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Flensburger Tageblatt

25. Mai 2016 | 20:50 Uhr

47. Bühnenball : Total verrückt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Künstler des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und des Sinfonieorchesters entführten in ein exklusives Programm

Ein bisschen verrückt muss man wohl sein, um Theater zu machen. Ständig volles Engagement zeigen und dabei um die Existenz bangen. Gut nachvollziehbar, dass das diesjährige Motto des Bühnenballs „theaterverrückt“ lautete. Damit verbeugte sich Intendant Peter Grisebach vor allen Theaterbesuchern und Abonnenten des Landestheaters, weil sie es „wie verrückt lieben, unterstützen und verteidigen“ würden. Auch den Künstlern und Helfern attestierte er eine gewisse Besessenheit. Ohne diese wären in Grisebachs Augen Aufführungen wie die vom Sonnabend im Deutschen Haus nicht möglich. „Und glauben Sie bloß nicht, dass der Chef normal ist“, bezog er sich selbst gleich mit ein.

Um die Verrücktheiten menschlichen Verhaltens ging es in allen ausgewählten Stücken des Showprogramms (musikalische Leitung Florian Erdl, künstlerische Leitung Markus Hertel). Vier Lieder stammten aus dem Erfolgsmusical „Crazy for you“ – wo das Wort „verrückt“ schon im Titel auftaucht. „Slap that bass, I can’t be bothered now“ und „I got rhythm“ wurden figurenreich und mit fröhlichem Schwung dargeboten. Saxofon und Schlagzeug hatten für die Aufführung extra Verstärkung erhalten. Ensemblemitglied Markus Wessiack schwärmte von dem Musical: „Das ist ein Mitreißer. Wir spüren auf der Bühne, wie das Publikum mitgeht.“

Sehr prononciert sang Wessiack den Verführer in „Die lustigen Weiber von Windsor“. In dem Stück geht es darum, dass der Ehemann einen Verführer auf seine Frau ansetzt und erfahren muss, dass dieser dem Auftrag bereits zuvorgekommen ist. Zum Verrückt werden! Genau wie die Handlung in der Oper „La Sonnambula“. Hier verirrt sich eine Schlafwandlerin ins falsche Bett, was sie fast die Verlobung kostet. Brillant: Tina Marie Herbert mit der Arie „Ah, non giunge“. Es gibt die ersten Bravo-Rufe. Wie ein roter Faden zieht sich die Liebe als Auslöser zahlreicher Verrücktheiten durch das Programm. Paganini in Frank Léhars Stück ist der Ansicht, die Frauen verrückt zu machen. Junghwan Choi gibt ihn mit „Gern hab’ ich die Frauen geküsst“. Dazu bewegen sich rund 20 Tänzerinnen anmutig um ihn herum. Im nächsten Stück steht Anna Schoeck als die Dubarry (Operette von Carl Millöcker) unter 20 männlichen Tänzern. Ein netter Einfall, dieses Wechselspiel der Geschlechter. Und ein Zeichen, dass das Landestheater verstärkt auf Ballett setzt. „Damit erreichen wir das jüngere Publikum zwischen 40 und 50 Jahren“, glaubt Gabriele Cramer vom Flensburger Verein der Theaterfreunde. Sie organisierte den Abend zugunsten des Landestheaters. Nach Abzug der Gagen kommt der gesamte Erlös inklusive Einnahmen aus der Tombola dem Landestheater zu Gute.

Neben zahlreichen Theaterleuten aus Kiel und Schleswig waren aus der Politik Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack und Landtagsabgeordnete Simone Lange gekommen. Auch Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar und Oberbürgermeister Simon Faber erfreuten sich an dem bunten Programm.

Politische Themen blieben außen vor. „Das gehört nicht auf einen Ball“, meinte Max Stark von der Theaterbürgerstiftung. So konnten 600 Gäste nach eineinhalb Stunden Programm auf der Bühne unbeschwert im Saal nach deutschen und englischen Schlagern der Sandy Showband tanzen. Die Tanzfläche war sehr gut gefüllt. Zum Teil waren glamouröse Abendroben zu sehen. Wie immer zeigte sich, dass Flensburg neben treuen Theaterfreunden einen verlässlichen Kreis von Ball-Anhängern hat. Zum Beispiel Ute und Karsten Weber. Sie kommen seit 15 Jahren und buchen ihre Plätze immer am selben Tisch. „Wir treffen dort jedes Jahr die gleichen Paare“, erzählten sie am Rande. Auch die Musiker des Ensembles waren dem Tanz nicht abgeneigt. Sie tanzten mit Kapellmeister Florian Erdl im großen Kreis. Da war es zu verschmerzen, dass das Mitternachtsprogramm dieses Jahr krankheitsbedingt ausfiel.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 08:27 Uhr

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