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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

Ideen für die Schiffbrücke : Schwimmende Parkplätze auf alter RoRo-Fähre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Diskussion im Brasseriehof: Ratspolitiker Heinz-Werner Jezewski und Bürgermeister Henning Brüggemann machen sich stark für alternative Verkehrskonzepte und mehr Platz an der Wasserkante

Flussbad oder grünes Fitnessstudio, Freilichtmuseum oder Flaniermeile mit Stadtparkcharakter – Diskussionen um den zugeparkten Schiffbrückplatz werden in Flensburg seit mehreren Jahren geführt. Bisher ist daraus jedoch kein verändertes Stadtbild hervorgegangen. Außer an ein paar Aktionstagen, die, nach einem ersten Kreativitätsschub 2014, vor ein paar Tagen erneut ausgerufen wurden. Einen weiteren Anlauf, Kräfte für eine Veränderung zu mobilisieren, unternahmen Heinz-Werner Jezewski und Henning Brüggemann. Der Ratsherr der Linken und Flensburgs Bürgermeister stellten im Brasseriehof ihre Sichtweisen auf die Situation am innerstädtischen Fördeufer zur Diskussion.

Was Jezewski sieht, sind zunächst einmal Autos, die seinen Blick auf das Westufer mit den historischen Fassaden stören. Und er sieht die Zeit gekommen „um die Ecke zu denken“ – genau genommen am Fördeufer entlang. Wie wäre es zum Beispiel mit alternativen Parkplätzen auf einer abgewrackten RoRo-Fähre in der Nähe des FFG-Betriebshofes?

Ein Schiff würde sich gut in die Umgebung fügen, es gäbe weiterhin innenstadtnahe Parkplätze, und die Aufenthaltsqualität entlang der dann autofreien Kaikante würde deutlich steigen. Vielleicht ließen sich aber auch die alten Silos am Ostufer als Parkhäuser umnutzen. „Kombiniert mit einer Fähre über die Förde, die auch Werft, FFG und Stadtwerke anfährt, könnten wir sogar den Berufsverkehr aus der Stadt raushalten“, schlägt Jezewski vor, wohl wissend, dass dies zunächst „verrückte Ideen“ seien. Doch auch verrückte Ideen könnten am Ende Veränderungen bewirken.

Genau an diesem Punkt sieht Brüggemann ein grundlegendes Problem: Seinen Blick stören nicht nur die Autos an der Schiffbrücke, sondern auch die in der Fördestadt seiner Ansicht nach grundsätzlich fehlende Mobilisierungsstärke für alternative Verkehrskonzepte. Fakt sei, dass in Flensburg bereits viele neue Parkplätze entstanden seien. Fakt sei auch, dass in Flensburg jedes Jahr rund 500 Autos mehr auf die Straße kämen. „Aber wenn es um die ,heilige Kuh’ Auto geht, ist der Widerstand sofort groß“, so der Bürgermeister. Das Thema löse geradezu „reflexartige Reaktionen“ aus, begleitet von „dogmatisch geführten Argumentationen“.

Zwar räumte der Kämmerer ein, dass auch die Finanzsituation der Stadt es schwierig mache, solche Themen groß zu denken. Als Stoppschild sieht er diese jedoch nicht. Es sei wichtig, Chancen für öffentliche Räume radikal zu denken und kraftvoll aufzutreten – „auch, um für Veränderungen Gelder im Haushalt zu bekommen“, so Brüggemann.

Gedacht wurde in der fast familiären Runde nicht nur mit Blick auf den Schiffbrückplatz. So könnte sich auch in der Norderstraße nach Ansicht Brüggemanns viel mehr entwickeln, wenn die dort zum Teil beidseitig parkenden Autos Platz frei machen würden für öffentliche Räume. Um dort ansässigen Geschäftsleuten keine Kunden abzuziehen, könne man, so Jezewski, im Norden zusätzlichen Parkraum schaffen.

Als weitere Hindernisse für eine bessere innerstädtische Aufenthaltsqualität wurden zu wenige Behindertenparkplätze und öffentliche Toiletten sowie ein öffentlicher Personennahverkehr ausgemacht, der es besonders nach 20 Uhr, an den Wochenenden und in die umliegenden Gemeinden hinein schwer mache, auf das Auto zu verzichten.

Einen Entwicklungsschub versprachen sich einige aus der Runde unter anderem vom „Hotel Hafen Flensburg“, das derzeit an der Schiffbrücke Form annimmt. Unterstützung in dieser Hinsicht kündigte auch ein Vertreter des historischen Hafens an. Gemeinsam mit dem Quartiersprojekt „Hafenforum“ könnte sich hier eine neue, mobilisierungsstarke Gruppe formieren.

Stimmen gegen weniger Autos an der Kaikante gab es an diesem Abend kaum. Einzig ein Geschäftsmann aus der Neuen Straße äußerte seine Sorge, dass mit den Parkplätzen auch gleich das Gewerbe verschwinden könne.



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erstellt am 21.Jul.2016 | 12:13 Uhr

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