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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Urlaub auf eigenem Kiel : Segler sind zufrieden im Gastseglerhafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ankunft im maritimen Herzen der Stadt: Flenburg wird wegen seiner angenehmen Atmosphäre gern angesteuert

Ob für Einheimische oder Urlauber: Noch mehr als während des übrigen Jahres bilden Innenförde und Hafen in den Sommerferien das Herz Flensburgs. Grund genug, um ein paar Hauptdarsteller und Geheimtipps auf dem Wasser in einer Serie unter die Lupe zu nehmen. Heute: der Gastseglerhafen.

,,Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung.“ Dieses Zitat aus China scheint auf viele Segler zuzutreffen, aber nicht auf Bruno Leidig (66) und seinen Freund Leif Minur(72). Die beiden Schweden aus Helsingborg kamen am Sonnabend im Gastseglerhafen an. Ursprünglich wollten sie nach Rügen, bis der Wind ihnen bei Rostock einen Strich durch die Rechnung machte. Jetzt geht es in die andere Richtung.

Seit zwei Monaten sind sie im Norden Europas unterwegs. ,,Wir möchten als nächstes den Kleinen Belt hoch, Richtung Skagen“, erzählt Leidig. Zuvor segelten die beiden in der Nord- und Ostsee, Nähe Finnland und Norwegen. Der 66-Jährige ist seit über 35 Jahren mit dem Segeln vertraut und lebt quasi auf dem Boot. ,,Ich habe keine Wohnung, nur eine Postadresse.“

Das Wichtigste der gesamten Reise ist es, so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln. ,,Manche Leute bleiben ein bis zwei Tage und haben nichts außer dem Hafen gesehen. Wir bleiben mindestens vier bis fünf Tage, damit wir die Stadt und die Umgebung erkunden können.“

Manchmal auch länger: Seit Sonnabend, 23. Juli, liegen das Motorboot von Leif Minur und der 10,30 Meter lange Motorsegler ,,Simone“ von Bruno Leidig im charmanten Gastseglerhafen am Ostufer. Auf die Frage, warum das Boot ,,Simone“ heißt, antwortet der ehemalige Koch: ,,Ich habe sie nicht so genannt, sondern der Vorbesitzer aus Dänemark. Ich habe nichts gegen den Namen, und ein Schiff umzutaufen ist eine Schande.“ Auf jeden Fall scheint Simone in Flensburg gut versorgt zu sein. ,,Es ist mein erstes Mal hier. Mir gefällt die Umgebung sehr, und der Hafen hat alles, was man braucht.“

Der Gastseglerhafen bietet 168 Liegeplätze, einen Waschsalon, Duschen und WCs, ein Restaurant, Strom- und Wasserversorgung und vieles mehr. Für die Wartung und die Organisation sind der Hafenmeister Holger Lassen und sein irischer Kollege Alfred O’Brien zuständig. Momentan betreut Lassen das Büro und nimmt alle Anfragen der Segler entgegen. Der 73-jährige Lassen besitzt selbst ein Boot, das im Yachthafen liegt, und war schon mit 15 Jahren auf See. Mittlerweile segelt er aus beruflichen Gründen nicht mehr so oft, denn gerade in der Sommersaison ist das Hafenbüro überfüllt. Inzwischen arbeitet er seit fast 17 Jahre als Hafenmeister in Flensburg und hat bis heute den Spaß an der Arbeit nicht verloren. Zu Lassens Aufgaben gehört es, darauf zu achten, dass belegte Plätze stets freigehalten werden und Neuankömmlinge immer genügend Liegeplätze zur Verfügung gestellt bekommen. Ebenso muss er die Organisation übernehmen, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig kommen. Vereinzelte Segler können jederzeit während den Öffnungszeiten zu Holger Lassen kommen und sich anmelden. Normalerweise schließt sein Büro ab 11 Uhr, aber da selbst dann der ,,Ansturm“ an Segler noch groß ist, bleibt er oft auch in seiner Pause. Die meisten Segler kommen aus Holland, Dänemark und Schweden. Gerade im Juni, August und September ist der Gastseglerhafen so sehr gefragt, dass nur wenige Plätze vorhanden sind.

,,Dieser Hafen bietet viel, und die Preislage ist günstig“, meint Martin Bjeld (46), ein Ingenieur aus Dänemark. Er und seine Frau Mette (40) wohnen rund 100 Kilometer von der deutsch-dänischen Grenze entfernt und sind jährlich mehrmals auf dem Wasser unterwegs. Die beiden Wassersportler waren zuletzt vor fünf Jahren in Flensburg und schwärmen bis heute noch von dem Essen und den gemütlichen Plätzen. Martin und Mette bereiteten sich auf ihr Jogging vor.

Auch die zwei Jahre alte Anouk aus Hamburg nutzt das schöne Wetter der letzten Tage aus. Zusammen mit ihren Großeltern verbringt sie den Tag auf dem großen Spielplatz an der Hafenspitze. Ihre Eltern Denise (33) und Scott (26) Lister sind seit letzten Donnerstag in Flensburg.

,,Ein Motorboot kommt nicht in die Tüte“ erzählt Scott auf seiner Tá (deutsch: Seewind). Denn der Student segelt seit seiner Kindheit und nutzt den Motor nur zum Ein- und Auslaufen.

,,Das Segeln ermöglicht es uns, nah an der Natur zu sein und eine umweltfreundliche Art des Reisens“ erklärt Denise Lister. Für sie war es wichtig, einen Hafen zu finden, der einen Spielplatz bietet, denn ihre Tochter solle ja auch Spaß an der Reise haben. Für die kleine Anouk war es das erste Mal auf dem Meer.

Bis jetzt verlief der gesamte Trip ohne Komplikationen. ,,Bis auf ein paar Fehler von mir“, fügte Denise lachend hinzu.



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erstellt am 04.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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