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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 07:57 Uhr

Neue Planung in Flensburg : Stadt schließt drei Asylunterkünfte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dammhof, Reitbahn und Schlossstraße werden nicht mehr gebraucht – dafür dringend Kita-Plätze für Flüchtlingskinder

Derzeit erreichen kaum noch neue Flüchtlinge Flensburg. Mal sind es drei pro Woche, manchmal auch gar keiner. Das berichtete Bürgermeister Henning Brüggemann vor rund 150 Interessierten beim Infoabend „Flüchtlinge – wie läuft’s?“ in der Bürgerhalle und erinnerte daran, dass im Spätherbst 2015 bis zu 90 Geflohene pro Woche vor dem Rathaus standen. Deshalb will die Stadt noch in diesem Jahr das Netz ihrer Asylunterkünfte deutlich ausdünnen und drei der ersten, zentral gelegenen Unterkünfte noch vor Weihnachten schließen: das ehemalige Jugendaufbauwerk am Dammhof, das langfristig in den Handwerkskammerkomplex aufgenommen werden soll, sowie die Unterkünfte an der Reitbahn und Schlossstraße (früher Paulus-Paulsen-Schule), die – wie ursprünglich geplant – nun verkauft werden sollen. Wenn im Februar dann, wie lange vorgesehen, das SBV-Hochhaus Travestraße zum Abriss geschlossen wird und bis zum Herbst 2017 die Exe-Container abgebaut sind, wird es in der Innenstadt keine Gemeinschaftsunterkünfte geben. Die beiden großen Standorte werden dann die neuen Modulbauten in Weiche sein, am Friedensweg (552 Plätze) und der Graf-Zeppelin-Straße (384). Dann gibt es als letzte citynahe Gemeinschaftsunterkunft die Nerongsallee. Wann und wie die nagelneue Unterkunft Kanzleistraße gebraucht wird, ist immer noch offen.

Karen Heiss aus dem Einwanderungsbüro berichtete, dass neben 676 Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften (siehe Karte) fast ebenso viele (600) in 150 angemieteten dezentralen Wohnungen untergekommen seien. Insgesamt seien seit Jahresbeginn 700 Flüchtlinge innerhalb der Stadt umgezogen – darunter alle Familien von der Exe, die nun überwiegend am Friedensweg lebten. Neben 1066 Asylbewerbern im Verfahren leben in Flensburg auch 539 anerkannte Geflohene mit Aufenthaltstitel. Mittlerweile wohnen mehr Flüchtlinge aus Afghanistan in Flensburg als Syrer. Auf den Plätzen folgen Irak, Iran und Armenien.

Bildungsfachbereichsleiter Wolfgang Sappert wies auf die große Bedeutung der vorschulischen und frühkindlichen Bildung auch für die Flüchtlingsfamilien hin und berichtete von zwei neuen Kita-Angeboten, die der Träger Adelby1 im Umfeld des Friedenwegs plane. Insgesamt würden für rund 130 Flüchtlingskinder Kita-Plätze gebraucht. Zur Gesamtsituation an Kita-Plätzen in der wachsenden Stadt Flensburg gab er offen zu: „Insgesamt haben wir ein großes Defizit von 500 Plätzen, die wir abdecken müssen.“ Die Flüchtlingskinder sind da noch nicht mitgezählt.

In der Unterkunft Friedensweg plant Adelby1 auf dem Areal von bis zu zwei Wohnungen zum Jahreswechsel eine integrative Kita mit zwei Gruppen und 30 Plätzen, die auch offen für deutsche Kinder aus der Nachbarschaft sei. Adelby1-Chef Heiko Frost erklärte, dass die Zeit dränge: „Die Kinder brauchen den Spracherwerb vor der Schule.“ Zudem soll es am Quakenweg eine 15-köpfige Naturgruppe für Flüchtlingskinder geben – und zwar schon Mitte Oktober. Frost: „Wir warten täglich auf die Genehmigung vom Sozialministerium.“

Im Internet steht seit Freitag ein Video über das Leben an der Graf-Zeppelin-Straße bereit: https://youtu.be/AmfD5HQxYmg

 

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erstellt am 08.Okt.2016 | 08:45 Uhr

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