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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Flensburger Tierschutzverein : Tauziehen um Tierheim-Husky „Vito“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wirbel um langwieriges Verfahren bei Vermittlung eines Rüden / Hundefreund übt scharfe Kritik an Mitarbeitern und Vorstand des Tierschutzes

Er sei „lächerlich gemacht, veräppelt und belogen“ worden, schimpft Marcel Neumann. Der Glücksburger ist empört darüber, wie er von Mitarbeitern des Flensburger Tierheims behandelt worden sei. Neumann war stark an der Übernahme eines weißen Huskys interessiert, der seit über fünf Monaten auf einen neuen Besitzer wartet. Er sei jedoch unter fadenscheinigen Gründen abgewiesen worden. Jetzt kritisiert er die„Machenschaften“ und „fragwürdige Vermittlungsarbeit“ des Tierheims, droht mit Anzeigen gegen den Vorstand. Der wiederum beharrt darauf: „Dieser Mann ist zum Halten des Huskys nicht geeignet.“

Anfang August begann der Konflikt, der später eskalieren sollte. Marcel Neumann, der zuvor 14 Jahre lang einen Husky besessen hatte, war auf der Suche nach einem Nachfolger für sein geliebtes Tier. Er erfuhr, dass ein Artgenosse namens „Vito“ mit mutmaßlich acht Vorbesitzern im Flensburger Tierheim abgegeben worden sei – und vereinbarte einen „Besichtigungstermin“. Vito sei ein schwieriger Fall, habe man ihm sogleich eröffnet. Ein Rüpel. „Der würde auch schon mal in den Arm beißen und sogar in die Nase.“ Ein Problem-Hund also? Der Glücksburger konnte keine „dramatischen Auffälligkeiten“ an dem Husky feststellen.

Bei einem zweiten Besuch im Außengehege nahm das „Herrchen“ eine zusammengerollte Zeitung mit. „Damit ich im Falle eines Bisses mit dem Wort ’nein’ leicht an den Fang hauen konnte.“ Doch da war man im Tierheim anderer Auffassung. „Derartige Methoden sind bei uns nicht erwünscht“, wurde er von einer Mitarbeiterin belehrt. Ebensowenig erwünscht wie ein kräftiger Ruck an der Leine.

Der Vorgang mit der Zeitung als Instrument der Disziplinierung erweist sich als Schlüsselszene. Denn mit dieser Begründung wurde Neumann der Hund letztlich verweigert. Zudem sei er im Freilaufgehege zu laut geworden. Willy Sandvoß, Vorsitzender des Flensburger Tierschutzes, geht sogar noch weiter. Der ungeliebte Gast neige dazu, „brachial“ mit dem ihm anvertrauten Tier umzugehen. „Wir sind nach dem Gesetz verpflichtet, darauf zu achten, dass der potenzielle Hundehalter persönlich in der Lage ist, den Hund artgerecht zu halten und zu versorgen.“ Das sei im vorliegenden Fall nicht gegeben. Diese Einschätzung wurde nach Beratungen in der jüngsten Vorstandssitzung offenbar bestätigt. Nach Rücksprache mit Tierheimleiterin Catharina Brodersen erklärte Flensburgs Tierschutz-Chef, Marcel Neumann habe zu allem Überfluss auch noch versucht, Mitarbeiter unter Druck zu setzen. So soll er Ärger in Aussicht gestellt haben, wenn Teile des Personals nicht ausgewechselt würden; er werde zudem dafür sorgen, dass der Vorstand „rausfliegt“. Eine Pflegerin, die ihren Hundeausbilderschein gemacht hat, soll er beschimpft und ihre Qualifikation in nicht akzeptabler Weise angezweifelt haben. Tatsächlich schreibt Neumann an Willy Sandvoß, dass deren fachliche Kompetenz als angeblich ausgebildete Hundetrainerin „ziemlich ausbaufähig ist“. Sie habe sich unprofessionell verhalten. Überhaupt habe es ein einziges Wirrwarr um Zuständigkeiten gegeben.

Neumann versteht nicht, warum er abgeblitzt ist. Er verweist auf die optimalen Bedingungen, die seine Husky-Dame vor ihrem Ableben bei ihm vorgefunden hatte: 3000 Quadratmeter Grundstück, der Hund, fast immer ohne Leine, habe eine fürsorgliche, aber energische Früherziehung genossen. „Jeder in Glücksburg wird Ihnen bestätigen, dass sie ein artgerechtes, harmonisches Husky-Leben führte.“ Jetzt habe er Verantwortung für ein Tier mit erschütternder Vergangenheit übernehmen wollen und sei im Gegenzug des Stalkings bezichtigt worden. „Sogar ein Hausverbot hat man mir angedroht!“

Aus gutem Grund, findet Willy Sandvoß. „Wir sind Tierschützer – und keine Tierhändler. Es kann nicht jeder kommen und ein Tier so einfach mitnehmen.“ Und für Vito gebe es einige Interessenten. Das Prozedere ist festgelegt: Es geht zunächst um das Kennenlernen, das „Beschnuppern“ quasi, danach kann der Kandidat mit seinem Schützling einige Stunden laufen, ihn am Ende ein paar Tage mit nach Hause nehmen. „Wenn das alles stimmig ist“, so Sandvoß, „können wir das Tier gegen eine Schutzgebühr nach bestem Wissen und Gewissen abgeben.“ Diesen Eindruck habe man bei Marcel Neumann nicht gewonnen. „Ihm ging es nur um den Hund“, sagt Sandvoß, „und jetzt ist er frustriert.“

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erstellt am 18.Sep.2016 | 23:50 Uhr

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