zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Flensburg : Sinnerup-Pläne in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt keine Bewegung nach dem Kauf des denkmalgeschützten Ensembles an der Angelburger Straße. Abriss und Neubau auf dem Gelände des Hauses 11?

Flensburg | Was ist da los an der Angelburger Straße? Zwei Monate lang waren die Häuser 11 bis 15 weiträumig abgesperrt. Den Gebäudekomplex hatte das dänische Unternehmen Sinnerup am 1. November letzten Jahres erworben, um sein Geschäft aus der Flensburg-Galerie hierher zu verlagern. Doch es passierte – nichts! Aber es wurde unangenehm eng für Fußgänger, Autos, Radfahrer und Busse. Anwohner zeigten sich verärgert, es gab Beschwerden. Seit einigen Tagen ist der Bauzaun verschwunden. Und es passiert – immer noch nichts!

Eiko Wenzel weiß auch warum. Flensburgs oberster Denkmalschützer hält seit Montag ein baugeschichtliches Gutachten des Hamburger Architekten Jürgen Padberg, der seinerzeit auch schon die gefährdete Kirche St. Jürgen vor ihrer Sanierung inspizierte, in Händen. Dessen Einschätzung birgt einige Überraschungen.

So ist es nicht das direkt an die Flensburg-Galerie angrenzende Haus Nummer 15, das, wie ursprünglich angenommen, das am meisten gefährdete in dem Trio der geschützten Kulturdenkmäler ist. Zwar hat es auch durch die Gründungsarbeiten für die Einkaufspassage erhebliche Schäden davon getragen, doch um die Nummer 11 ist es offenbar weit schlimmer bestellt. Das Vorderhaus ist deutlich jünger als seine Nachbarn; das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus entstand zwischen 1880 und 1890, der Querspeicher etwa 100 Jahre zuvor. „Der Bau ist sehr stark durch Schwamm geschädigt“, sagt Eiko Wenzel und stellt in Aussicht, dass es nach einem Abwägungsprozess durchaus denkbar wäre, es abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Allerdings steht eine abschließende Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalschutz noch aus.

Bei dem Mittelgebäude Nummer 13 handelt es sich laut Gutachten um ein sehr altes Fachwerkhaus aus dem Jahre 1624, der Querspeicher wurde in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. „Ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“, stellt Wenzel fest – und damit quasi unantastbar.

Die Absperrung, erklärt der Denkmalschützer, sei im Zuge der Entrümpelung und vorbereitender Maßnahmen vorgenommen worden. Er wirkt nicht besonders glücklich darüber, dass der Zaun nunmehr verschwunden ist. „In die Gebäudekehle zwischen dem Satteldach der Nummer 13 und dem wesentlich höheren Gebäude Nummer 11 ist Feuchtigkeit eingedrungen“, sagt er. Es stehe zu befürchten, dass die Fassade bröckeln werde. „Man sollte also“, warnt er, „nicht allzu dicht daran vorbeigehen.“ Warum aber ist die Absperrung dann entfernt worden? „Wahrscheinlich“, so Wenzel, „ist dem Bauherrn klar geworden, dass es noch dauern kann, bevor es richtig losgeht.“

Nicht nur eine richtungsweisende Beurteilung durch das Landesamt steht aus, sondern auch noch die abschließende Auffassung des in Holstebro ansässigen Unternehmens Sinnerup. Dessen Chef Lars Sinnerup und Filialleiterin Henriette Novak haben mit der Stadt und dem beauftragten Architektenbüro Asmussen & Partner Gespräche geführt, die nun in eine Ergebnis münden müssen, das Grundlage für die konkrete Planung sein kann. „Bislang“, so Eiko Wenzel, „sieht alles zustimmungsfähig aus.“

Sinnerup steht unter Druck. Denn im Spätherbst endet nach zehn Jahren der Mietvertrag für die Geschäftsräume in der Galerie. Nach Tageblatt-Informationen gibt es aber Anzeichen dafür, dass der Ankermieter im Erdgeschoss länger bleiben kann, wenn es eng werden sollte. Henriette Novak wollte das weder bestätigen noch dementieren. „Kein Kommentar zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“ Alles deutet also auf einen sehr schwierigen und langwierigen Abstimmungsprozess hin.

Eiko Wenzel lässt keinen Zweifel daran, dass er die Sinnerup-Pläne aus städtebaulicher Perspektive sehr begrüßt. „Aber es gibt Dinge, die sind aus Sicht des Denkmalschutzes nicht verhandelbar.“

zur Startseite

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 11:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen