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Flensburger Tageblatt

27. Juni 2016 | 00:44 Uhr

Wallsbüll Open Air : Rockfans warten auf ihr Geld

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Festival wurde 2015 abgesagt. Kartenkäufer fühlen sich betrogen. Die Veranstalter kündigen nun aber eine Erklärung an.

Wallsbüll | Den 15. Mai 2015 hatten sich hunderte Hardrock-Fans im Norden ganz fett im Kalender markiert. Doch auf das Wallsbüll Open Air freuten sie sich vergebens. Aus „familiären Gründen“ wurde das Festival eine Woche vor dem Start abgesagt. So zumindest teilten es die Veranstalter Jan Plagemann und Katja Matt auf ihrer Facebook-Seite mit. Das Event werde verschoben, hieß es, später wurden andere Veranstaltungen quasi als Wiedergutmachung angekündigt. Doch all das erwies sich aus Sicht der frustrierten Fans als Luftnummer. Frust schieben viele bis heute. Sie warteten nicht nur vergebens auf Heavy-Metal-Größen wie „Accept“ und „Blind Rage“, sondern sie warten bis heute auch auf ihr Geld.

Nachdem sie das Festival am 15. und 16. Mai aus familiären Gründen abgesagt hatten, sagten die Veranstalter auch einen weiteren, kurzfristig ins Auge gefassten Termin im Sommer ab. Zwar hatten nach ihren Angaben 80 Prozent der Bands für diesen Termin zugesagt, doch aufgrund zahlreicher Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen hagelte es massive Proteste.

Schon kurz nach der Absage des Festivals hatten sich viele Kartenkäufer in sozialen Netzwerken darüber beklagt, dass die Rückabwicklung nicht funktioniere. Viele schickten ihre Tickets zwar zurück, erhielten dann aber nach eigenen Angaben das Geld nicht. Als die Klagen auf der Homepage des Festivals Überhand nahmen, stellten Plagemann und Matt die Kommunikation wegen „böswilligen und falschen Tatsachenbehauptungen“ kurzerhand ein. Letzter Beitrag auf der Homepage ist ein langes Statement vom 10. Juni, in dem die beiden um Verständnis werben, einräumen in der Kommunikation Fehler gemacht zu haben und einen neuen Termin ankündigen, für den schon drei Viertel der 2015 gebuchten Bands zugesagt hätten: Himmelfahrt 2016. Die Karten behielten selbstverständlich ihre Gültigkeit, hieß es. Doch seitdem herrscht Stillstand auf der Homepage.

Offizielles Wallsbüll Open Air Statement:Liebe Freunde des Wallsbüll Open Air, im Zusammenhang mit der kurzfristigen...

Posted by Wallsbüll Open Air on  Dienstag, 9. Juni 2015

Viele Kartenkäufer fühlen sich von den Veranstaltern – sie ist im Hauptberuf Bauzeichnerin, er ist Fliesenleger – geprellt. Zumindest jene, die ihre Karten zurückgaben, ohne ihr Geld wiederbekommen zu haben. Andere halten die Tickets noch, glauben offenbar daran, dass zu Himmelfahrt ein Wallsbüll Open Air über die Bühne gehen wird. Doch wer darüber Informationen bekommen möchte, läuft nach wie vor ins Leere.

Auf Nachfrage des sh:z meldet sich Veranstalter Jan Plagemann nach monatelangem Schweigen in letzter Minute doch noch zu Wort – hatte aber nicht viel zu sagen: „Ich würde gerne darüber reden, darf es im Moment aber nicht“, erklärt er – seit einem guten Dreivierteljahr kümmere sich ein Anwalt um die Rückabwicklung der Tickets. Der Prozess sei „sehr schwierig“, betont er, ohne ins Detail zu gehen. Sagt aber: „Wir waren mit Herzblut beim Festival dabei und haben rund um die Uhr geschuftet.“ Die jetzige Situation „haben wir uns nicht ausgesucht“. Mitunter habe er die Familie vor Anfeindungen schützen müssen. Für nächste Woche kündigt er eine Stellungnahme an: „Wir verstecken uns ja nicht.“

Die betroffenen Ticketbesitzer haben unterdessen einen anderen Eindruck. „Man kriegt niemanden zu fassen“, meint Merve Vogt aus Schönkirchen. Zwei VIP-Tickets haben ihr Mann und sie gekauft – Einzelpreis: fast 100 Euro. „Nach der Absage im Mai haben wir abgewartet“, berichtet sie. Im Herbst gab es dann ein Gespräch mit Jan Plagemann, der ankündigte, neue Sponsoren für das nächste Festival zu haben. Seitdem herrschte Funkstille. Anfang Februar habe sie dann beim zuständigen Ordnungsamt angerufen und erfahren, dass dort zum Wallsbüll Open Air 2016 gar nichts vorliege. Daher geht sie nicht davon aus, dass dieses Jahr ein Festival stattfinden wird. Nun, meint sie, müsse man gucken, sich eventuell mit anderen Betroffenen zusammenzutun, um etwas zu erreichen.

Nina Wajszczak aus Lüdenscheid hat ihre zwei Tickets Mitte letzten Jahres per Einschreiben zurückgeschickt – ebenso wie ihre Tante Karin Unterberg. Letztere hat ihr Geld prompt ohne Probleme zurückbekommen – Wayszczak wartet immer noch. Wie ihr geht es offenbar etlichen Hardrock-Fans. Viele meldeten sich Am Dienstag auf einen Facebook-Aufruf des Flensburger Tageblatts und machten ihrem Unmut Luft. Zwar hätten die Veranstalter anfangs am Telefon eine Erstattung des Geldes zugesagt, gesehen hätten sie davon dann nichts. Wie Lars C. Clausen: „Ich habe eine Karte gekauft, das Festival ist ausgefallen und die versprochenen Ersatzveranstaltungen hat es nicht gegeben. Ich glaube nicht, dass wir noch irgendwas von unserm Geld wiedersehen, geschweige denn nochmal ein Festival mit der alten Karte erleben werden.“

Wallsbüll Open Air: Das letzte Festival fiel aus, auch die versprochenen Ersatzveransstaltungen hat es nicht gegeben....

Posted by Flensburger Tageblatt on  Dienstag, 9. Februar 2016


 

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erstellt am 10.Feb.2016 | 10:28 Uhr

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