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Flensburger Tageblatt

01. September 2014 | 20:32 Uhr

Radler-Paradies mit Hindernissen

vom

Alte Kreisbahntrasse: Nach dem Scheitern einer gemeindeübergreifenden Sanierung zeigt die Trasse neben idyllischen Abschnitten viele Mängel

Schleswig-Flensburg | Es ist noch früher Vormittag. Zwei Radler erreichen schwer bepackt auf der alten Kreisbahn trasse Nottfeld. Auf die Schönheit der Natur können sie hier allerdings nicht achten, der schmale Pfad vor ihren Rädern erfordert volle Aufmerksamkeit. Eine Wegbeschreibung im Internet empfiehlt, den Weg deswegen nur bei Trockenheit zu nutzen. Vera Gutzschernbach und Steffen Feister aus Bautzen befinden sich mit dem Fahrrad auf Europatour. Den Radwanderweg auf der alten Kreisbahntrasse Schleswig-Süderbrarup haben sie in Schleswig nur durch Zufall gefunden - es aber nicht bereut, ihn befahren zu haben.

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Keine Autos, Natur pur und entspannt durch die schöne Landschaft zu radeln, das hat den beiden Sachsen sehr viel Freude bereitet. Allerdings gebe es auch einen Wermutstropfen, sagt Steffen Feister: "Der Zustand des Weges ist stellenweise problematisch."

Aber der Reihe nach: Wer mit dem Rad in Süderbrarup startet, kann sein Auto direkt am Startpunkt des Rad-Wanderweges am Süderbraruper Bahnübergang parken. Der Beginn der 24-Kilometer-Tour könnte schöner nicht sein. Der Weg ist breit und gut befahrbar. Schon nach wenigen Metern erreicht man den Neuwald und radelt, vom Gesang der Vögel begleitet, auf ebener Fahrbahn. Doch schon nach zwei Kilometern ist Schluss mit der Vorzeige-Radstrecke. Ab dem Gemeindegebiet Nottfeld wird der Weg immer schmaler, bis er in Steinfeld nur noch ein enger Pfad ist.

Für ungeübte Radfahrer eine echte Gefahr: Die Spur ist eingefahren und macht das Radeln zur echten Tortur. Je weiter man Richtung Westen fährt, desto enger wird diese Spur, bis sie schließlich gar nicht mehr vorhanden ist. Man fährt jetzt auf einer zwar gemähten, aber holperigen Grasnarbe. Im Bereich der Gemeinde Loit schließlich wachsen auch noch üppig Büsche und Gräser in den Weg hinein.

Mit Erreichen der Gemeinde Taarstedt ändert sich das Bild jedoch wieder schlagartig: Die Grasnarbe ist abgehobelt. Der Weg ist plötzlich auf voller Breite befahrbar, ab Schaalby wird es fast komfortabel. Die Gemeinde hat hier recycelten Asphalt aufgebracht. Bis Schleswig, auf dem letzten Teilstück, ist der Weg zwar nicht optimal, aber weiterhin gut befahrbar.

Für Touristiker ist diese Route derweil ein ungehobener Schatz. Das hatte vor einigen Jahren auch Amtsvorsteher und Taarstedts Bürgermeister Hans-Werner Berlau erkannt. Und deshalb regte er an, die alte Kreisbahntrasse durchgehend mit einer Bitumenschicht zu versehen und so zu einer Endeckerroute für Radtouristen - wie Vera Gutzschernbach und Steffen Feister - sowie Skater zu machen.

Doch dafür hätte er zahlreiche Gemeinden mit ins Boot holen müssen. Denn nachdem Anfang der 1980er Jahre der Eisenbahnverkehr eingestellt und der Schienenstrang abgebaut worden war, übergab der Kreis die Strecke an die Anliegergemeinden, die sich verpflichteten, für die Unterhaltung aufzukommen. Doch anstatt laufend in die Unterhaltung zu investieren, wie es die Gemeinde Süderbrarup auf ihrem Abschnitt bis Nottfeld vornahm, verwahrloste der Bahndamm vielerorts immer stärker.

Für sein Projekt konnte Berlau über die Aktivregion am Ende sogar einen Zuschuss von 55 Prozent einwerben. Doch außer Taarstedt sperrten sich die übrigen Gemeinden. So lehnte Steinfeld eine Partizipierung mit der Begründung ab, die Aktivregion beteilige sich nicht am Kauf und der Renovierung des Gasthofes "Jägersruh", dann mache man auch bei der Rad-Route nicht mit. Die Finanzmittel mussten schließlich zurück gegeben werden. Jedes Teilstück der alten Kreisbahn trasse blieb dem Gutdünken der jeweiligen Trägergemeinde überlassen.

Und so kann von einer vernünftigen touristischen Erschließung dieses naturnahen Juwels bis heute keine Rede sein. Die beiden Radler aus Sachsen jedenfalls haben nicht erfahren, durch welche Orte sie radelten, ob es Sehenswürdigkeiten links und rechts der Strecke gibt. Nicht einmal auf gastronomische Betriebe wird hingewiesen, bis auf eine Ausnahme. In Steinfeld wird der Weg zur nahen Gaststätte "Jägersruh" angezeigt.

Hans-Werner Berlau, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ostsee fjordschlei GmbH, bedauert es weiterhin, dass es nicht gelungen ist, den Weg mit einer festen Fahrbahn zu versehen. Als Touristiker wisse er um den Stellenwert des Fahrradtourismus, der bundesweit boomt. "Diesen Boom nicht konsequent für die Region zu nutzen, halte ich für einen großen Fehler", sagt er. Der Tourismus trage bei einem jährlichen Umsatz von 480 Millionen Euro zum Erhalt von 10 300 Arbeitsplätzen in der Region Schlei-Ostsee bei. Ein gut ausgebauter Radweg auf der Alten Kreisbahntrasse würde viele Möglichkeiten für Aktivitäten bieten und so "einen echten Mehrwert für die gesamte Region" bedeuten.

Taarstedt gibt für die Unterhaltung ihres fünf Kilometer langen Radweg-Abschnittes jährlich fast 7000 Euro aus. Nur was nützt es, wenn zwar die Gemeinden von Schleswig bis Taarstedt zumindest ein Minimum an Pflege und Unterhaltung aufwenden, die anliegenden Gemeinden des Amtes Süderbrarup sich jedoch nicht beteiligen.

In Steinfeld hat zumindest ein Umdenken eingesetzt. Nachdem man sich bis heute auf das Mähen des alten Bahndamms auf Gemeindegebiet beschränkt hat. Bürgermeister Heinrich Buch kündigte an, dass die Oberfläche des Radweges in einer Breite von 1,50 Mater abgehobelt und mit einer Schicht aus recyceltem Beton verfüllt werden soll. Besserung ist auch für den Bereich Nottfeld in Aussicht. Süderbrarups Bürgermeister Friedrich Bennetreu hat zugesagt, dass der Bauhof der Gemeinde im kommenden Jahr einen etwa einen Meter breiten Streifen auffräsen und dann eine feste Grandschicht aufbringen wird. "Dann wird auch dieser Abschnitt gut befahrbar sein", versicherte Bennetreu.

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von Peter Hamisch
erstellt am 17.Jul.2012 | 05:50 Uhr

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