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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 23:01 Uhr

Tarup: Bald ist auch Tante Emma weg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadtteil fühlt sich von Politik und Verwaltung abgehängt / Unterschriftensammlung für einen neuen Marktplatz an der Hauptstraße

Tarups Nahversorgung hat, zumindest im alten Ortsteil, die Zukunft wohl hinter sich. Am Monatsende schließt in dem östlichen Stadtteil der einzige Tante-Emma-Laden, und auch die Träume, den seit sechs Jahren brach liegenden Standort des ehemaligen Edeka-Nahversorgers am Norderlück zu reanimieren, sind ausgeträumt. Der Unternehmer Martin Aye, der das Grundstück vor drei Jahren mit dem Ziel erworben hat, dort ein kleines Nahversorgungszentrum als Shop-in-Shop-Center zu errichten, hat resigniert die Segel gestrichen und letzte Woche bei der Stadt eine Bauvoranfrage eingereicht. Er will den ehemaligen Edeka-Markt abreißen und dort Altenwohnungen bauen.

Damit endet alles Bemühen, im alten Ortszentrum von Alt-Tarup wieder den alten Dorf-Treffpunkt zu errichten. Seit dem Auszug des Edeka-Marktes vor ziemlich genau sechs Jahren scheiterte aber auch wirklich jeder Anlauf, den Verlust dieser Zentrumsfunktion auszugleichen. Zuletzt hatte sich Aye erbarmt. Der Unternehmer und gebürtige Taruper war von seinen Eltern gedrängt worden, etwas zu unternehmen. „Ich habe das sehr ernst genommen“, sagt Aye. „Es gibt, glaube ich, niemanden, mit dem ich in den letzten Jahren nicht gesprochen hätte.“ Doch Aye musste feststellen, dass der Standort für einen modernen Vollsortimenter mittlerweile viel zu klein ist. Das allein habe allerdings nicht das Aus bedeutet, sagt Martin Aye. K.o.-Kriterium für passende kleinere Interessenten sei das Stadtteilversorgungszentrum gewesen, das an der Hochfelder Chaussee entstehen soll. „Ich war mit zwei Interessenten so gut wie einig. Aber dann kam Hochfeld. Und dann war Schluss.“

Vergangenes Jahr hatte der Planungsausschuss die Weichen gestellt: Zwischen Bahndamm und K 8 kann ein großes Versorgungszentrum entstehen, das für die Ortsteile Sünderup, Hochfeld und Groß-Tarup gut zu erreichen ist. Für viele Bewohner im alten dörflichen Ortsteil, der 1972 von Flensburg eingemeindet und in den Folgejahren entlang der Taruper Hauptstraße erschlossen und bebaut wurde, dürfte der neue Standort zu weit weg sein. Sie sind mit ihren Häusern in die Jahre gekommen. Die schlechte Versorgungslage am Stadtrand wird für sie zur zunehmenden Belastung, sagt Dieter Röhling, Vorstand in der sehr rührigen Ortsteil-Vertretung Forum Tarup.

Das Forum wirft jetzt die Frage auf, ob nicht umgekehrt die mobileren Siedler in den Neubaugebieten zu motivieren wären, im alten Ortsteil einzukaufen. Im Forum wurden zuletzt Vorschläge diskutiert, das große Nahversorgungszentrum auf einem Grundstück zwischen der Straße an der Baumschule  /  Taruper Hauptstraße zu errichten. Dort sind in der Tat nach Aufgabe des Baumschulbetriebes große Flächen frei geworden. Röhling zufolge habe die Kirchengemeinde auf Nachfrage signalisiert, dass sie Flächen für den Bau des Versorgungszentrums verkaufen würde. Auf dem Gelände des Edeka-Marktes, das würde gut passen, findet Röhling, könnte dann in der Tat eine Altenwohnanlage entstehen.

Die Stadtplanung ist da nicht so begeistert. Planungschef Peter Schroeders verweist auf das 2006 entwickelte Einzelhandelskonzept – eine politische Beschlusslage, die ohne politischen Beschluss nicht ausgehebelt werden könne. Zudem weist er als Grünplaner darauf hin, dass die vom Forum Tarup ins Gespräch gebrachte Fläche mitten in einem großen innerstädtischen Grünkorridor liegt. Insgesamt ist sie anscheinend nicht erste Wahl. Röhling und seine Mitstreiter verweisen aber auf das gleiche städtische Konzept, in dem die fußläufige Erreichbarkeit der Nahversorgungszentren grafisch dargestellt ist. Und, tatsächlich, im Niemandsland zwischen Engelsby und Hochfeld, liegt Alt-Tarup mit seinen 4000 Bewohnern. Unversorgt.

Die Tarup-Lobby will sich das nicht länger gefallen lassen. Röhlings Mitstreiter wissen, dass die bevorstehende Wahl des Oberbürgermeisters die vielleicht letzte Chance ist, noch eine Verbesserung ihrer Situation herbeizuführen. Deshalb will das Forum den konkurrierenden Vorschlag eines Versorgungszentrums am Standort Taruper Straße offensiv einbringen. Im Gespräch sei auch eine Verpflichtung des Investors in Alt-Tarup eine Zweigstelle zu errichten, sollte er denn an der Hochfelder Chaussee zum Zuge kommen. „Aber“, sagt Röhling, „gesichert ist da noch gar nichts.“ Naja, fast nichts. Martin Aye will in seinem Wohnhaus auch gewerbliche Flächen vermieten. Sollte da einer kommen, der eine Fläche für einen kleinen dezentralen Markt braucht – er sei da ganz offen, so Aye. Die Taruper wollen derweil Volkes Stimme heben. Eine Unterschriftensammlung läuft.


Online-Abstimmung unter https://forum-tarup.de/nahversorgung-unterschriftenaktion

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erstellt am 07.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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