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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 09:08 Uhr

Schüsse im Sultan Markt : Rätselraten um den Tatablauf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schütze rief offenbar selbst die Polizei / Herkunft der scharfen Waffe unbekannt / Ermittlungen dauern an

Einen Tag nach dem Großeinsatz der Polizei in der Neustadt sind noch viele Fragen offen. Wie berichtet, hatte ein Spezialeinsatzkommando am Sonntagabend den arabischen Sultan Markt in der Neustadt gestürmt und einen 39-jährigen Mann festgenommen, der sich offenbar in einer seelischen Stress-Situation befand. Passanten hatten aus dem Markt heraus Schüsse gehört und die Polizei alarmiert. Was aber genau in dem Lebensmittelgeschäft geschah, ist noch nicht sicher.

Am Morgen nach dem Einsatz gibt nicht viele gesicherte Erkenntnisse. Polizeisprecherin Franziska Jurga erklärt auf Nachfrage, dass in dem zwischen den Straßen Neustadt und Werftstraße gelegenen Gebäude am Sonntagnachmittag einige scharfe Schüsse gefallen sind. Ob sie aber gezielt, etwa auf eine Person abgefeuert worden sind, weiß niemand. „Im Moment wissen wir noch nicht einmal, wer geschossen hat“, so Jurga.

Es spricht einiges dafür, dass am Sonntag zwischenzeitlich zwei Personen im Markt gewesen sind. Der 39 Jahre alte Mann libanesischer Herkunft und sein Sohn. Der 16-jährige hatte gegenüber Zeugen angegeben, dass er und sein Vater mit Renovierungsarbeiten beschäftigt waren. Er habe das Objekt aber für einige Zeit verlassen, um etwas zu essen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit war er nicht anwesend, als die Schüsse fielen. „Als der Einsatz lief, war der Junge zumindest draußen vor der Absperrung“, so die Polizeisprecherin.

Das macht das Geschehen im Sultan Markt aber nicht verständlicher. Jurga zufolge rief nämlich der 39-Jährige selbst die Polizei um Hilfe, weil im Markt angeblich Schüsse gefallen seien. Wem oder was die Schüsse galten und wer sie abgefeuert hat, steht daher noch nicht mit Sicherheit fest. Die Spurensicherung fand einige Patronenhülsen, die jetzt bei den Asservaten sind, ebenso eine Pistole, die dem 39-Jährigen zugeordnet wird, im Gebäude gab es mehrere Einschusslöcher.. Die Waffe wurde bei der Erstürmung des Marktes durch SEK-Kräfte in der Teeküche sichergestellt, in der sich der 39-Jährige zurückgezogen hatte. Für die Schusswaffe hätte der er den großen Waffenschein benötigt – den hat er definitiv nicht, stellte Jurga klar. Die Herkunft der scharfen Waffe ist unbekannt, die Ermittlungen und krimninaltechnischen Untersuchungen sind seit gestern im vollen Gange. Die Polizeisprecherin verwies auf deren Abschluss. Dann könne man mit Sicherheit Näheres zum Tatablauf im Sultan Markt sagen.

Während des Großeinsatzes hatte die Polizei durch eine psychologisch speziell geschulte Beamtin ständigen Kontakt zum mutmaßlichen Urheber der Schüsse. Die Einsatzleitung entschied sich vor Ort zwar für die Erstürmung des Objektes, der 39-Jährige leistete aber keinerlei Widerstand gegen seine Festnahme. Weil der Mann sich nach Einschätzung der Polizei in einem psychischen Ausnahmezustand befand, wurde er am Sonntagabend noch dem sozialpsychiatrischen Dienst vorgestellt. Eine Einweisung erfolgte nach Begutachtung jedoch nicht. Der im Kreis Rendsburg-Eckernförde wohnende Libanese wurde wieder unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Als am Sonntag um 16 Uhr die Schüsse fielen, entschied sich die Regionale Einsatzleitstelle in Harrislee zügig für die Alarmierung des SEK. „Diese Kollegen sind für Situationen, in denen scharfe Waffen eingsetzt werden, einfach besser ausgerüstet, so Jurga. „Das war eine klassische SEK-Lage. Unsere Leute haben die Absicherung übernommen.“

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erstellt am 22.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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