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Opferhilfe in Flensburg : Stalking, Raub, Einbruch: Die Leiden der Opfer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weißer Ring Flensburg legt seine Jahresstatistik vor / Frauen suchen deutlich öfter Hilfe als Männer

Die gute Nachricht zuerst: 2016 musste der Opferhilfeverein „Weißer Ring“ Flensburg in lediglich 75 Fällen tätig werden. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Schnitt der letzten 20 Jahre.

Die schlechte Nachricht: In den ersten Monaten dieses Jahres gab es bereits 30 Fälle, in denen Geschädigte von den ehrenamtlich tätigen Kräften des Vereins betreut werden. „Da ging es Schlag auf Schlag“, berichtet Karl-Heinz Ritzmann, Leiter der Außenstelle am Munkenholt. Insgesamt 1235 Stunden investierten die sieben Mitarbeiter im letzten Jahr, um Betroffenen zu helfen. Davon fast 300 Stunden in direktem Kontakt mit Hilfesuchenden. Das geht aus der aktuellen Opferstatistik hervor. Die finanzielle Unterstützung belief sich dabei auf 7715 Euro. „Das Geld spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Ritzmann. „Viel bedeutsamer ist der seelische Schaden, den die Opfer davontragen.“ So werden nicht nur Beratungsschecks für einen Anwalt ausgestellt, sondern es gibt auch psychosoziale Hilfen, wie etwa die Prozessbegleitung.

Frauen sind bei den Beratungen deutlich stärker vertreten als Männer, die dazu neigten, ihre Probleme lieber allein zu lösen, so die Erfahrung des langjährigen Vereinschefs. Er hat es mithin überwiegend mit Sexualdelikten und Stalking zu zu tun.

Sexueller Missbrauch, der aus der Kindheit herrührt, werde bei den Betroffenen oft verdrängt und erst im Erwachsenenalter an die Oberfläche gespült. Männer sind davon nicht ausgenommen. „Sie alle leiden wirklich schwer“, sagt Ritzmann und führt als Beispiel eine Frau an, die als Kind fünf Jahre lang missbraucht wurde – mit Wissen der Mutter.

Einen breiten Raum nimmt auch die Opferbetreuung bei Raub, Körperverletzung und Diebstahl ein. Nach Erfahrungen Ritzmanns nimmt die Bandenkriminalität seit Dezember stark zu. Wohnungseinbrüche etwa häufen sich, nicht nur in der Stadt, sondern auch im ländlichen Raum. Bevorzugte Ziele seien schlecht einsehbare Häuser in Autobahnnähe. „Die Täter werden immer dreister, sie gehen blitzschnell vor und sind noch schneller über alle Berge.“

Zurück bleiben die Mieter oder Eigentümer mit psychischen Folgeschäden, die sich in Schlaflosigkeit und Angstzuständen manifestieren. „Der materielle Schaden ist dagegen fast irrelevant“, betont Ritzmann. Die Opfer könnten bisweilen in ihrem Zuhause nicht mehr weiterleben. „In solchen Fällen helfen wir bei der Wohnungssuche und organisieren den Umzug.

Der Verein hatte es 2015 mit 20 Körperverletzungen und zwei Tötungsdelikten zu tun. „Das waren äußerst brutale Vorgänge, die bei den Angehörigen tiefe Spuren hinterlassen haben“, sagt Ritzmann und lobt die gute Kooperation mit der Polizei und den anderen Außenstellen des Weißen Rings.

Mobbing und Stalking bleiben ein Thema. Laut Ritzmann haben Schulen das Problem immer besser in den Griff bekommen. „Die Aufklärung greift.“ Doch Cybermobbing sei weiterhin virulent. Wenn Beziehungen in eine Trennungsphase treten, hat der Verein es mit Stalking-Opfern zu tun: Zerstochene Reifen, Fäkalien in Briefkästen oder permantenter Telefonterror sind nur einige Beispiele der unangenehmen Auswüchse. „Leider gibt es immer noch genug Männer, die Frauen als ihr Eigentum betrachten – und letztlich deren Leben ruinieren.“

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erstellt am 13.Mär.2017 | 07:26 Uhr

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