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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 18:54 Uhr

Leeres Denkmal in Flensburg : Schwammbefall in Klinik-Ost verzögert Baubeginn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Investor Dolphin Trust stellt diese Woche die Pläne für Neubauten an der Flensburger Klinik Ost vor. Bislang wird das Gebäude aber noch vom Schwamm bewohnt.

Flensburg | Der Dornröschenschlaf des alten Marine-Lazaretts – der späteren Klinik-Ost – an der Kelmstraße dauert an. Eigentlich sollten die Sanierungs- und Bauarbeiten schon längst begonnen haben, die ersten Wohnungen hätten schon verkauft sein können. Doch bisher tut sich noch nichts auf dem Grundstück am oberen Rand des hier besonders steilen Osbektals – jedenfalls nichts, was für die Öffentlichkeit sichtbar wäre.

„Das Projekt ist in Planung und liegt beim Architekten, ist aber noch nicht final abgeschlossen“, sagt Ulrike Wiedemann von Dolphin Trust, ein Unternehmen in Langenhagen, das sich auf die Umgestaltung und Neunutzung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert hat. „Die Denkmalsanierung birgt eine Menge Herausforderungen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen, bevor mit der Umsetzung begonnen werden kann“, so Wiedemann weiter.

Das sieht Henrik Gram, Denkmal-Spezialist in der Flensburger Stadtverwaltung, etwas anders. „Eigentlich gibt es da keine Schwierigkeiten“, sagt er und erinnert daran, dass es bereits vor Jahren genehmigte Pläne für den Vorbesitzer Fritz Matzen gab, der aus dem Ensemble ein Hotel machen wollte, die Pläne aber nie umsetzte. Im Inneren gebe es außer den Treppenhäusern kaum etwas zu schützen, so Gram; der Denkmalschutz beziehe sich im Wesentlichen auf die Fassaden.

Er vermutet, dass es einen anderen Grund für die Verzögerungen beim Baustart gibt: Schwammbefall. Es habe lange Zeit durchs Dach in das Gebäude geregnet, niemand habe sich um den Schaden gekümmert, und dann habe sich der Schwamm breit gemacht. Gram nennt den Schaden „erheblich“. Das Loch im Dach sei mittlerweile abgedichtet, das Wasser werde abgeleitet, doch die Schwammbeseitigung stehe noch aus.

Am Freitag werde der Architekt in Flensburg erwartet, der die Pläne für zwei Neubauten auf dem Grundstück vorstellen wolle. Auch die habe Matzen in seiner Planung gehabt. Nun sei man gespannt auf die Ideen des Architekten. „Es müsste eine Architektur sein, die sich einfügt“, so Gram, die gleichzeitig aber nicht historisierend sein dürfe. Eine Fassade aus rotem Ziegel sei schon fast umumgänglich, weil dies der vorherrschende Baustoff im gesamten Mürwiker Marineviertel sei unter anderem auch bei den Neubauten in Sonwik verwendet worden sei.

Der Investor habe zugesagt, so Gram, die Sanierung des Altbestandes und die Neubauten parallel anzugehen. Ganz vorsichtig äußert er jedoch die Befürchtung, dass man zunächst die Neubauten errichten wolle, um dann auf die Sanierung der vom Schwamm befallenen Altbauten zu verzichten. Dagegen Dolphin-Trust-Sprecherin Wiedemann: „Die Historie der Anlage, die exponierte Lage sowie die für das beginnende 20. Jahrhundert typische Bauweise machen die Gebäude zu einem besonderen Kulturdenkmal, das erhalten werden sollte.“

Für die frühere Leichenhalle am unteren Rand des Grundstücks in der Nähe des Fuß- und Radwegs durch das Osbektal hat Dolphin Trust bisher noch keine Pläne. Die Ruine hat keinen Anschluss an das Strom-, Wasser- und Abwassernetz. „Wir haben angeregt, hier einen Proberaum für Rockmusiker einzurichten“, sagt Gram.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 07:24 Uhr

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