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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 23:01 Uhr

Integration in Flensburg : Respekt ist wichtiger als ein neuer Fernseher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Junge Männer wollen in einem Projekt gemeinsame gesellschaftliche Werte erarbeiten und ins Gespräch bringen

„Es gibt Leute, die beschweren sich, dass sie nicht das Geld für einen tollen neuen Fernseher haben. Da geht es doch gar nicht drum.“ „Sicherheit ist wichtig und Respekt. Das sind echte Werte.“ „Genau. Respekt. Auch wenn man mal nicht einer Meinung ist.“

Eine Gruppe junger Männer zwischen 16 und Mitte 20 sitzt an einem großen Tisch und diskutiert lebhaft. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund – genau das soll jedoch nicht im Mittelpunkt stehen. Von Vorurteilen ist die Rede, mit denen sie sich im Alltag konfrontiert sehen, von falschen Vorstellungen über andere Kulturen und von Meinungsverschiedenheiten untereinander. Aber statt die Unterschiede zu erklären, wollen sie die Gemeinsamkeiten zeigen, denn Nima, Dannie, Sham und die anderen machen mit beim „Culture Master“, einem im Sommer gestarteten Projekt zur Integration durch gemeinsame Werte. Projektträger sind der ADS Kinder- und Jugendtreff „Speicher“, das Kinder- und Jugendbüro der Stadt und die Comenius-Schule . Die Laufzeit des Projektes ist offen, die Gruppe auch.

Den Namen „Culture Master“ haben sich die Teilnehmer selbst gegeben. Ihre Treffen, zu denen jeder, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, jederzeit dazukommen kann, sehen sie wie eine Qualifizierung. Sie wollen sich gemeinsam fit machen, um anschließend anderen Jugendlichen zu zeigen, welche grundlegenden Werte sie alle verbinden. „Jeder hat hier was zu erzählen, was auch andere hören sollten“, ist Dannie Boye (18) überzeugt. „Wir wollen Jugendliche animieren, dass sie manche Sachen auch mal mit anderen Augen sehen“, ergänzt Yehya Al-Sawalme (25).

Dass in der Gruppe nur junge Männer sind, gehört zum Konzept. „Wir arbeiten hier im Kinder- und Jugendtreff viel mit Mädchengruppen. Bei den jungen Männern gibt es auch einen großen Bedarf, etwas gemeinsam zu machen, aber oft nicht so viele Möglichkeiten“, erklärt Birte Kramer vom ADS-Treff „Speicher“. In diesem Projekt sind sie unter sich, aber mit ihren Arbeitsergebnissen wollen sie später auf jeden Fall in die Öffentlichkeit.

Die Ideen dazu, wie die künftigen „Absolventen“ des „Culture Master“ mit anderen ins Gespräch kommen wollen, sind vielfältig: Rollenspiele in Schulen, eine Facebook-Gruppe, Plakate, ein Theaterstück, Songs. Vor den Sommerferien hat sich die Gruppe zum ersten Mal getroffen. „Erst einmal ging es darum, sich kennenzulernen“, blickt Alan Brückner zurück. Der Mitarbeiter des Kinder- und Jugendbüros ist einer der Begleiter des Projektes und begeistert von den oft philosophischen Gesprächen, die sich immer wieder ergeben.

Im Kern sind es rund 20 junge Männer, die sich etwa alle zwei Monate treffen, um zu diskutieren. Die Themen haben sie unter anderem bei einem gemeinsamen Seminarwochenende auf Sylt festgelegt: Familie, Rasse, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Sicherheit und Gleichberechtigung stehen auf einem großen Plakat, das im Jugendtreff hängt – der „Studienplan“ für den „Culture Master“.

Kontakt: „Speicher“, Segelmacherstr. 15, Telefon 0461-21807, E-Mail: ads-speicher@ foni.net, www.ads-speicher.de

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erstellt am 28.Okt.2016 | 17:33 Uhr

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