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Flensburger Tageblatt

31. August 2016 | 04:13 Uhr

Flensburg : Stadtwerke lassen Beteiligungsfirma pleite gehen

vom

Die Flensburger Förde Energie ist eine Beteiligungsfirma der Stadtwerke - und pleite. Mit der Insolvenz steigen die Stadtwerke aus dem letzten fernen Kohlekraftwerksprojekt in Lünen aus.

Flensburg | Am Ende musste es mal wieder ziemlich schnell gehen: In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung hat der Stadtwerke-Aufsichtsrat bereits am Freitag beschlossen, keine zusätzlichen Mittel in die eigene Beteiligungsfirma Flensburger Förde Energie nachzuschießen, um das sich abzeichnende Insolvenzszenario abzuwenden. Am Dienstag wurde der Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Da es für die FFE keine positive Zukunftsperspektive mehr gebe, hätten die Stadtwerke diesen für kommunale Firmentöchter eher ungewöhnlichen Schritt gehen müssen, teilte das Unternehmen danach am Nachmittag mit. "Wir wollten es auf jeden Fall noch in diesem Jahr machen", bestätigte Stadtwerke-Sprecher Peer Holdensen. Sonst hätte wohl sogar der Straftatbestand der Insolvenzverschleppung gedroht.
Die im Jahr 2004 noch unter dem damaligen Geschäftsführer Matthias Wolfskeil gegründete FFE ist aus heutiger Stadtwerke-Sicht überschuldet und könne anstehenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr aus eigener Kraft nachkommen. Beinahe alle von der damaligen Geschäftsführung eingegangenen Beteiligungen der FFE seien verlustbringend gewesen. Letztlicher Auslöser für die Insolvenz der FFE sei die 2,1-prozentige Beteiligung am Trianel-Kohlekraftwerk Lünen (TKL) sowie ein Stromliefervertrag mit diesem Kohlekraftwerk. Aus diesen vertraglichen Regelungen kämen Verpflichtungen auf die FFE zu, die diese nicht mehr bedienen könne. Da nach aktueller Bewertung keine Einnahmen aus anderen Beteiligungen der FFE zu erwarten seien, sahen die Stadtwerke keine Perspektive mehr für die FFE.

"Spektakuläre Lösung"

Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Render erkennt auch Auswirkungen für die anderen am TKL beteiligten Stadtwerke: "Wir halten mit 2,1 Prozent einen vergleichsweise geringen Anteil." Für die aus den bestehenden Verträgen zu erwartenden Belastungen habe die Stadtwerke-Geschäftsleitung bereits in der Vergangenheit Vorsorge getroffen, so dass das Stadtwerke-Ergebnis 2012 nicht belastet werde. Es tue ihm für die anderen Gesellschafter des Trianel Kohlekraftwerks Lünen leid, dass sie die Flensburger Belastungen nun wahrscheinlich mittragen müssten. "Insgesamt hätten wir lieber eine weniger spektakuläre Lösung als die Insolvenz umgesetzt", sagte Render.
Dagegen war es im Geschäftsjahr 2011 gerade das Lünen-Engagement, das auf das Ergebnis gedrückt hatte: Nachdem im vorletzten Jahr die Alt-Engagements in Ventspils und Krefeld auf das Ergebnis drückten, waren es 2011 knapp acht Millionen Euro, die die Stadtwerke-Bilanz belasteten - ganz überwiegend durch Lünen.
Wie sich im Falle einer Insolvenz die Situation bei den zur FFE zählenden Unternehmen Bioenergie Brunsbüttel Contracting (25,1%), Bioenergie Brunsbüttel Contracting Verwaltungs-GmbH (25,2) und Geothermie Wilhelmsburg (33,33) entwickele, müssten die Stadtwerke im nächsten Schritt bewerten. Arbeitsplätze seien durch die Insolvenz nicht gefährdet.

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erstellt am 19.Dez.2012 | 08:07 Uhr

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