zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

29. Juni 2016 | 23:53 Uhr

Asylverfahren : Sie sind Cricket-Talente - aber dürfen nicht spielen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fünf junge Männer aus Afghanistan wollen in der dänischen Liga spielen. Aber es gibt ein Problem.

Flensburg | „Cricket – wo Schläger Gentlemen sind!“ So lautet der Leitspruch des Deutschen Cricket-Bundes. Er lässt erahnen, wo die Wiege und Heimat des Gentlemen-Sports sind: in England und in den Ländern des Commonwealth. „Pakistan und Indien spielen sehr gut“, sagt Shekib Naib Khail. Und seit zehn, zwölf Jahren, so schätzt der 29-jährige Cricket-Trainer, könne auch seine Heimat Afghanistan in der Welt mithalten.

Wer sich im Asylverfahren befindet, muss geduldig sein: Das kann sich über ein Jahr lang hinziehen.

Seit Mai des vorigen Jahres baut Shekib Naib Khail eine Mannschaft auf, und zwar beim Bov IF, auf dänischer Seite kurz hinter der Grenze. In Flensburg gebe es noch keine Cricket-Liga, deshalb spiele beispielsweise auch die Mannschaft aus Husum in der dänischen Liga mit. Aber Talente gibt es hier. Fünf hat Shekib Naib Khail entdeckt, die in Flensburg, Harrislee und Handewitt wohnen: Hameed Safi, Abdul Rahim, Saifullah Zadran, Hejratullah Sahak und Aziz Seenzai. Sie sind zwischen 17 und 25 Jahre alt und stammen allesamt aus Afghanistan.

Das Problem: Da sie sich im Asylverfahren befinden und bis zum Abschluss lediglich eine Aufenthaltsgestattung haben, die alle sechs Monate erneuert wird, dürfen sie das Bundesgebiet nicht verlassen. Also auch nicht auf dänischem Feld trainieren und spielen.

So will es Paragraf 55 des Asylgesetzes, sagt Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt Flensburg. Auf Nachfrage habe das Innenministerium bestätigt, dass der Ausländerbehörde die Hände gebunden sind: „Wir können es nach Rechtslage nicht. Es gibt auch keine Ausnahmen“, betont Teschendorf.

Shekib Naib Khail ist ratlos. „Wir haben genug Spieler, aber solche Talente nicht“, schwärmt er und ergänzt, dass er die Spieler brauche, um ein Team aufzubauen. Er selbst hat als Kind seine Heimat, ein Dorf bei Kabul, verlassen, zuerst in Dänemark gelebt, dann in München, nun wieder in der Region. Viele Jahre lang spielt er schon Cricket, hauptamtlich arbeitet er als Handelslehrer in Apenrade. Elf Spieler zählt ein Team, erklärt der Trainer und vergleicht den Sport mit Baseball. Es gehe darum, Bälle zu werfen, wegzuschlagen und ums schnelle Laufen. Ein bis zweimal wöchentlich werde trainiert. Der Sportverein Bov (Bau) lege sogar gerade ein Cricketfeld für 7000 Euro an.

Die Zeit drängt Shekib Naib Khail, denn die Spielpläne für den Sommer liegen vor – mit 52 teilnehmenden Mannschaften in Dänemark. Sein Team könnte in drei von vier Ligen vertreten sein. „Erstmal reicht uns eine Spiel-Erlaubnis“, wünscht sich Shekib Naib Khail.

Doch Henrik Becker-Christensen kann nicht viel Hoffnung verbreiten. Der dänische Generalkonsul in Flensburg begrüßt die Integrationsinitiative, doch sieht er die juristischen Hindernisse. Er kann nur zur Suche nach einem Trainingsort südlich der Grenze raten. Und zur Geduld: „Sobald über den Asylantrag der jungen Männer positiv entschieden worden ist, stellen die deutschen Behörden blaue Flüchtlingspässe aus“, mit denen die Ein- und Ausreise nach und aus Dänemark wieder möglich ist.

 

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jan.2016 | 13:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert