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Flensburger Tageblatt

26. Juni 2016 | 04:52 Uhr

Flensburger Campus : Promis auf dem Podium

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Diskussionsveranstaltung mit Harald Welzer, Detlev Buck und Katrine Hoop widmet sich der offenen Gesellschaft.

Flensburg | Flüchtlinge, die bestürzt zur Kenntnis nehmen, dass sie in Deutschland einen Angelschein brauchen, wenn sie einen Fisch aus dem Wasser holen, oder Berufsschullehrer, die mehr Kurse geben, damit auch Flüchtlinge teilhaben können – Schilderungen wie diese fallen Professor Harald Welzer unter anderem ein, wenn er an den Diskussionsstoff der ersten Veranstaltungen einer Reihe denkt, die er und Alexander Carius spontan erfunden haben. „Die Debatte in Deutschland“ zur offenen Gesellschaft wirft die zentrale Frage auf „Welches Land wollen wir sein“.

Den Politologen und Politikberater Carius kenne er schon lange, sagt der Soziologe Welzer und, dass beide in verwandten Feldern arbeiteten. „Mit Futurzwei machen wir Nachhaltigkeitspolitik“, sagt Welzer über die Stiftung (für) Zukunftsfähigkeit, die er mitbegründete und deren Direktor er ist. Seit 2012 hat der 57-Jährige eine Honorarprofessur für Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg.

Die Veranstaltungsreihe hat Ende November im Potsdamer Hans Otto Theater Premiere gehabt und ist zunächst vor allem über Bühnen gegangen, beispielsweise über die des Deutschen Theaters in Berlin oder zuletzt die des Münchner Residenztheaters. Die ersten Anfragen gingen insbesondere an Theater, weil die über die Infrastruktur für ein solches Format verfügten, erklärt Harald Welzer. Doch inzwischen spricht der umtriebige und präsente Professor von einem Effekt im Schneeballsystem: „Je mehr mitmachen, desto mehr machen mit“, formuliert ein wenig flapsig. So wären auch Wien und Zürich dem Kreis der Gastgeber für die Debatte beigetreten.

Noch wichtiger als der Ort sind natürlich die Gäste und der Gegenstand des Diskurses. Letzterer bewegt sich im Spannungsfeld zwischen den „epochalen Geschehnissen“ des jüngsten Herbstes: den „Angriffen des islamistischen Terrorismus“ und den „globalen Flüchtlingsbewegungen“, wie es im Konzept heißt. Beides treffe Europe und seine Staaten in ihrem Selbstverständnis und lässt die Frage folgen, welche Gesellschaft mit diesen Herausforderungen umgehen kann.

„Wir machen die Debatte analog“, erklärt Welzer. Das bedeute, „dass man ein Argument auch mal durchfechten muss“, während man im Netz alles sagen könne. Carius und er hätten überlegt, „wie man die Werte der offenen Gesellschaft stützen kann“. Das enorme bürgerschaftliche Engagement, wie es sich besonders auch am Flensburger Bahnhof zeige, dürfe nicht zerredet werden. Die Übernahme direkter Verantwortung ist für Welzer ein Zeichen dafür, dass man gerade eine „Sternstunde der Demokratie“ erlebe. Dennoch würden die Medien ihren Blick stark auf Bewegungen wie Pegida lenken.

Auf dem Podium schließlich geben zwei bis vier Persönlichkeiten Impulse von wenigen Minuten in die Debatte – von Architekten und Juristen über Fußballtrainer bis hin zu Verlegern. Die Auswahl und die Organisation sei dezentral und obliegt Koordinatoren vor Ort, erläutert Welzer. „Die Europa-Universität Flensburg hat das sehr gern gemacht“, betont Kathrin Fischer, denn eine solche Debatte gehöre auch an die Uni. Die Pressesprecherin der Hochschule wird moderieren. Ihre Gäste werden neben Harald Welzer Katrine Hoop vom Netzwerk „Refugees Welcome“ sein sowie Detlev Buck. Der Schauspieler und Regisseur sei sofort interessiert gewesen, sagt Fischer und habe sich, passend zur Thematik, in vielen seiner Filme mit Nonkonfirmismus beschäftigt. Die dänische Autorin Janne Teller musste aus persönlichen Gründen kurzfristig ihre Zusage wieder zurücknehmen.

Beginn der Debatte im Audimax auf dem Flensburger Campus ist am Donnerstag, 14. Januar, um 19 Uhr.

http://die-offene-gesellschaft.de

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erstellt am 12.Jan.2016 | 14:30 Uhr

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