Zeit wieder gestiegen.

Zahlreiche junge Menschen hat sie im Laufe der Jahre ausgebildet. „Zum Teil haben sie sich selbstständig gemacht und sind erfolgreich.“ Luise Dunckers Markenzeichen sind ein spezielles Ritzverfahren sowie die von ihr angewandte Schlickertechnik, bei der eingefärbter Ton auf das noch nicht getrocknete (lederharte) Werkstück aufgebracht wird, bevor es in den Brennofen wandert.

Es ist Gebrauchskeramik, die Luise Duncker überwiegend hergestellt hat. Vasen, Schalen, Wandteller. „Mit dem Begriff Kunst tue ich mich ein wenig schwer“, sagt sie. Gleichwohl hat sie sich einst an der Seite des dänischen Malers Arndt Georg („Age“) Nissen der künstlerischen Wandgestaltung für Schulen und öffentliche Gebäude gewidmet; auch in der Handwerkskammer ist noch ein Wandrelief von ihr zu bewundern.

Ihre große künstlerische Begabung stellt sie auch in zahlreichen nach der „Töpferzeit“ realisierten Zeichnungen unter Beweis – vorwiegend Aktdarstellungen und Porträts. Das ist nicht zuletzt der Künstlerin Dany Heck zu verdanken, die das Atelier in der Waitzstraße übernommen hat. „Durch sie habe ich sehr viel dazugelernt“, sagt Luise Dunker. Sie hat mich dazu gebracht, die Kreativität in der Malerei in mir zu entdecken. Am liebsten zeichnet die sympathische Frau Menschen in Bewegung. Es ist eine Analogie zu ihrem Werdegang – einem bewegten und bewegenden Leben.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 08:40 Uhr

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