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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 21:50 Uhr

Integrations- und Alphabetisierungskurse : Sprachkurs Deutsch – ein Nadelöhr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Längst nicht alle Flüchtlinge vom Herbst 2015 haben schon einen Platz

Die Brüder Abdul (30) und Farrid (25, Namen geändert) kamen im Spätherbst 2015 mit der großen Flüchtlingskarawane nach Flensburg. Noch vor der Sommerpause wurde der Asylantrag der beiden Syrer positiv beschieden. Mittlerweile haben sie auch den Einstufungstest hinter sich, mit dem vor Beginn der Deutschkurse das Sprachniveau geprüft wird. Jetzt wollen sie möglichst schnell in den nächsten Integrationskurs – 600 Stunden Deutsch und 100 Stunden Staatsbürgerkunde.

Doch sie können kaum hoffen, noch in diesem Jahr starten zu können. Die Integrations- und Sprachkurse sind für die Geflüchteten das Nadelöhr auf dem Weg in Praktika, Lehrstellen und Arbeitsplätze.

Größter Anbieter solche Kurse in der Region ist die Flensburger Volkshochschule (VHS). Mit 20 Integrationskursen mit je 25 Teilnehmern und fünf Alphabetisierungskursen mit 14 Personen lernen hier derzeit fast 600 Ausländer Deutsch, 80 bis 90 Prozent davon Flüchtlinge. Den Marktanteil ihrer Kurse, die überwiegend in der früheren Löhmannschule auf dem Sandberg stattfinden, schätzen die pädagogische Leiterin Anke Wigger und ihre Daz-(Deutsch als Zweitsprache)-Expertinnen Astrid Löwensen und Marianne Pletzing auf mehr als 50 Prozent.

Wie lange die Wartezeiten auf die Integrationskurse sind? „Zwischen null und sechs Monaten“, sagt Astrid Löwensen: „Wer mit Vorkenntnissen kommt, muss häufig länger warten.“ Jeder Fall sei unterschiedlich. Das erste Nadelöhr sei der Einstufungstest. Freie Termine gebe es hier wieder ab Januar. Mit diesem Umfang sieht sich die VHS mit rund 20 Dozenten personell und räumlich an ihrer Grenze.

Neben der VHS tummeln sich fünf weitere Anbieter solcher Kurse in der Stadt. Fast 2000 ausländische Kunden zählt das Flensburger Jobcenter mittlerweile, der größte Teil davon sind Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten. Allein rund 700 Syrer sind darunter und 150 Iraker.

Bei der Flensburger VHS hat sich die Teilnehmerzahl in den Integrationskursen im Vergleich zum vergangenen Jahr glatt verdoppelt, und das Team von Anke Wigger schätzt, dass das gleiche auch schon für 2015 gegenüber 2014 galt.

Der Sprachfortschritt von Niveau A1 bis B1 soll mit einem 700-stündigen Integrationskurs erreichbar sein. Sprachniveau B1 genüge allerdings noch nicht für den Arbeitsmarkt. Arbeitgeber und Personalchefs erwarteten in aller Regel B2. Doch der Weg von B1 nach B2 sei sehr viel steiniger als an A1 nach B1. „Dann kommen die Mühen des deutschen Satzbaus“, sagt Astrid Löwensen. Dafür brauche man sehr viel mehr Unterrichtsstunden.

Die Zulassung zu den Integrationskursen läuft, ebenso wie die Lizensierung der Lehrkräfte, über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Dabei können sich Geflüchtete aus Ländern, denen hohe Asylchancen eingeräumt werden, bereits vor der Anerkennung um den Integrations-Sprachkurs bemühen. Das gilt derzeit nur für Syrer, Iraker, Iraner, Somalier und Eritreer. „Damit ist die große Gruppe der Afghanen außen vor“, sagt Anke Wigger. Einige dieser Flüchtlinge würden von Privatleuten unterstützt.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 08:25 Uhr

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