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Flensburger Tageblatt

30. August 2016 | 05:09 Uhr

Flensburger Brauerei als Nachfolger? : Stadt Flensburg setzt Bellevue-Pächter vor die Tür

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heimfall an der Hafenspitze: Die Stadt Flensburg fordert das Pachtgrundstück wegen Untätigkeit zurück. Die Flensburger Brauerei gilt als heiße Nachfolgekandidatin.

Flensburg | Das war’s. Frank-Dieter Cohrt kann das Kapitel Bellevue nach einem Jahr abhaken. Der Finanzausschuss beschloss am Donnerstag in nicht öffentlicher Sitzung, den Heimfall des Pachtgrundstücks an der Hafenspitze geltend zu machen, das Cohrt vor einem Jahr aus der Insolvenzmasse der vorherigen Betreibergesellschaft erworben hattte. Die Stadt wird ihren Anspruch jedoch nicht mit sofortiger Wirkung einklagen, sondern in ein achtwöchiges Moratorium kleiden. In dieser Zeit soll nach Informationen des Flensburger Tageblatts geklärt werden, ob das Bellevue nicht übergangslos in neue Hände übergehen kann. Die Flensburger Brauerei scheint bereit, die seit Herbst 2013 leer stehende Gaststätte wiederzubeleben.

Eine Bestätigung dafür war am Freitag in der Brauerei nicht zu bekommen. Fakt ist, dass Brauerei-Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus in engem partnerschaftlichem Kontakt zu Cohrt stand und zuletzt sehr dezidiert zum Gang der Verhandlungen Stellung bezogen hatte. Zu den Pachtvorstellungen der Stadt, so Tembrockhaus gegenüber unserer Zeitung, „wird kein Geschäftsmann den Betrieb profitabel machen können. Ich sehe schwarz fürs Bellevue.“ Da kaum anzunehmen ist, dass Tembrockhaus das bröselnde Bellevue zu unwirtschaftlichen Bedingungen übernehmen wird, müsste in den nächsten acht Wochen Bewegung in die städtische Position kommen.

Das hatte Frank Cohrt in der Vergangenheit schmerzlich vermisst. Der Kieler Kaufmann haderte wiederholt über die Verhandlungsposition der Stadt. Cohrt hatte versucht, seine Investitionen ins Bellevue über einen neuen, längeren Pachtvertrag abzufedern – einig wurde er sich mit dem zuständigen Fachbereich Kommunale Immobilien freilich nie. In seiner Beschlussvorlage zum Heimfall räumt Fachbereichsleiter Michael Draeger selbst ein, dass die Verhandlungen schwierig gewesen seien – etwa so schwierig wie Cohrts Ausgangslage: Er ist (noch) Eigentümer der Immobilie, die auf einem städtischen Pachtgrundstück steht. Für dieses Objekt gibt es einen Vorhaben- und Erschließungsplan, der einigen baulichen Aufwand mit sich bringt. U.a. den Bau öffentlicher Sanitäranlage und die Herrichtung eines Parkplatzes.

Ungeklärt ist noch, was mit der nicht genehmigten Überdachung der Südterrasse und der illegal ins Hafenbecken gerammten Wasserterasse werden soll – aus Cohrts Sicht waren das stets Unwägbarkeiten, die sich in einem langfristigen Pachtvertrag zu günstigen Konditionen niederschlagen sollte. Das aus Sicht der Stadt äußerst günstige Angebot von 10.000 Euro jährlich für das 1014 Quadratmeter große Grundstück (über 30 Jahre mit Verlängerungsoption) überzeugte den Kieler nicht. Der Kontakt brach über Monate ab, am 12. November forderte Draeger den Pächter auf, das gammlige Gebäude bis spätestens 15. Januar in eine funktionierende Gaststätte zu verwandeln oder andernfalls den Pachtvertrag per Heimfall zu verlieren. Kurz vor Ablauf der Frist hatte Cohrt noch um Aufschub gebeten, um das Erbbau-Grundstück an ein „namhaftes Flensburger Unternehmen“ verkaufen zu können, aber so viel Zeit wollte die Verwaltung ihm nicht mehr lassen.

Der Ausschuss aber schon. Der beschloss das achtwöchige Moratorium – und damit für Cohrt möglicherweise auch eine Schadensbegrenzung. Denn bei der Radikalösung eines Heimfalls hätte er für sein Gebäude günstigstenfalls 50 Prozent des Verkehrswertes erzielen können. Aber auch nur, wenn die Stadt binnen sechs Monaten eine Verwendung zu „angemessen Bedingungen“ gefunden hätte.

Frank Cohrt stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

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erstellt am 07.Feb.2015 | 08:43 Uhr

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