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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 11:58 Uhr

Soziale Netzwerke : Tierheime in SH: Herrchensuche bei Facebook

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In sozialen Netzwerken wie Facebook teilt die Gemeinde gern tierische Inhalte. Tierheime wissen das und nutzen diese Kanäle – mit mäßigem Erfolg.

„Hallo, mein Name ist Blümchen. Mein neues Personal sollte schon hundeerfahren sein, da ich ein kleines Persönchen bin und dickköpfig sein kann, aber auch sehr lustig und charmant.“ So menschelnd stellt das Tierheim Weidefeld in Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg) im Februar seinen Neuzugang – eine schwarz-weiß-gezeichnete Karakatschan-Mischlingsdame – auf der eigenen Facebook-Seite vor.

 

Die Seite hat zwar bislang nur etwas über 90 „Gefällt mir“-Angaben, dennoch ist die Bühne der sozialen Medien für das Tierheim bedeutend: „Wir können hier gezielt auf Neues hinweisen“, sagt Leiterin Sabine Hegemann. Außerdem falle es vielen Menschen leichter, über das Netzwerk Kontakt aufzunehmen, statt die Öffnungs- und Sprechzeiten des Heims abzupassen. Wer aber ein Tier sucht, besuche in der Regel nach wie vor gezielt die Homepage. Willy Sandvoß spricht von einem „unglaublich großen Mehrwert“. Man könne Projekte ganz anders rüberbringen. „Für mich hat das als zusätzliche Plattform nur Positives“, sagt der erste Vorsitzende des Flensburger Tierheims. Mehr als 3400 Mitglieder der Facebookgruppe können nicht nur selbst auf dem Laufenden bleiben, sondern auch ihre Freunde auf Inhalte aufmerksam machen.

Doch die Präsenz im sozialen Netzwerk hat nicht nur gute Seiten: „Wir machen das, weil es irgendwie dazugehört“, sagt Nicole Schmonsees vom Tierheim in Schleswig. Sie habe aber auch frustrierende Seiten der sozialen Medien kennengelernt – zum Beispiel, dass ein „Like“ für einen Aufruf um helfende Hände für ein Sommerfest nicht gleichzeitig auch eine Zusage zu tatsächlicher Mitarbeit bedeutet. „30 Leute klicken ,Gefällt mir’“, sagt sie, „und keiner kommt.“ Selten stehe der Aufwand, den die Pflege des Facebook-Auftritts mit sich bringe, in einem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag.

Außerdem stellen abgewiesene Interessierte oder Menschen, deren Tiere beschlagnahmt wurden, die Tierheim-Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen: Manche lassen ihrer Wut über die Absage in bösen Kommentaren oder Nachrichten freien Lauf. Das erlebt auch Gisela Bünz aktuell gehäuft: „Wir stehen im Kreuzfeuer“, sagt die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins für Neumünster und Umgebung. Die Tierauffangstelle ist aktuell von der Schließung bedroht, die Stadt Neumünster hatte Mängel entdeckt und eine Frist zu deren Beseitigung gesetzt. Viele Tiere sind bereits in anderen Heimen untergebracht, knapp über 30 Hunde, Katzen oder Kaninchen sind noch in Neumünster. Auf der Facebook-Seite werden viele der „Notfälle“ gepostet.

 

Die gut 4300 Fans auf Facebook werden so auf die Situation aufmerksam gemacht. Für die Vermittlung habe das aber noch nicht viel gebracht, sagt Bünz.

Bei Fundtieren habe sich die Facebook-Gemeinde hingegen als sehr nützlich erwiesen: Aufmerksame Nutzer sehen die Suchaufrufe und den Post des Tierheims über den Neuzugang – und geben Hinweise, erzählt Bünz. Und manchmal sorge ein Aufruf zu Futterspenden für volle Näpfe, oder die neuen Besitzer posten, wie gut sich das neue Familienmitglied eingelebt hat – dann hat der Aufwand sich doch gelohnt.

Ob sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Tiere durch die Präsenz im sozialen Netzwerk verändert hat, vermag Willy Sandvoß nicht zu sagen, zu sehr hänge ein Vermittlungserfolg vom Einzelfall ab. Deutlich erhöht habe sich aber die Zahl der Anfragen: „Vorher haben wir kein richtiges Sprachrohr gehabt“, sagt Sandvoß, und Werbung im großen Stil könne man sich nicht leisten. „Dafür sind die Spenden auch nicht da.“ Nun erreiche man ein größeres Publikum und auch Interessierte könnten einfacher auf das Tierheim und den Tierschutzverein zugehen. Doch das allein ist noch keine Erfolgsgarantie, schränkt Sandvoß ein: „Wir entscheiden noch genauso darüber, wem wir ein Tier anvertrauen, wie vorher.“ Das ist auch in den anderen Einrichtungen nicht anders: „Man muss die passenden Leute finden“, sagt Hegemann. Und das gehe nur, wenn sich Tier und Mensch persönlich kennenlernten. Denn damit, dass aus der niedlichen Hundedame Blümchen aus Kappeln „auch mal ein Kaktus werden kann“, muss die neue Familie auch umgehen können. Noch hat sich kein passendes Zuhause für sie gefunden.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 11:05 Uhr

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