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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:17 Uhr

Biografie : Sein Leben war das Segelfliegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach über 50 Jahren im Cockpit von Flugzeugen macht Dieter Immler (79) seinen letzten Flug

Ein letztes Mal lautlos über Wiesen, Wälder, Dörfer und Küsten gleiten. Dieter Immler (79) hob gestern am Flugplatz Flensburg-Schäferhaus mit seinem Segelflugzeug zu seiner letzten Runde ab. Nach diesem Flug will er sein Hobby aufgeben und seinen Flieger verkaufen.

„Das Segelfliegen ist wie eine Droge. Wer einmal damit anfängt, will eigentlich nie wieder aufhören.“ Dennoch setzt Immler seiner Fliegerkarriere jetzt freiwillig ein Ende. Im Januar wird er 80 Jahre alt. Er hat sich geschworen, dann keinen Fuß mehr in einen Segelflieger zu setzen, und die Saison in Norddeutschland endet jetzt allmählich. „Das ist ein emotionaler Tag für mich. Ich glaube, heute Abend im Stillen werde ich noch weinen.“

Ursprünglich hatte er sich vorgenommen, mit 70 das Fliegen sein zu lassen, doch dann fühlte er sich noch zu gut – und nichts sprach dafür aufzuhören. Auch nach weiteren fünf Jahren im Cockpit fand er kein Ende. Doch jetzt ist es so weit. „Mein Fliegerarzt konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen. Abgesehen von Rückenproblemen fühle ich mich nicht so alt wie ich bin.“

Der Sitz des Segelflugzeugs sei für ihn dennoch wie eine Gesundheitsliege, sagt Dieter Immler. „Der kaputte Rücken stört beim Fliegen nicht.“ Dabei ist es sehr eng in dem kleinen Flieger, und der Pilot liegt im Cockpit wie der Fahrer eines Rennwagens der Formel  1.

„Es wird Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Mit meinen rund 11  000 Flugstunden habe ich mittlerweile halb so lange im Cockpit gesessen wie ein Berufspilot in seiner gesamten Dienstzeit.“ Davon flog er 1000 Stunden ein Motorflugzeug, den Rest der Zeit steuerte er einen der acht Segelflugzeuge, die er in seiner Laufbahn besessen hat. „Seitdem ich Rentner bin, habe ich einen Eigenstarter, davor waren es immer reine Segler.“ Die Eigenstarter verfügen über einen Motor, mit dem er sich selbst in die Luft befördern kann. Die normalen Segelflieger werden von einer Seilwinde in die Luft gezogen. „Ich habe mir den Eigenstarter gekauft, um auch alleine fliegen zu können. Denn für den Windenstart benötigt man mehrere Helfer.“

Schon als Kind hat er von Flugzeugen geschwärmt und Modelle gebaut. „Um Pilot werden zu können, wollte ich zur Bundeswehr gehen. Aber mein Vater hat es mir verboten. Er wollte, dass ich seine Firma später übernehme.“ Doch vom Fliegen war Dieter Immler nicht abzubringen. Sein Vater riet ihm, erstmal seine Lehre als Autosattler abzuschließen, als Geselle zu arbeiten und den Meister zu machen. Das tat er, um dann mit 24 endlich den Segelflugschein in Angriff zu nehmen.

„Am liebsten bin ich über die Alpen. Die habe ich mit dem Segler überquert und bin ganze Gletscherketten abgeflogen. Der Blick ist einzigartig.“ In dem Gebirge herrscht ein besonders zuverlässiger Aufwind, der den Flieger auf 3000 Metern dahingleiten lässt. „Früher habe ich dort auch Wellensegelflüge gemacht, die waren nicht ganz ungefährlich.“ Dabei nutzt der Pilot nicht den Aufwind, sondern den wellenartigen Windstrom, der über dem Alpenkamm entsteht. „Auf 4000 Metern Flughöhe ist es turbulent und dann plötzlich herrscht Stille. Der Windstrom zieht das Segelflugzeug auf über 8000 Meter nach oben. Dort ist es sehr kalt, und du musst Sauerstoff an Bord haben.“

Auch in Spanien war er mit seinem Segelflugzeug. Dort wollte er nicht besonders hoch fliegen, sondern eine möglichst lange Strecke zurücklegen. „Die Thermik dort ist sehr gut. Jeder Segelflieger hat das Ziel, einmal die 1000 Kilometer zu knacken.“ Dieter Immler hatte 870 Kilometer zurückgelegt, als ein Gewitter aufzog und ihn zum Landen zwang.

Drei Stunden lang war sein letzter Flug, auf rund 1500 Metern. „Von dem Geld, das ich für mein Segelflugzeug bekomme, möchte ich mir einen neuen Wohnwagen kaufen.“ Damit plant er mit seiner Frau, einmal um die Iberische Halbinsel zu reisen. „Davon muss ich sie nur noch überzeugen. Sie bekommt Heimweh nach Flensburg. Aber wir werden schon einen Kompromiss finden.“

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erstellt am 06.Okt.2016 | 18:44 Uhr

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