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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 17:15 Uhr

Rückenwind und Geldregen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit zehn Jahren gibt die Theaterbürgerstiftung Zinserträge ans Theater weiter und unterstützt damit insbesondere den Nachwuchs

Wenn das Kinder- und Jugendtheater mit einer wie jedes Jahr beachtlichen Zuwendung bedacht wird und die zuwendende Stiftung auch noch einen runden Geburtstag feiert, will der empfangende Generalintendant natürlich nicht über Gegenwind sprechen. Denn: „Die Theaterbürgerstiftung ist seit zehn Jahren ein Teil des Rückenwindes, den das Landestheater braucht und wahrnimmt.“

Von einem „beachtlichen Erfolg“ spricht Peter Grisebach, wenn er auf die vergangene Spielzeit zurückblickt – sowohl wirtschaftlich als auch künstlerisch. Das kann der Generalintendant schon absehen, bevor die Unterlagen den Wirtschaftsprüfern vorgelegt werden. Überregionale Beachtung habe, so hebt Grisebach hervor, etwa die Oper „The two fiddlers“ erfahren. Das Konzept, das da hieß, „von Kindern für Kinder“, ging auf. Kinder- und Jugendchor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und Jugendsinfonieorchester übernahmen mit ihrem Stück von Peter Maxwell Davies, das vor der schottischen Küste spielt, nicht nur die Bühne, sondern auch den Orchestergraben. Beide Vorstellungen waren ausverkauft, berichtet Peter Grisebach – und auch vom Spaß, der Aufregung, der „ernsten Selbstverständlichkeit“, mit welcher der Theaternachwuchs agierte.

Ohne die Theaterbürgerstiftung hätte er ein solches Vorhaben so nicht realisieren können, sagt der Intendant. Seit er es zu verantworten habe, werden die Mittel zweckgebunden genutzt und das Kinder- und Jugendtheater permanent erweitert. „Das entbindet uns dort von wirtschaftlichen Überlegungen“, erklärt Grisebach.

Peter Hartwigsen, Schatzmeister der Stiftung, vermutet, dass durch die Kinder auch Eltern fürs Theater erwärmt werden. Und er liegt richtig: „Wir hatten tränenreiche Auftritte im Foyer, weil die Kinder nicht nach Hause, sondern im Theater bleiben wollten“, erzählt Grisebach.

Auf dem frischen symbolischen Scheck in Übergröße, den der Stiftungsvorsitzende Max Stark ihm in die Hand drückt, sind 8000 Euro verzeichnet. Seit zehn Jahren schüttet die Stiftung Erträge aus dem Kapital aus, um ihr Theater zu unterstützen. Starks emotionalster Moment war gleich am Anfang, als er die Dankesurkunde für die Gründung mit allen Unterschriften der Theaterleute bekam – anlässlich der ersten Stiftungsgala im April 2006. „Mir standen gleichzeitig vor Rührung und Freude Tränen in den Augen“, erinnert sich der gebürtige Berliner.

Die Geburtswehen und sogar die Anerkennung als Stiftung durch das Innenministerium gingen bereits im Dezember 2005 über die Bühne. „Richtig los ging es ab 2006“, sagt Max Stark und begründet damit auch die Würdigung des zehnjährigen Jubiläums in diesem Jahr. Für eine Feier wollen die Förderer jedoch kein Geld ausgeben. Allerdings haben sie 1500 vorhangrote runde Aufkleber drucken lassen und „sie Theaterbesuchern sprichwörtlich in die Hand gegeben“, sagt Stark.

Während sich das Gründungskapital auf 25  000 Euro belief, sei es bis heute auf 295  000 Euro angewachsen. Insgesamt 47  000 Euro an Zinserträgen und Spenden seien seither dem Landestheater zugute gekommen. Wer will, kann sich seit zwei Jahren auf einer Sponsorentafel verewigen lassen – vorausgesetzt, er schenkt dem Theater mindestens 500 Euro. Von anfangs 17 Namen ist die Liste inzwischen auf 40 Spender gewachsen. Aber, sagt Max Stark verschmitzt: „18 Felder wären jetzt noch frei.“

Kein Platz frei ist am Freitag im Theater bei der ersten großen Vorstellung nach der Sommerpause; der traditionelle „Auftakt“ ist ausverkauft – für Max Stark gilt das als schönste Auskunft an der Theaterkasse. Und im winzigen Exkurs lässt sich Peter Grisebach doch noch eine Kampfansage gen Gegenwind entlocken: Das Publikum, sagt er insbesondere mit Blick auf Schleswig und das kommunalpolitische Theater, sei am unschuldigsten an der Situation. Deshalb müsse der Kampf weitergehen um eine neue Spielstätte 2019.



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erstellt am 08.Sep.2016 | 19:12 Uhr

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