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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

Schiffe bauen statt Fußball spielen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Modellbaugruppe Nord hat seinen Heimathafen am Vereinssee in Meierwik / Ein Hobby, das Leidenschaft und Geduld erfordert

Ob für Einheimische oder Urlauber, noch mehr als während des übrigen Jahres bilden Innenförde und Hafen in den Sommerferien das Herz Flensburgs. Grund genug, um ein paar Hauptdarsteller und Geheimtipps auf dem Wasser in einer Serie unter die Lupe zu nehmen. Heute: die Modellbaugruppe Nord.

Ein Minenjagdboot der Bundesmarine nähert sich langsam einem kleinem Schlepper. Im Hintergrund zieht das Forschungsschiff Calypso vorbei. Dieses Bild zeigt sich Spaziergängern am See in Meierwik. Dort hat die Modellbaugruppe Nord ihren Miniaturhafen angelegt.

„Einige der Vereinsmitglieder haben mehr Spaß am Bauen der Modelle, andere freuen sich mehr darauf, das Schiff endlich zu fahren“, sagt der erste Vorsitzende des Vereins, Günter Mehl (69). Auf dem See fahren nur Boote mit Elektromotoren. Dampfschiffe sind nicht zugelassen und für die kleinen Segler ist meist zu wenig Wind. „Wir haben das Grundstück hier gepachtet unter der Bedingung das Gewässer zu pflegen.“

Für Mehl selbst steht das Bauen im Vordergrund. „Zum Entspannen und Runterkommen ist das gut. Andere gehen in die Kneipe oder zum Fußball, ich bastele an meinem Modell.“ Der Vorsitzende war früher bei der Marine. Das letzte Schiff, auf dem er gedient hat, ein Minensuchboot des ersten Geschwaders, Baujahr 1955, hat er als erstes nachgebaut. „Und damit begann alles.“ Das Militärschiff-Modell ist sehr detailreich. Der Rumpf ist aus einem Bausatz gefertigt. Die Rettungsboote, Maschinengewehre und Seilzüge hat Mehl selbst gebaut. „Dazu habe ich Polystyrol zugeschnitten. Und das große, gelbe Rettungsboot war mal ein Stück Besenstiel.“ Der Kunststoff Polystyrol ist das gängigste Material im Modellbau von Schiffen. Auch Joghurtbecher werden daraus gefertigt.

„Wir haben auch einige Flensburger Schiffsmodelle im Verein, etwa die Jürgensby.“ Das Modell baute der Vorsitzende bereits 1992, doch zuletzt stand sie fünf Jahre still und verstaubte in einer Ecke. „Ich habe sie heute Nacht noch bis 2 Uhr geputzt. Heute macht sie ihre erste Fahrt seit langem.“

Auch Michael Ostermeier (53), Schriftführer, ist zum Vereinssee gekommen wie fast jeden Mittwoch zwischen Mai und Oktober. Mit zwölf Jahren hat er angefangen, zu bauen. „Mein jüngstes fertiges Projekt ist ein marokkanisches Patrouillenboot. Daran habe ich drei Jahre lang gearbeitet, immer so wie es die Zeit zuließ.“ Zu einer Idee für ein neues Modell komme er durch Artikel in Zeitschriften, Recherche im Internet und beim Spaziergang am Hafen. „Da sieht man ein Schiff und denkt sich, das möchte ich bauen.“

Wenn er dann das Modell ausgewählt hat, beginnt die Suche nach den originalen Bauplänen für das Schiff. „Einige sind zu kaufen, andere sind einfach im Internet zu finden.“ Die Bauplan-Recherche sei einfacher geworden. Vor gut 25 Jahren sei es etwa sehr schwer gewesen an Pläne einer russischen Korvette zu kommen. „Heute finden die sich in russischen Foren.“

Dann geht es zunächst an den Bau des Rumpfes. Die am weitesten verbreitete Bautechnik sei die Spantenbauweise. Dabei wird ein Grundgerüst gebaut, auf das dann die Planken montiert werden. „Das kann man sich vorstellen wie einen aufgeschnittenen Laib Brot, der mit Folie zu einem Ganzen zusammengefügt wird“, erläutert Ostermeier. Danach geht es an die Motorisierung, die Details am Rumpf und auf dem Schiffsdeck.

„Aber an Wettbewerben nehmen wir nicht teil. Wir sind Freizeitkapitäne.“ Bei den Modellbau-Meisterschaften würden die Baupläne des Originals mit dem Modell verglichen sowie die Qualität des Mini-Schiffes bewertet werden.

„Havarien hatten wir erst vier auf unserem See“, sagt Günter Mehl. Davon konnten die Freizeitkapitäne zwei Schiffe wieder bergen. Schäden entstehen häufig durch Unachtsamkeit. „Wenn wir in ein gutes Gespräch vertieft sind, kann es schon einmal passieren, dass jemand eine Boje übersieht und kentert.“ Aber das sei zum Glück sehr selten.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 18:16 Uhr

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