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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 03:01 Uhr

450 Jahre Altes Gymnasium Flensburg : Stürmischer Beifall nach Heimspiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Sopranistin Dorothea Röschmann brachte Lieder von Franz Schubert, Gustav Mahler und Hugo Wolf zu Gehör

Es scheint doch noch Menschen zu geben, die gern und dankbar an ihre Schulzeiten zurückdenken und den Kontakt zu ihrer alten „Penne“ nie ganz abreißen lassen. Dorothea Röschmann, eine der aktuell weltweit begehrtesten Soprane, gehört wohl zu dieser Spezies: Sie drückte einst die Schulbank am Alten Gymnasium, startete von hier aus ihre Weltkarriere und gab jetzt aus Anlass des 450-jährigen Jubiläums ihrer alten Schule gemeinsam mit Malcolm Martineau als brillantem Klavierpartner ein Lieder-Recital im Flensburger Theater.

Im Gepäck hatten die beiden Künstler Lieder von Franz Schubert, Gustav Mahler und Hugo Wolf auf Texte der Hochromantik, jener morbiden Epoche, der ein breites Gefühlsspektrum zwischen Liebe und Wehmut, Glück und Abschied, Hoffnung und Todesnähe zu eigen war. Dorothea Röschmann, die auf den großen Bühnen der Welt genau solche hin- und hergerissenen Bühnenfiguren hinreißend zu verkörpern versteht, stürzte sich mit Feingefühl und gelegentlichem Furor in diese uns einigermaßen fremd erscheinende Welt zwischen Himmel und Hölle und kostete die seelischen Achterbahnfahrten von verwirrter Seligkeit über Grabesfantasien bis zu gespenstischen Fantastik genüsslich aus.

Ihre breit ausschwingende Stimme scheint farbenreicher, aber auch voluminöser geworden zu sein, bisweilen wird die Dramatik des emotionalen Augenblicks mit musiktheatralischer Attacke ausgeformt. Das passte beispielsweise besonders gut zum Mörike-Lied „Denke es, o Seele“ von Hugo Wolf, wo sie zunächst sehr verhalten über die unvermeidliche Endlichkeit unseres Daseins räsonierte, um dann zu einer Art Trauermarsch in der Klavierbegleitung das Schaudern vor dem unausweichlichen Ende explosiv und damit erschreckend eindrücklich herauszuschleudern.

Malcolm Martineau, begehrter Partner aller großen Liedersänger unserer Zeit, präsentierte sich an diesem Nachmittag in Bestform mit seiner nie vernebelnden Anschlagskultur, klugem Pedalgebrauch, dem Verzicht auf sentimentalistische Übernuancierung und einem unwiderstehlichen, schottischen Sinn für humoristische Nuancen. Allzu gern ließ sich Dorothea Röschmann von solchen Vorlagen ihres auch mimisch regen Klavierpartners animieren und servierte Hugo Wolfs nur scheinbar harmlose „Begegnung“ als doppelsinnigen, augenzwinkernden Widerschein einer stürmischen Liebesnacht. Ebenso stürmisch fiel auch der Beifall des dankbaren Publikums aus, das mit feinen Zugaben von Hugo Wolf und Robert Schumann belohnt wurde.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 12:22 Uhr

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