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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 10:01 Uhr

Mehr Land, weniger Sand : Solitüde in Flensburg: „Früher war mehr Strand!“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

War früher alles besser? Solitüde verlandet – und für frischen Sand fehlt es an Geld und Genehmigungen.

Flensburg | Kein Zweifel: Solitüde ist für Flensburg ein Glücksfall. Die lauschige Bucht mit dem Buchenwald im Rücken und dem prächtigen Blick aufs dänische Ufer voraus ist Flensburgs wohl schönstes Strandbad. Aber wie lange noch? Die weiße Pracht ist auf dem Rückzug. Am Ufersaum gewinnen zunehmend Schilf und andere Gräser die Oberhand, beidseits der Badebrücke beginnt die Verlandung. „Es wäre toll, wenn die Stadt den Strandcharakter wieder stärker betonen würde“, ist sich DLRG-Chefstrandwächter Torsten Brocks mit seinen Rettungsschwimmern einig, die seit Jahren die Veränderung beobachten.

Im Moment ist das reines Wunschdenken. Zuletzt war 2010 durch eine gemeinsame Aktion der Städte Glücksburg und Flensburg frischer Seesand aufgespült worden. Eine Wiederholung ist nicht in Sicht. „Da ist nichts in der Pipeline“, winkt TBZ-Sprecher Ralf Leese ab. Das Technische Betriebszentrum sieht sich lediglich zuständig für Erhalt und Verkehrssicherung. „Wir verwalten die Fläche nur.“ Für die Wiederherstellung eines großen Sandstrands, so Leese, bräuchte es einen politischen Auftrag, ein paar hunderttausend Euro – und viel Geduld. „Das berührt den Natur- und Uferschutz auf Bundes- und Landesebene. Da ist vorab einiges zu klären.“

Schade. Flensburger wie Renate und Burckhard Kock fürchten, dass der weiße Strand von Solitüde in nächster Zeit ganz verschwunden sein wird. „Rechts und links vom Brückenzugang wächst jetzt Schilf. Auf den verbliebenen Strandflächen werden Feuer entfacht oder sie dienen als Hundefreilauf“, schreiben sie in einem Leserbrief.

Oder Bettina Bastian. Mit ihrem Mann hat die Flensburgerin im Mai den Imbiss im Pavillon wieder in Betrieb genommen – in der festen Absicht, dort auch dauerhaft Anlaufpunkt für Badegäste zu sein. Ihr maritimer Ableger von „Bastians Currywurst und Meer“ in der alten Seewarte in Mürwik bietet ein im Vergleich zum Mutterhaus leicht reduziertes Burger-Imbissprogramm mit ausschließlich regionalen Zutaten, ergänzt um klassische Strandkiosk-Ware: Eiscreme, Limo, Kaffee, Kuchen, Currywurst & Konsorten. Saison ist Mai bis Oktober, täglich von 11 bis 22 Uhr.

Der Pavillon hat wieder einen Imbiss – und Bettina Bastian ist die Chefin.
Der Pavillon hat wieder einen Imbiss – und Bettina Bastian ist die Chefin. Foto: Michael Staudt
 

„Früher gab es deutlich mehr Strand, und insgesamt war das Gelände auch viel gepflegter“, sagt Bettina Bastian, die von Kindesbeinen an in Solitüde baden ging. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Stadt ihren Stränden und Badebrücken mehr Aufmerksamkeit schenken würde. So ein schönes Strandbad ist etwas ganz Besonderes. Das hat doch nicht jede Stadt! Aber in Flensburg sind Ostseebad und Solitüde ja noch nicht mal beschildert, geschweige denn in der Tourismuswerbung.“

Die Grundlage von Solitüde wurde übrigens 1922 gelegt. Damals wurde der Freihafen angelegt und 270.000 Kubikmeter Baggergut mussten schließlich irgendwo hin. Sie wurden in der Bucht von Solitüde verklappt und wuchsen zu einem der schönsten Flensburger Naturschutz- und Naherholungsgebiete heran. Dass sich so etwas wiederholt, möchte Ralf Leese fast ausschließen. Strengster Naturschutz! „Wir dürfen in den Küstenverlauf nicht eingreifen. Da braucht es zumindest eine politische Initiative.“

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erstellt am 05.Aug.2016 | 15:17 Uhr

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