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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Fussball EM 2016 : Public Viewing im Abseits

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Veranstalter können mit dem bisherigen Zulauf nicht zufrieden sein.

Stell dir vor, es ist Public Viewing und keiner geht hin. Vor zwei Jahren noch lagen sich wildfremde Menschen auf öffentlichen Plätzen freudetrunken in den Armen, bejubelten Sieg um Sieg der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Die Euphorie war schon in der Vorrunde riesig, und als Deutschland im Endspiel gegen Argentinien den Titel gewann, gab es kein Halten mehr. Flensburg versank in einem Fahnenmeer.

Und nun? Der Hype ist abgeflaut, das Sommermärchen Vergangenheit. Deutschland steht im Viertelfinale, doch bei den bisherigen vier Begegnungen wollte auf öffentlichen Plätzen keine rechte Begeisterung aufkommen. Public Viewing ist längst nicht mehr so gefragt wie bei den vorangegangenen großen Turnieren, und das ist offenbar ein bundesweiter Trend. Über die Gründe darf man spekulieren. Ist es ein Rückzug ins Private? Unzufriedenheit mit den bisherigen Leistungen der Nationalelf? Das Wetter?

„Das Angebot, sich die Spiele draußen oder in Gaststätten anzuschauen, ist immer breiter geworden. In fast jeder Kneipe steht ja ein Fernsehgerät“, sinniert Veranstalter Peter Thomsen, der sich besonders an der Fanspitze am Harniskai (östliches Hafenufer, kein Eintritt, kein Mindestverzehr) mehr Zulauf erhofft hat.

In der Vorrunde waren es 700 bis 1300 Besucher, die auf den Sandplatz strömten, der für maximal 5000 Menschen ausgelegt ist. Beim Spiel gegen die Slowakei kamen statt der erhofften 2000 Fans nicht einmal die Hälfte. Das heizt die Stimmung auf einer derart großen Fläche nicht unbedingt an, und auch die Gastronomie hat sich weit mehr erhofft. Einigen Zuschauern ist die 15 Quadratmeter große LED-Leinwand zu klein geraten, doch selbst der Große Saal im Deutschen Haus, der mit einem imposanten Kinoformat von 9 mal 13 Metern und HD-Qualität aufwarten kann, ist nur mäßig gefüllt. Waren es in der Vorrunde noch 300 bis 500 Besucher, so sank die Zahl zum Achtelfinale auf 150. Und nach dem 3:0-Sieg? Verhaltener Jubel, kein Auto-Korso, nur einsame Deutschland-Fähnchen flatterten im Wind.

Ein Lichtblick dagegen der Konzertgarten am Deutschen Haus. Der ist mit 250 Gästen regelmäßig voll belegt – trotz eines Mindestumsatzes von fünf Euro. „Und die Stimmung ist prächtig“, berichtet ein Fan.

Heute geht’s gegen Italien. Zwar nicht im Großen Saal des Deutsche Hauses, der ist durch eine andere Veranstaltung belegt. Open Air lässt sich auch dieses Spiel aber wie gewohnt verfolgen. „Mal sehen, wer kommt“, übt sich Peter Thomsen in vorsichtigem Optimismus. Ein Blick auf die Wetterkarte dürfte ein kleiner Indikator sein: Es bleibt trocken – bis zur Verlängerung.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 12:18 Uhr

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