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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:38 Uhr

Blaue Plakette : Stinke-Diesel: Fahrer können aufatmen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Flensburg ist die Einführung einer blauen Plakette bislang kein Thema – und auch die Kfz-Innung ist skeptisch

Horst Simonsen ist 80 Jahre alt – sein Diesel etwas jünger. Der geliebte Mercedes 220, Baujahr 1996, ist nicht überall erwünscht. Mit der Euro  3-Norm muss er draußen bleiben – öfter, als ihm lieb ist. Um etwa ins Innerste von Berlin vordringen zu können, müsste er gleich drei Plaketten vorweisen. Illusorisch. Er hat lediglich eine gelbe. „Da fahr ich gar nicht mehr hin“, sagt der Handwerker. Auch gewisse Bezirke von Hamburg oder Hannover muss er meiden. „Ja, sagt er, „wir mit den betagten Dieseln haben unsere ganz eigenen Wege.“

Was hält er von einem Fahrverbot für „Stinke-Diesel“ in stark schadstoffbelasteten Zonen, das jetzt auch in Schleswig-Holstein diskutiert wird? „Einerseits ja“, sinniert er, „der Umwelt zuliebe. Aber für mich selbst bedauerlich.“ In Flensburg muss er sich im Gegensatz zu Großstädten und Ballungszentren keine Sorgen machen. Die Einführung einer blauen Plakette liegt in weiter Ferne. Wenn überhaupt. Wie Nicola Kabel, Sprecherin des Kieler Umweltministeriums gestern auf Anfrage bestätigte, wurden vor zwei Jahren nur für Kiel und Norderstedt Grenzwerte überschritten. „Auch nach den vorläufigen Zahlen für 2015 sind nur diese beiden Städte dabei.“

Allerdings steigt die Stickstoffdioxid-Konzentration auch in Flensburg nahezu täglich über den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Während der Hauptverkehrszeiten lag dieser Wert allein gestern in der Spitze bei rund 70 Mikrogramm und mehrere Stunden über dem Grenzwert von 40. Für die Behörden ist als Grenzwert jedoch der langfristige Mittelwert definiert – und der beträgt an der Messstation des Landes an der Dr.-Todsen-Straße (Nähe Deutsches Haus) 33 Mikrogramm.

„Wir haben viele Freiräume und Windlagen, insofern ist eine hohe Konzentration an Schadstoffen sehr selten“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Konkrete Überlegungen für ein Fahrverbot gebe es bislang nicht. „Gleichwohl verfolgen wir die Debatte mit Interesse.“ Teschendorf gibt auch zu bedenken, dass derlei Maßnahmen nicht ohne Weiteres praktikabel seien und man zeitig Alternativen entwickeln müsste.

„Wie soll denn das auch funktionieren?“, fragt in diesem Zusammenhang der Obermeister der Kfz-Innung Flensburg Stadt und Land, Günther Görrissen. „Will man die B  199 als wichtigste Einfallstraße für ältere Diesel-Fahrzeuge komplett sperren? Dann wäre die Stadt ja wie abgeriegelt.“ Der Kfz-Mechanikermeister spricht von überzogenen Plänen, die für Ballungsgebiete sinnvoll seien, für eine Stadt wie Flensburg jedoch kaum in Erwägung gezogen werden sollten. Außerdem: „Für Abgase sind auch Benziner verantwortlich, die Direkteinspritzer pusten genug Feinstaub in die Luft.“

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erstellt am 13.Jul.2016 | 07:54 Uhr

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