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Flensburger Tageblatt

29. Juni 2016 | 11:14 Uhr

Unternehmensnachfolge : So einfach kann die Suche nach einem Nachfolger sein: Der Fall Carl Wilhelm Clasen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Nahrungsmittel-Unternehmen Carl Wilhelm Clasen aus Reinbek sind zwei führende Mitarbeiter in die Firma eingestiegen. Der Sohn des Senior-Chefs soll ebenfalls später in die Geschäftsführung aufrücken.

Manchmal liegt die Lösung ganz nah. Für viele Unternehmer bedeutet das, dass die beste Nachfolgeoption die eigenen Kinder sind. Doch es gibt auch andere Wege, die zum Ziel führen können. Im Fall von Ernst-Georg Göck saß die Lösung nur einige Büros entfernt.

Wenn der 67-Jährige über seine Nachfolger an der Spitze des Nahrungsmittelunternehmens Carl Wilhelm Clasen spricht, braucht er hanseatisch nur einen Satz, um einen Prozess, der über mehrere Jahre ging, zusammenzufassen: „Das ist die beste Entscheidung, die wir treffen konnten.“ Es ist ein Beispiel dafür, wie eine Unternehmensnachfolge funktionieren kann: Indem der eigene Nachwuchs in die Firma integriert wird, aber dennoch Zeit zur Entwicklung bekommt.

Langjährige Mitarbeiter als Nachfolger

Göck hat zwei Drittel seines Unternehmens, das auf die Verarbeitung und den Handel von Nüssen, Saaten und Trockenfrüchten spezialisiert ist, verkauft. Jeweils ein Drittel ging an seine engen Mitarbeiter Thomas Bönsch (38) und Martin Schult (40), die das Unternehmen nun als geschäftsführende Gesellschafter führen. Beide waren schon jahrelang in der Firma aus Reinbek (Kreis Stormarn) tätig. Bönsch kümmert sich um das Kaufmännische, Schult um die Produktion.

Für die passende Nachfolgelösung musste allerdings eine Extraschleife gedreht werden. Göck hatte schon einmal für drei Jahre 50 Prozent des Unternehmens an einen geschäftsführenden Gesellschafter abgegeben, den er von extern ins Haus geholt hatte. Doch es passte nicht. Der positive Aspekt: Der Prozess der Übergabe war angestoßen.

„Wenn wir etwas machen, dann richtig“

Auch Göcks Sohn Jan-Christopher arbeitet im Unternehmen. Mittlerweile kümmert sich der 31-Jährige um den Einkauf. So kann er Stück für Stück in der Firma wachsen und von den beiden erfahrenen Geschäftsführern lernen. Bevor er im Unternehmen anfing, lebte er zehn Jahre in England. „Es wäre dummes Zeug gewesen, wenn ich ihn mit Gewalt ins Unternehmen gezogen hätte“, sagt Göck Senior.

Natürlich hätte er auch Geschäftsführer anstellen können, um seinem Sohn später die Firma zu übergeben. Doch Ernst-Georg Göck war klar, dass er Bönsch und Schult an der Firma beteiligen will: „Wenn wir etwas machen, dann richtig, oder gar nicht.“ Zustimmung findet er bei seinem Sohn. „Ich stehe 100 Prozent hinter der Entscheidung“, sagt Jan-Christopher Göck, der langfristig mit in die Geschäftsführung aufrücken soll.

Probezeit mit den Kindern vereinbaren

Den Nachwuchs in die Firma einbinden, oder nicht? Es ist die Frage aller Fragen für Familienunternehmer. Jochen Renk ist Coach, Mentor und Mediator für Unternehmensnachfolge aus Kaltenkirchen (Kreis Segeberg). Lange Jahre gehörte ihm eine Druckerei, die er extern an eine größere Gruppe verkaufte. Er sagt: „Die oberste Regel ist, dass derjenige, der das Unternehmen übernimmt, dafür qualifiziert ist.“

Bei einer familieninternen Weitergabe bestünde die Gefahr, dass „Eltern die rosa-rote Brille aufhaben“. Renk rät, den Kindern Zeit und die bestmögliche Ausbildung zu geben. Auch Erfahrungen in anderen Betrieben zu sammeln sei sinnvoll. Und noch ein Tipp: „Vereinbaren Sie auch mit Ihren Kindern eine Probezeit. Wenn Firmen extern übergeben werden, ist das selbstverständlich.“ Ist die Probezeit erfolgreich verlaufen, müsse sich der Senior aber auch aus der Firma zurückziehen.

Ernst-Georg Göck steht „der Clasen“, wie die Geschäftsführer Bönsch und Schult das Unternehmen fast liebevoll nennen, mit seiner fast 50-jährigen Erfahrung nur noch beratend zur Seite. Aus dem Tagesgeschäft hält er sich raus. Dass die beiden Geschäftsführer auch Eigentümer der Firma werden, war nur konsequent. Sie kannten den Betrieb, waren schon seit sieben Jahren an Bord, hatten bereits einen Richtungswechsel angestoßen und verstärkt auf die eigene Bio-Marke gesetzt. Das zahlt sich aus. Der Umsatz steigt. Lag er 2014 noch bei 7,5 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr bereits 9 Millionen. In diesem Jahr rechnet Bönsch mit einem Sprung auf 16 bis 17 Millionen Euro.

25 000 Tonnen Nüsse werden jährlich vertrieben

Acht Mitarbeiter arbeiten in Reinbek für „die Clasen“. Das Unternehmen dient als Einkaufs- und Vertriebsorganisation. Produziert wird im Tochterunternehmen in Lanken (Kreis Herzogtum Lauenburg). Dort sind 50 Mitarbeiter tätig. Allein 25 000 Tonnen Nüsse gehen aus dem Süden Schleswig-Holsteins zu Kunden wie Kaufland, Edeka, Aldi oder Tengelmann.

Für Bönsch und Schult war die Entscheidung, Anteile am Unternehmen zu erwerben folgerichtig, was nicht heißt, dass sie einfach war. „Natürlich ist es ein großer Schritt, Gesellschafter zu werden“, sagt Bönsch. Und sein Kompagnon Schult ergänzt: „Die Entscheidung trifft man nur einmal im Leben.“ Dass sie aus dem eigenen Hause kommen, sehen sie als doppelten Vorteil: „Der Alt-Gesellschafter kann den oder die Nachfolger besser einschätzen, der oder die Jung-Unternehmer wissen genau, was sie übernehmen – und ob der Preis fair ist“, erklärt Bönsch. Manchmal liegt die beste Lösung eben näher, als man denkt.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 12:54 Uhr

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