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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Video aus Husum : Salondampfer „Alexandra“: Neuer Kessel erfolgreich eingebaut

vom

Auf der Werft ist die Herztransplantation gut verlaufen. Mitte Dezember soll die „Alex“ wieder in Flensburg sein.

Flensburg/Husum | Am Montagvormittag hat die „Alexandra“ ihren neuen Kessel bekommen. Mit einer spektakulären Aktion begann Mitte Oktober die „Kessel-Transplantation“ an dem 108 Jahre alten Salondampfer. Mit einem Spezialkran wurde der 24 Tonnen schwere alte Kessel in der Husumer Werft aus dem Bauch des Flensburger Wahrzeichens gehievt. Zuvor war in tagelanger Arbeit fast das komplette Deck abgebaut worden. Der Einbau des neuen Kessels verlief ohne Probleme. Mitte Dezember soll die „Alexandra“ wieder im Heimathafen in Flensburg sein. Die Reparaturen an der Außenhaut und das neue Herz haben insgesamt 780.000 Euro gekostet. Mehr im Video.

 

Am Anfang läuft alles erstaunlich glatt. Erstaunlich zumindest aus Sicht eines Laien, der sich gar nicht vorstellen kann, wie ein so riesiger 20-Tonnen-Kessel mit einem so enormen Kran in ein im Vergleich gar nicht so großes Schiff gesetzt werden soll. Doch in der Husumer Werft sind Profis am Werk: Der neue Kessel schwebt, wird lässig über der „Alexandra“ abgesenkt und verschwindet geschmeidig im Bauch des Schiffes. Alles innerhalb von Minuten. Kein Grund zur Hektik – da heißt es höchstens: „Vorsicht mit den Fingern!“ und – schwupps! – baumelt das gute Stück ein paar Zentimeter über dem frisch sanierten Rumpf und die ganze Aktion scheint schon wieder vorbei zu sein. Günter Herrmann, Chefkapitän der „Alex“, wäre froh drum: „Das Schiff so offen – das ist ein Anblick, den man nur einmal im Leben sehen will.“ Ähnlich emotional reagierte der 63-jährige Wasserpolizist in Rente schon, als aus seinem Schiff vor ein paar Wochen der alte Kessel heraus gehievt wurde. Anschließend wurden die Kesselfundamente saniert, und nun steht das Highlight der Sanierung an.

Rund 700.000 Euro, schätzt Herrmann, kostet es insgesamt, sein Schätzchen wieder fit zu machen. Das Schlimmste ist nach dem Einsetzen des Kessels vorbei. Dann muss der nur noch angeschlossen und das Schiff wieder geschlossen werden – anschließend kann sich die „Alexandra“ auf ihren zweitägigen Heimweg nach Flensburg machen. Höchstgeschwindigkeit des alten Salondampfers: Zwölf Knoten, also rund 20 km/h.

Doch auf den letzten Millimetern hakt die Kesseltransplantation. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Der Kessel braucht im Schiffsrumpf ein paar Zentimeter Luft, damit er Raum zum Wachsen hat, wenn er heiß wird. Und diese Zentimeter fehlen auf einmal. Der Koloss hängt also knapp über dem Boden, umringt von Werft-Mitarbeitern, die mit Zentimetermaß herausfinden wollen, warum es denn nicht passt, was denn jetzt eigentlich anders ist als am alten Kessel. Der Unterschied zum Vorgängermodell findet sich schnell. Das sogenannte Mannloch, der Einstieg in den Kessel, hatte in der alten Variante keinen Mantel, in der neuesten aber schon. Und dieser Mantel nimmt ein paar Zentimeter zu viel Platz weg. „Wir haben den Kessel nach aktuellen Standards gebaut“, erklärt Kjelt Weichental, Qualitätsmanager von Wulff und Umag – dort wurde das neue Herz der „Alexandra“ gebaut. Dass der neue Standard auch in das 108 Jahre alte Schiff passt, dafür können die Werft-Mitarbeiter recht pragmatisch sorgen – also wird halt schnell ein bisschen was abgeschweißt. Dann wird noch ein wenig hin und her geschoben – jetzt mit Seilzug statt mit Kran, so lässt sich feiner justieren – und der neue Kessel sitzt. Erleichterung beim Chefkapitän: Dem Ziel, dass die „Alexandra“ Weihnachten wieder ganz und zu Hause ist, ist man gestern im Husumer Hafen ein Stückchen näher gekommen.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 09:08 Uhr

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