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Flensburger Tageblatt

26. September 2016 | 14:16 Uhr

Zeitumstellung : Rentnerin kämpft gegen die Sommerzeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Inge Jensen aus Flensburg will nicht länger untätig bleiben, wenn jedes Frühjahr die Uhr vorgestellt wird und viele Bürger Probleme bekommen.

Flensburg | Wenn Inge Jensen (79) nicht noch ein Wunder gelingt, dann wird am 29. März die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt. An diesem Sonntagmorgen ab zwei Uhr wird es dann für rund sieben Monate in fast ganz Europa eine Stunde früher hell – und Mensch, Tier, Maschine und der gesamte Wirtschaftskreislauf müssen sich darauf einstellen.

„Es ist wirklich sinnlos. Was soll der Blödsinn noch“, schimpft die ältere Dame aus Jürgensby. „Im Frühjahr ist es besonders schlimm. Dann kann ich die ganze Nacht nicht schlafen, und es dauert Wochen, bis ich mich umgewöhnt habe.“

Irgendwann im Herbst hat sie den Entschluss gefasst, gegen diesen „Blödsinn“ aktiv zu werden. Seitdem geht sie nicht mehr ohne Unterschriftenlisten aus dem Haus – ganz gleich, ob sie zum Café 50 plus nach St. Johannis geht, zum Europa-Seminar in die Akademie Sankelmark oder zu den Bauern nach Langenhorn. Die Milchbauern seien alle auf ihrer Seite, weil der Tagesablauf gestört werde: „Die Kühe müssen ja alle zu einer bestimmten Zeit gemolken werden.“ Beim „Lütten Koopmann“ auf Jürgensby hat sie 18 Unterschriften bekommen und die Tochter in Niedersachsen hat auch schon ein ganzes Blatt voll mit 15 Namen aus ihrer Nachbarschaft beigesteuert. Gerade Familien mit kleinen Kindern seien besonders betroffen, weil die sich auch schwer umgewöhnten. Auch der jährliche Besuch beim Steuerberater brachte vergangene Woche nebenbei ein Autogramm: „Der stellt die Uhr gar nicht mehr um.“

Wenn sie die Leute anspreche, unterschreiben sie alle, berichtet Inge Jensen: „Wir haben ja jetzt die normale Zeit – und die richtet sich nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.“ Die einst versprochene Ersparnis beim Strom habe es nie gegeben: „Was steigt, sind allein die Unfälle nach der Umstellung.“ Doch das seien nicht die einzigen Kosten, man denke nur an die Umstellung von Bus- oder Bahnfahrplänen, den Flugverkehr und die Logistikketten in der Wirtschaft. „Und wer bleibt schon bis abends um halb elf in der Sonne sitzen?“, fragt sie.

Rentnerin Jensen hat auch Beispiele wichtiger Industrieländer gefunden, die standhaft geblieben seien, nachdem Deutschland und Europa nach 1980 zweimal im Jahr den Tagesrhythmus ihrer Bürger und Volkswirtschaften strapazierten: „Japan hat es gar nicht gemacht“, berichtet sie. Begründung: „Die Menschen arbeiten so hart.“ Auch Russland mit seinen ohnehin zahlreichen Zeitzonen habe nicht umgestellt.

Allein mit ihren Unterschriftenlisten indes dürfte die bald 80-Jährige ihr Ziel verfehlen: 20.000 Unterschriften braucht sie für einen Volksentscheid. Gesammelt hat sie seit Dezember knapp 400. Deshalb hofft sie nun durch eine breitere Öffentlichkeit auf mehr Unterstützer, die ihre Unterschriftenliste weitertragen – oder vielleicht auf jemanden, der eine technische Lösung findet, damit sich ihr Unterschriftenblatt gegen die Zeitumstellung schneller vervielfältigen lässt. Inge Jensen will noch lange nicht aufgeben.

Wer Kontakt zu Inge Jensen aufnehmen möchte, kann sich in der Redaktion des Tageblatts melden; dort ist die Telefonnummer hinterlegt.

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erstellt am 16.Feb.2015 | 12:15 Uhr

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