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Flensburger Tageblatt

29. August 2016 | 18:24 Uhr

Belästigung : Stress mit Flüchtlingen im Campusbad

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Rettungswagen, Hausverbot, Polizeieinsatz: Immer mehr Zwischenfälle durch Gruppen Jugendlicher – und ein erster Fall sexueller Belästigung.

Flensburg | An einem guten Tag tummeln sich schon mal tausend Gäste im Campusbad und in der Sauna. „Wir merken, dass vermehrt Gruppen ins Bad kommen, die noch nicht alle Regeln kennen“, beobachtet Andreas Ostmann, Geschäftsführer des Campusbades, meint Migranten und spricht von einer kontinuierlichen Entwicklung im Verlauf des Jahres. Während in letzter Zeit häufiger Zwischenfälle aufgetreten seien, bei denen das Personal eingreifen musste, sei es am Wochenende zum ersten Mal zu einer sexuellen Belästigung durch eine Gruppe junger Männer gekommen, sagt Ostmann.

Nach Polizeiangaben bedrängten fünf männliche Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren fünf Mädchen zwischen 14 und 16 am Sonnabendabend im Bad sexuell. Die Tatverdächtigen tragen die afghanische Staatsbürgerschaft, teilt die Polizei außerdem mit. Die Belästigungen sollen sowohl verbaler als auch handgreiflicher Art gewesen sein, präzisiert Campusbad-Geschäftsführer Andreas Ostmann. Die bedrängten Mädchen wandten sich an das Personal und erstatteten Anzeige bei der Polizei. (Zeugen melden sich bitte beim zuständigen K2 der Bezirkskriminalinspektion Flensburg unter Telefon: 0461-4840.)

Ostmann betont, dass dieser Vorfall sexueller Belästigung am Wochenende bislang eine Ausnahme gewesen sei. Andere Verstöße gegen die Verhaltensregeln in einem öffentlichen Bad hingegen seien häufiger geworden und zuletzt auch mehrfach mit Hausverboten geahndet worden. Deren Zahl bewege sich noch im einstelligen Bereich, sagt Andreas Ostmann.

Vom Rangeln miteinander bis zum Reinspringen vom Beckenrand, von unangemessener Badekleidung bis Lautstärke reichten die Verletzungen der Regeln. Auch schlichte Überschätzung der eigenen Fähigkeiten machten schon Rettungseinsätze erforderlich. Das Duschen vor dem Bad und danach klinge banal, sei aber nicht selbstverständlich für jeden, gibt Ostmann ein Beispiel. Ebenfalls aus hygienischen Gründen unerwünscht sind sehr lange Badehosen, die manche Schwimmer zudem mit Unterhosen tragen. Und: „Sammel-Umkleiden sind zum Umkleiden da, nicht zum Angucken.“ Besuchern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, werde versucht, Gebote und Verbote mittels bildlicher Darstellungen nahe zu bringen. Nicht nur ist das Personal gehalten, bei Regelverstößen einzugreifen: Die Bad-Betreiber hoffen auch auf das vorbildliche Verhalten der übrigen Schwimmer. „Wir nehmen die Mithilfe der anderen Badegäste gern in Anspruch“, räumt der Campusbad-Geschäftsführer ein und nennt das als einen Grund für die zu diesem Thema offensive Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke, die das Campusbad betreiben.

Welchem Kulturkreis die in letzter Zeit auffällig gewordenen Gruppen junger Männer im Campusbad angehörten, kann Ostmann nicht sagen und auch nicht, ob sie erst seit kurzem oder schon seit langem in Deutschland lebten. Und er betont, wie sehr man sich über die Beliebtheit des Bades freue. Der Geschäftsführer sieht aber momentan keinen Grund, mehr als mindestens einen Mitarbeiter pro Becken abzustellen; stattdessen macht er einen anderen Vorschlag: Begrüßenswert wäre, wenn ein Betreuer solche Gruppen begleiten würde, der als Bezugsperson zwischen Gästen und Personal vermitteln könnte. Intern werde zudem diskutiert, ob ein Badepass für Flüchtlinge sinnvoll ist, mit dem die Vermittlung der wesentlichen Baderegeln verbunden wäre.

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erstellt am 19.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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