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Dänisches Konsulat Flensburg : Trauerspiel um Diplomaten-Posten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dem dänischen Ministerpräsidenten ist eine zweite Kandidatin für das Generalkonsulat in Flensburg von der Stange gegangen.

Theoretisch hat Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen noch fünf Monate Zeit: Er steht bei sich selbst im Wort, zum 1. September eine Neubesetzung für den Stuhl des dänischen Generalkonsuls in Flensburg zu präsentieren. So hat er es Anfang Dezember vor laufenden Kameras und in Pressemitteilungen angekündigt. Zu diesem Stichtag solle die 17-jährige Amtszeit des jetzigen Stelleninhabers Henrik Becker-Christensen (67) enden. Aber ob bei dem Revirement mehr als eine Notlösung herauskommt, wird immer spannender. Rasmussens glückloses Agieren um den bisher prestigeträchtigen Diplomatenstuhl in Flensburg ist noch um eine Facette reicher geworden. Nachdem der dafür schon nominierte Kulturminister Bertel Haarder (72) einen Rückzieher machte, hat inzwischen auch die hoch gehandelte einstige Agrarministerin Eva Kjer Hansen (52) einen Wechsel nach Flensburg ausgeschlossen.

Das Schicksal des einzigen hauptamtlichen Diplomatensessels in Schleswig-Holstein droht mehr und mehr zum Trauerspiel zu werden. Zumal Becker-Christensen gerne noch weitermachen würde, als kompetent gilt und in der dänischen Minderheit – für die er zuvorderst zuständig ist – hohe Popularität genießt. Der Historiker nimmt im Doppelpack mit Ehefrau Grethe mit ungebrochener Emsigkeit an den Versammlungen der Minderheit teil. Und wird zum Beispiel vom SSW-Vorsitzenden Flemming Meyer in diesen Wochen mit einer besonderen Betonung auf dem Wort „unser“ als „unser Generalkonsul“ begrüßt.

Aber nein, der dänische Ministerpräsident musste den Außenposten im Grenzland unbedingt als Versorgungsposten ins machtpolitische Ränkespiel einbeziehen. Weil er Ende letzten Jahres seine rein rechtsliberale Regierung um Konservative und Liberale Allianz erweiterte, kam er nicht umhin, zu Gunsten der Neueinsteiger einige Ressort-Chefs seiner eigenen Partei zu entlassen. Dass die Entsorgung mit Bertel Haarder ausgerechnet einen besonders angesehenen Politiker und den dienstältesten Minister in der dänischen Geschichte mitbetraf, kann man schon an sich hinterfragen. Rasmussen hat sich trotzdem so entschieden. Und versuchte mit dem Freiräumen des Generalkonsulats zum 1. September, für Haarder zumindest ein Trostpflaster zu finden. Überhaupt wolle er damit eine neue Linie einschlagen und den diplomatischen Dienst stärker für die Erfahrung altgedienter Politiker öffnen, hatte Rasmussen signalisiert. Und dabei nach Einschätzung von Beobachtern nicht zuletzt an seine eigene Zukunft gedacht, wenn ihn der Kopenhagener Politikbetrieb irgendwann oben ausstößt.

Gegen Haarder persönlich spricht auch aus Sicht der dänischen Minderheit nichts. Aber weil vielen mit Blick auf Becker-Christensen die Art und Weise der Entscheidungsfindung nicht passte, witterte Haarder verbranntes Terrain und winkte nach wenigen Tagen ab. Eva Kjer Hansen hätte vom Profil her gut gepasst: Wohnhaft in Apenrade, fließende Deutschkenntnisse, langjährige Europaabgeordnete und im dänischen Parlament sowohl Vorsitzende des Südschleswig-Ausschusses als auch des Europaausschusses. Deshalb hat auch sie selbst sich auf Anfragen von Medien für Generalkonsul-geeignet erklärt. Manko wäre in ihrem Fall eine ramponierte Glaubwürdigkeit gewesen: Kjer Hansen musste vor einem Jahr als Agrarministerin zurücktreten, weil sie beschuldigt wurde, falsche Zahlen über mögliche Umweltschäden neuer Düngeregeln vorgelegt zu haben.

Nach ihrem Abwinken gegenüber der dänischen Presse konzentrieren sich die Erwartungen beim Wachwechsel im Generalkonsulat nun auf eine weitere politische Leiche von Ministerpräsident Rasmussen: Ex-Verkehrsminister Hans Christian Schmidt (63). Obwohl auch er als Leistungsträger und Arbeits-Enthusiast gilt, war Schmidt ebenfalls der Kabinettsumbildung Ende 2016 zum Opfer gefallen. Mitsamt seiner Erfahrung als Verkehrs-Ressortchef bereits in einer früheren Regierung verfügt Schmidt über Routine in der Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein, unter anderem in Sachen Fehmarnbelt. Der in Vojens nahe Hadersleben wohnende Politiker kennt die Besonderheiten des Grenzlandes, hat nie irgendwelche Scheuklappen gegenüber Deutschland an den Tag gelegt und ist grundsätzlich von einer sehr leutseligen Natur. Man könnte von einem Glücksfall reden, wenn es mit ihm noch klappen würde. Aber bisher ist dem Ministerpräsidenten das Glück bei der Flensburger Personalie ja alles andere als hold.

Ganz, ganz vielleicht lacht zuletzt doch Becker-Christensen am besten. Er könnte trotz der Kündigung durch Rasmussen eventuell doch verlängern, wenn die wackelige bürgerliche Regierungskoalition in Kopenhagen vor dem Sommer zusammenbrechen sollte. Das ist nicht sicher, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Für den Fall haben die oppositionellen Sozialdemokraten schon laut darüber nachgedacht, das verfügte Aus für Becker-Christensen möglicherweise rückgängig zu machen.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 12:05 Uhr

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