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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Angelburger Straße in Flensburg : Sinnerup-Pläne kommen nicht voran

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stillstand seit über einem Jahr: Umbau eines der ältesten Altstadt-Ensembles durch Sinnerup geht nicht weiter.

Flensburg | Vor einem Jahr waren noch alle so optimistisch gewesen. Vor einem Jahr hatte das dänische Lifestyle-Kaufhaus Sinnerup für seine einzige deutsche Niederlassung ehrgeizige Pläne formuliert. Das familiengeführte Unternehmen aus Holstebro hatte in der Angelburger Straße drei baufällige Denkmäler erworben, in die Sinnerup nach der Sanierung möglichst rasch von der Flensburg-Galerie umziehen wollte. Sachstand heute aber ist: Die drei baufälligen Häuser sind noch immer baufällig und von Sinnerup gibt es kein Signal, wie es weitergehen wird.

Sinnerup will sich öffentlich nicht mehr zum Gang der Dinge in der Altstadt äußern. Geschäftsführerin Henriette Novak stört sich daran, dass ohne Einwilligung des Unternehmens über das Bauprojekt berichtet wird. „Das habt Ihr euch selbst kaputt gemacht“, sagt sie. Anscheinend hat ein Bericht über den Bauzaun an der Angelburger Straße bei den Dänen für Verdruss gesorgt.

Eiko Wenzel ist im Fachbereich Innovation und Entwicklung für Fragen der Bauordnung und des Denkmalschutzes zuständig – also auch für diese Baustelle. Wenzel registrierte, dass Sinnerup nach dem Kauf zum 1. November 2015 relativ schnell die Pferde wechselte. Vorgestellt wurde das Projekt noch von Glenn Dierking als verantwortlichem Architekten, mittlerweile sind Asmussen und Partner zuständig, mit dem großen Bauunternehmen Höft im Hintergrund. Höft sollte wohl die Ansprüche des Bauherrn, des Denkmalschutzes und die von einem Baugutachter (nach dem Kauf) erhobenen Daten über den Zustand des ab dem 17. Jahrhundert entstandenen Ensembles zu einer Summe addieren. „Das sollte kostenseitig betrachtet werden, so Wenzel. „Seither haben wir nichts gehört.“ Geld dürfte also eine Rolle spielen. Die alte Hofanlage hat teilweise erhebliche Bauschäden. „Das ist“, räumt Eiko Wenzel ein, „keine ganz billige Immobilie.“

Es gibt Anzeichen, dass Sinnerup die Bedeutung des Denkmalschutzes unterschätzt hat. „Die Abstimmungsgespräche waren nicht ganz leicht“, räumt Wenzel ein. „Die Ansprüche waren später andere als zum Kaufzeitpunkt.“ Wenzel hatte sich bei der Präsentation des Projektes vor einem Jahr noch erfreut gezeigt, dass der Investor die Kleinteiligkeit dieses zu den ältesten Flensburger Kaufmannshofanlagen zählenden Ensembles schonend erhalten wollte. Dieser Ansatz aber sei einer anderen Betrachtungsweise gewichen. „Ich denke, wir haben trotzdem gute Kompromisse gefunden“, sagt der Denkmalsschützer, der in diesen Gesprächen beispielsweise den Bestand des Hinterhofs vom Haus Nummer 15 durchsetzte. Und Sinnerup? „Wenn wir etwas Neues zu sagen haben, rufen wir Euch an“, sagt die Geschäftsführerin. „Vielleicht.“

Kommentar: Eine schwierige Immobilie

Die drei Häuser sind die Kollateralschäden des seinerzeit umstrittenen Großprojektes Südermarkt-Passage. Die Häuserzeile Angelburger Straße 11 bis 15 verlor vor zehn Jahren mit dem Bau der Passage wegen der tiefgründigen Abriss- und Gründungsarbeiten nebenan erst die Standfestigkeit – und dann die Mieter. Dass mit Sinnerup ausgerechnet einer der Passage-Ankermieter bei seinen Umbau- und Umzugsplänen jetzt hier auf die Nase zu fallen droht, ist kein Anlass zu später Schadenfreude. Nein, es ist anerkennenswert, dass hier jemand eine so schwierige Immobilie in Angriff genommen hat, denn das Projekt kann zum Glücksfall für die umsatzschwache B-Lage der Altstadt werden. Die Planer aber sollte für alle Zeit daraus lernen. In historischen Altstadtlagen müssen Risiken für die Nachbarschaft besser erkundet und vor allen Dingen juristisch wasserdicht abgesichert werden.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 00:00 Uhr

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