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Flensburger Tageblatt

27. Juni 2016 | 09:46 Uhr

Seniorenbeirat Flensburg : Stadt schließt Ausstellung zu Atomkatastrophen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Seniorenbeirat muss 15 Plakate zu Fukushima und Tschernobyl nach zwei Tagen aus dem Rathaus entfernen. Als Grund dafür nennt die Stadt Flensburg die „politisch einseitige“ Ausstellung.

Flensburg | Es sollte eine Ausstellung zum Gedenken an die Atomkatastrophen im japanischen Fukushima vor fünf Jahren und in Tschernobyl (Ukraine) von 1986 werden. Doch die Plakate, die der Seniorenbeirat am vergangenen Mittwoch im Foyer der Bürgerhalle unter dem Titel „Fukushima, Tschernobyl und wir“ aufgehängt hat, mussten nach nur zweieinhalb Tagen, am Sonnabend, wieder abgenommen werden. Der Grund: Die Ausstellung ist „politisch einseitig“.

Ekkehard Krüger, Vorsitzender des Seniorenbeirats, sollte die Plakate nach eigener Aussage sofort abbauen, doch mit der Stadt einigte er sich darauf, diese bis zum Gedenktag am 11. März hängen zu lassen. Auf den Plakaten im A0-Format seien nicht nur die Katastrophen und ihre Folgen dargestellt, sondern auch, wie es bis heute weiter gegangen ist. Um die Informationen zu vervollständigen, hat Krüger Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar, Oberbürgermeister Simon Faber sowie die Ratsfraktionen gebeten, in kurzen Statements etwas zur Ausstellung beizutragen. Doch bis auf die Grünen-Fraktion habe sich beim Seniorenbeirats-Vorsitzenden niemand gemeldet.

Die Ausstellung selbst findet Krüger sachlich und neutral. Doch die Stadt habe das anders gesehen. Stadtsprecherin Kathrin Ove erklärt zur Verbannung der Plakate aus der Bürgerhalle, dass im Rathaus alle Ausstellungen im Büro für Grundsatzangelegenheiten gesichtet werden. Dazu sei das Büro verpflichtet. Normalerweise passiere das, wenn jemand eine Ausstellung anmeldet, doch das sei beim Seniorenbeirat scheinbar nicht geschehen. „Die Stadtverwaltung muss neutral sein“, sagt sie. Als die Plakate in der Bürgerhalle gesichtet wurden, stellten Mitarbeiter des Büros für Grundsatzangelegenheiten fest, dass diese nicht neutral seien. Folglich habe die Ausstellung abgebrochen werden müssen. Krüger erinnert sich, dass der Leiter des Büros für Grundsatzangelegenheiten, Olaf Carstensen, ihm gesagt habe, dass dann auch Pegida und andere kommen könnten, wenn er die Ausstellung genehmigt.

Ursprünglich sollte die Ausstellung bis zum 23. März gehen. Doch nun weist ein Schild darauf hin, dass sie vorzeitig geschlossen werden musste. Krüger ist auf der Suche nach einer Alternative, um die Plakate an einem anderen Ort zu zeigen.

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erstellt am 17.Mär.2016 | 11:00 Uhr

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