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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:14 Uhr

Steiler Anstieg bei den Wärme-Kosten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Preise für Strom sind in 20 Jahren weniger stark gestiegen als die für Fernwärme / Stadtwerke: Monopol wird nicht ausgenutzt

Die Preise für Fernwärme sind in Flensburg in den vergangenen 20 Jahren deutlich stärker gestiegen als die für Strom. Das zeigt eine Analyse von Stadtwerke-Rechnungen seit 1995. Kostete eine Megawattstunde Wärme im Jahr 1995 noch rund 23 Euro, sind 2016 dafür 63,70 Euro zu berappen. Das ist fast eine Verdreifachung des Preises. Der Strompreis hat sich in der selben Zeitspanne „nur“ verdoppelt – von 13 Cent auf 26,5 Cent im Tarif HT Expert.

Mit ihrem Strom stehen die Stadtwerke Flensburg in einem harten Konkurrenzkampf zu anderen Anbietern auf dem liberalisierten Strommarkt. Darum muss er scharf kalkuliert werden, damit die Stromkunden nicht zur Konkurrenz wechseln. Bei der Fernwärme haben die Stadtwerke hingegen nahezu ein Monopol. Bei einer Anschlussquote von über 98 Prozent – Rekordwert in Deutschland – und einem Anschlusszwang hat der frierende Flensburger keine andere Wahl: Er muss Fernwärme von den Stadtwerken beziehen, koste sie, was es wolle.

Und schaut man sich die Preisentwicklung an, steigt der Preis schrittweise kontinuierlich an, mal in größeren Schritten, mal in kleineren. Der Vergleich mit der Entwicklung des Strompreises ist dabei schwierig, weil bei der Fernwärme der Anteil des fixen Grundpreises deutlich höher ist als beim Strom. Und: Der unabhängig vom Verbrauch zu zahlende Grundpreis stieg erheblich schneller als der Arbeitspreis – von 8,70 Euro pro bereitgestellter Kilowattstunde und Jahr auf knapp 36 Euro. Stand der Grundpreis im Jahr 2000 noch in einem Verhältnis von rund 1 zu 4 zum Arbeitspreis, schrumpfte dieser Faktor auf unter 1 zu 2. Das bedeutet, dass sich die Stadtwerke einen wachsenden Anteil an festen Einnahmen im Bereich Fernwärme sichern, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Oder aus Sicht der Verbraucher: Kosten sparen wird immer schwerer. Denn bei der jährlichen Rechnung nähert sich der Anteil des unveränderlichen Grundpreises immer mehr dem Anteil für den tatsächlichen Verbrauch an.

Beim Strom war die Entwicklung gegenläufig. Von 2002 bis 2009 betrug der Grundpreis 132 Euro pro Jahr, bis er über 85,68 Euro auf 71,40 Euro sank; heute liegt er bei 75 Euro. Der Verbrauchspreis stieg in den letzten Jahren kaum noch an; zuletzt machte er 2013 einen Sprung von knapp 24 auf knapp 27 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Die Stadtwerke weisen darauf hin, dass Preise und Kosten für Strom und Fernwärme unterschiedlichen Bedingungen folgen, obwohl beide zusammen im gleichen Kraftwerk erzeugt werden. „Für den Strom, den wir im Kraftwerk produzieren, erzielen wir immer weniger Erlöse an der Strombörse und müssen dies anteilig in der Kalkulation des Fernwärmepreises berücksichtigen“, sagte auf Anfrage Stadtwerke-Sprecher Peer Holdensen.

Der Anschlusszwang bei Fernwärme sei politisch gewünscht und mache Sinn, zudem sei eine hohe Anschlussdichte Voraussetzung für günstige Kosten. In einem bundesweiten Vergleich von Fernwärmepreisen liege man nach wie vor unter dem Durchschnitt, so Holdensen.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 07:33 Uhr

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