zur Navigation springen

Schifffahrt in Flensburg : Seebären im feinen Zwirn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

50 Jahre Nautischer Verein: Wer mit See und Schifffahrt zu tun hat, ist bei der traditionellen Flensburger Vereinigung dabei.

Die Lage am Wasser ist für Flensburg auch heute noch von lebenswichtiger Bedeutung. Seine Rolle als Hafenstadt ist jedoch über die Jahrzehnte und Jahrhunderte immer geringer geworden, in der jüngeren Geschichte unter anderem durch die Aufgabe des Marine-Stützpunktes und den Wegfall der Butterschifffahrt. Der Nautische Verein hält die Fahne der Hafenstadt Flensburg hoch, unterstützt die Hafen-Wirtschaft, fördert die Schifffahrt und das Seewesen und bündelt die Interessen zahlreicher Institutionen und Vereinigungen mit Bezug zur Küste. In diesem Jahr feiert der Nautische Verein sein 50-jähriges Jubiläum.

Im 19. Jahrhundert hatte er bereits einen Vorläufer. Herwart Klocke, immerhin seit 1970 dabei, hat im Stadtarchiv und in den Archiven des Deutschen Nautischen Vereins in Hamburg recherchiert. 1872 wurde in Flensburg – wie in vielen anderen Hafenstädten des Deutschen Reiches – ein Nautischer Verein gegründet. Der hatte, so Klocke, von Beginn an ein konkretes strategisches Ziel: Er sollte den Nord-Ostsee-Kanal nach Flensburg holen. Bevor die Entscheidung für die heutige Linienführung Kiel-Brunsbüttel fiel, hatte es mehrere andere Optionen gegeben, unter anderem eine von der Flensburger Förde quer durch die Geest nach Tondern und weiter bis Høyer.

Klocke hat in alten Ausgaben der Flensburger Nachrichten Berichte gefunden, wonach in der Ägide des Oberbürgermeisters Toosbüy ein Berliner Ingenieur nach Flensburg kam und in „Raasch’s Hotel“ am Nordermarkt einquartiert wurde. Man habe versucht, ihm die Vorteile eines Kanals im Bereich Flensburg nahezubringen – vergeblich. Nur wenige Monate später verkündete Reichskanzler Bismarck, dass er sich für den Kiel-Kanal entschieden habe. Klocke: „Daraufhin löste sich der Nautische Verein Flensburg auch schnell wieder auf.“

Erst 1967 ging es mit der Neuauflage los. Motor war diesmal der Reeder Ernst Jacob. „Das war ein Reeder alter Schule“, so Klocke, „ein echter Patron“. Er hatte ganz allgemein die Förderung des Seewesens im Sinn, konkret aber auch die Gründung eines Schifffahrtsmuseums für Flensburg und die Weiterbildung seines Personals.

Jacob war die ersten Jahre auch Vorsitzender des Vereins, gab diesen Posten jedoch Mitte der 70er Jahre an seinen neuen Reederei-Direktor Peter Kollmetz weiter. Die ersten Jahrzehnte sei der Nautische Verein ganz klar von der Reederei Jacob aus gesteuert worden, so Klocke. Doch die verlegte ihren operativen Teil Ende der 90er Jahre nach Hamburg und zog sich damit auch aus dem Verein zurück.

Heute hat er immerhin noch 170 Einzelmitglieder, dazu kommen rund 20 kooperative Mitglieder. Die gesamte maritime Szene der Stadt wird abgedeckt: Marine-Offiziere sind dabei, Mitarbeiter von Reedereien, der nautischen Studiengänge der Hochschule Flensburg, der Schiffbau-Gesellschaft sowie ganz allgemein „Menschen, die sich der Schifffahrt verbunden fühlen“, wie es Joachim Werft erläutert, der im Beirat die Sportschifffahrt vertritt. Dort ist auch Hafenkapitän Frank Petry aktiv, der wiederum als Geschäftsführer des Historischen Hafens die Verbindung zur Traditionsschifffahrt herstellt. „Der Nautische Verein ist ein Sammelbecken aller an der Schifffahrt Interessierter“, fasst es Werft zusammen.

Zentrale Aufgabe des Vereins neben der Traditionspflege ist die Vermehrung nautischen Wissens unter seinen Mitgliedern. Von Oktober bis April werden im Monatsrhythmus Experten der gesamten maritimen Themenpalette zu Vorträgen nach Flensburg eingeladen. Höhepunkt ist jeweils im März das feierliche „Nautische Essen“ mit einem besonderen Vortrag; dabei wird auf feine oder maritime Garderobe Wert gelegt. Am 9. März spricht Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn, zum Thema „Wasserstraßen – Herausforderungen für die Zukunft“.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 07:48 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen