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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

Tierische Filme – aber „es geht um den Menschen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Impressionen aus dem Wettbewerbsprogramm Tiergeschichten bei den 16. Kurzfilmtagen

Das alles mitten in Berlin: Anzugträger als Penner, die sich mit Schlafsack und Berberbart abwechseln und so das Wohnungsproblem lösen, Kinder finden echte Schätze in einer Berliner Sandkiste, und ein Punk streift schnell die Polizeiuniform des Sonderkommandos über, um zum Scharfschütze zu werden. Aber Kora, die am Studiomikrofon beim Vorsprechen keinen Satz so herausbringt wie verlangt, ist plötzlich unglaublich stark und verliert die Angst vor einem ausgewachsenen Braunbären, der sich vor ihr aufbaut. Fünf teils absurde, teils bedrohliche, teils animierte oder gezeichnete Tiergeschichten sind als Wettbewerbsblock 3 Donnerstag Abend auf den 16. Flensburger Kurzfilmtagen im Stufen-Kino zu sehen gewesen: "Anders als im Fernsehprogramm geht es in diesen Tierfilmen nicht wirklich um Tiere, sondern um Menschen", warnt das Programmheft.

Kurzfilmtage-Moderator Jim Lacy, der als gebürtiger Texaner in der Image-Bar und im Stufen-Kino fast ebenso häufig zur US-Wahl Stellung nehmen muss wie zu den Wettbewerbsfilmen, durfte dabei sogar seinen filmemachenden Hochschulkollegen Klaus Hoefs entschuldigen, der sich in Hamburg für eine Dienstreise 100 Impfungen unterziehen müsse, alberte Animationsfilmer Lacy: „Wir können ihn aber über Facetime zuschalten." Gerade Hoefs Neun-Minuten-Zeichentrickfilm verdeutlicht, wo der Ursprung des animierten Kurzfilms zu suchen ist – handgezeichnete Szenen, die mit ihren Regen- oder Lichtillusionen nur erahnen lassen, wie viel Begeisterung und Beharrlichkeit notwendig sein müssen, um solche Werke fertigzustellen.

Kurzfilmgucken ist manchmal wie Gedichteinterpretieren. Jeder Eindruck ist richtig, wenn er nur gut genug beobachtet und begründet ist. Erki Schmitts Kora jedenfalls in seinen 15-Minüter „Berlin Metanoia“ ist die positive Heldin des Tierprogramms, weil sie sich in das weiche Fell des Bären traut. Ihr Gegenspieler ist Heinrich in Ozan Mermers Kurzfilm „Terrier“. Heinrich kommt nach zwei Jahren im Erziehungsheim wieder nach Hause, doch seine geliebte Dogge Hamlet ist im Kampfhundemilieu totgebissen worden. So etwas darf man sich nicht mal im Kurzfilm gefallen lassen, so dass Heinrich sich konsequenterweise mit einem gequälten Pittbull verbrüdert.

Mit mehr als 100 Filmen und dem zusätzlichen Festivalstandort Pilkentafel sind die Kurzfilmtage im 16. Jahr noch einmal gewachsen. Allein für den deutschsprachigen Wettbewerb haben Karsten Wiesel und Studenten vom Campus mehr als 600 eingereichte Filme gesichtet. Hedwig Wagner, die neu berufene Professorin beider Hochschulen für europäische Medienwissenschaft, diskutierte gestern (Freitag) über Körperinszenierung, Politik und Initimität.

Die Kurzfilmtage sind immer für eine neue Perspektive gut. Und es ist noch nicht zu spät. Für heute (Sonnabend) gibt es zum Beispiel noch Karten für das Programm um 13.30 Uhr _ das Sonderprogramm Nordsee.

flensburger-kurzfilmtage.de


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erstellt am 19.Nov.2016 | 09:02 Uhr

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