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Flensburger Tageblatt

28. August 2016 | 12:23 Uhr

Flensburg : Streit um Galwik-Hotel eskaliert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hotelneubaupläne in der Neustadt sorgen für Zündstoff: Die Industrie in der Nordstadt droht mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen.

Flensburg | Der Planungsausschuss der Ratsversammlung hat die Frage, ob ein mögliches Hotel in der Galwikbucht vier oder doch nur drei Geschosse haben darf, am Dienstagabend auf die nächste Sitzung am 11. November vertagt. Derweil droht der Streit zwischen Politik und Wirtschaft um die Grundsatzfrage zu eskalieren, ob am Brauereiweg zwischen Fahrzeugwerken (FFG) und Niro Petersen ein Hotel entstehen sollte.

„Standorte mit Konfliktgarantie stehen nicht auf der Wunschliste von Investoren und Betreibern von Beherbergungsbetrieben“, hatte die Industrie- und Handelskammer IHK bereits Anfang der Woche zu bedenken gegeben. Zuvor hatte ein Lärmgutachten im Auftrag der Stadt ergeben, dass ein Hotel inmitten der großen Industriearbeitgeber der Stadt wie FFG, Niro P, Werft oder Stadtwerke keine Nutzungskonflikte birgt. Genau das befürchten aber die benachbarten Industriebetriebe. FFG-Chef Norbert Erichsen, als unmittelbarer Nachbar zusammen mit Niro P am direktesten betroffen, wurde am Mittwoch deutlich: „Wir planen, dieses Gutachten anzufechten und sind mit der Stadt auf Kriegsfuß.“

Er beklagt, dass Politik und Stadtverwaltung sich nicht bewegen würden: „Hier wird Stadtteilpolitik gemacht zu Lasten der FFG“, schimpfte er und ergänzte: „Die wollen das Hotel bauen, ganz egal, ob Panzer vorbeifahren oder nicht.“ Erichsen befürchtet, dass ihm das neue Hotel bei möglichen Erweiterungsplänen im Weg stehen könnte und droht, den in ein Gebäude auf der anderen Seite des Brauereiwegs ausgelagerten Prototypenbau aus Flensburg abzuziehen und damit Arbeitsplätze zu verlagern. Die FFG beschäftigt an ihren Standorten Werftstraße und Mads-Clausen-Straße rund 500 Mitarbeiter.

Der Planungsausschussvorsitzende Axel Kohrt (SPD) zeigte für Erichsens Standpunkt kein Verständnis: Immer nur zu sagen, wir fühlen uns eingeengt, ist zu wenig.“ Die SPD-Fraktion sei von Anfang an davon ausgegangen, dass eine Hotelplanung hier möglich sein muss – „und das Gutachten sagt, dass es geht“. Ähnlich sieht es sein Stellvertreter: „Konsequenz aus dem Lärmgutachten ist, dass das ganze Projekt weitergeführt werden muss“, sagt Arne Rüstemeier (CDU). Tatsächlich sei ein Hotel hier ohnehin nicht das beschränkende Merkmal, sondern die Wohnviertel der nahen Neu- und Nordstadt: „Die umgebende Wohnbebauung hat höhere Rechte.“

Beraten wurde am Dienstag im Ausschuss aber nicht der Verkauf an den Kieler Investor Lasse Lange, sondern lediglich die Frage, ob statt ohnehin erlaubter drei auch vier Geschosse möglich seien. „Dem wird wahrscheinlich nichts im Wege stehen“, schätzt Rüstemeier. Ob man den Hotelneubau und den Grundstücksverkauf an die Kieler Familie Lange tatsächlich verfolge, sei damit noch nicht entschieden. Die CDU-Fraktion wolle sich in ihrer Sitzung am 27. Oktober auf ihr weiteres Vorgehen verständigen.

Die Kieler Investorenfamilie Lange plant, auf dem Grundstück Brauereiweg 14 ein 4-geschossiges Hotel mit 105 Zimmern (210 Betten) und öffentlicher Gastronomie im Erdgeschoss zu entwickeln, das als Endpunkt der neu zu planenden Promenade zu einer deutlichen Belebung des Wasserplatzes führen soll. FFG-Chef Norbert Erichsen indes hat den Eindruck, dass seine Alternativvorschläge auch hier nicht gehört werden: „Ich habe vorgeschlagen, ein Bistro zu bauen, auf unsere Kosten.“

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erstellt am 16.Okt.2014 | 08:26 Uhr

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