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Flensburger Tageblatt

24. März 2017 | 23:07 Uhr

Konzert in Flensburg : Power-Riegel auf zwei Beinen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ina Müller servierte in der Flens-Arena einen höchst unterhaltsamen Cocktail aus Comedy und Gesang.

Die Liebe an sich und damit das ewig reizvolle Thema Männer versus Frauen (oder umgekehrt!) dominierten den aktuellen Auftritt von „Musik-Kabarettistin“ Ina Müller in der Flens Arena. Im Rahmen ihrer Juhu-Tour 2017 präsentierte sie den etwa 3500 Besuchern in einem zweieinhalbstündigen Power-Programm eine Reihe neuer Songs ihrer jüngsten CD „Ich bin die“ sowie weitere bekannte Titel. Intelligent verknüpft mit einer Comedy-Show, die sonniges Entertainment in graue Winterwetter-Tristesse brachte und zugleich eine echte Herausforderung der Lachmuskulatur war.

Lieblingslieder für große Mädchen und Jungs (so die Plattenfirma) – die Betonung liegt definitiv auf „groß“, denn als solche nahm die medienpreisüberhäufte norddeutsche Quatschklappe, pardon: Super-Rhetorikerin mit Schnellsprechgenerator, ihre Zuschauer mit. Oft unter Bezug auf die Region Flensburg, Beispiel Einchecken im Hotel: Den älteren Herrn erinnerte ihr (ungeschminktes) Gesicht wohl… „Nun frag schon!“ Und tatsächlich überwand dieser seine Fahrstuhlscheu und meinte „Sie kommen mir irgendwie…“ – „Ach, Sie sehen sich gerne Pornos an?“, so Ina Müllers rotzfreche, wohltuende Replik voller Selbstironie, die das gesamte Programm anhielt.

Für dieses hat sie mit ihren Co-Autoren vielfältige Alltags-Szenen frech inszeniert, immer unkonventionell und leicht gegen den Strich gebürstet. Dargestellt zum Beispiel am eigenen Buchgeschenk zu Weihnachten „Der Mann – die Sackgasse“ als Running Gag: „Ihr Männer sterbt aus – bald, in 125  000 Jahren, und wir reiten weiter!“ Daraus auch die Erkenntnis „Bei der Evolutions-Party wart ihr gar nicht von Anfang an dabei.“ Und kaum gehe die Evolution mal ein Bier trinken, breche vom (weiblichen) X-Chromosom der DNA ein Stück ab, was das (männliche) Y-Chromosom entstehen ließ – und da baumele das Teil nun, aber nicht in Kopfhöhe…

Aber auch der weibliche Part bekam sein Fett weg, insbesondere beim Thema Gewicht. Ina Müllers Rat an alle Männer: Die Partnerin nie fragen, ob sie abgenommen habe, das sei eine „rückwirkende Beleidigung“. „Frau“ habe genug Feedback hinsichtlich der eigenen Figur, beispielsweise beim Kleiderkauf – köstlich ausgespielt unter dem Aspekt Umkleidekabine mit stressiger Verkäuferin und berüchtigter „Quetschwäsche“, um eigene Wülste zu kaschieren.

Weitere szenische Highlights waren unter anderem autobiografische Reminiszenzen an die eigene Jugend mit vier Schwestern auf dem elterlichen Hof („irgendwo zwischen Marsch und Torf“) und Opa Dido als Aufpasser („Geheult wird nicht!“), kurz angerappt mit „Dorf bleibt Dorf“. Romantisch schön Ina Müller auf dem weißen „Schimmel“-Flügel mit ihren Backgroundsängerinnen Ulla und Sarajane zur Frage „Warum heiraten?“ Mit einer Lederpeitsche aus dessen Klangraum gab sie die Domina, die alltägliche Szenen, wie wir sie alle kennen, in ganz neue Dimensionen umformte – theatralisch faszinierend umgesetzt mit allen Facetten mimisch-möglichen Grolls.

Ina Müller überzeugte absolut mit einer stringenten, durchgehend niveauvollen Darbietung, wobei der Comedy-Part überwog. In diesem unterhielt die 51-Jährige das Publikum mit bemerkenswertem Show-Talent. Trotz ihrer 51 Jahre („ich bin ausgealtert“) bewies sie jugendlich-kiebigen Trotz-Rotz vom Feinsten, immer nah am und im Publikum als ansehnlicher Power-Riegel auf zwei Beinen. Besonders professionell gelang unauffällig das Kontinuum aus Comedy und Liedern, die fast ein wenig zu kurz kamen. Die 14 Songs plus Zugaben, kongenial begleitet von der fünfköpfigen Band, reichten von gefälligen Balladen wie „Tag ein Tag aus“ oder „Wie Du wohl wärst“ bis zu rockigeren Titeln wie „Wenn Du nicht da bist“, die deutlich besser ankamen. Ina Müller hat eine schön-sonore Stimme, die bekanntermaßen auch reizvolle Ausflüge in Jazz und sogar Chansons zulässt. Schön wäre allerdings ein plattdeutscher Titel aus dem Repertoire gewesen.

Antje Böge aus Friedrichskoog erlebte Ina Müller als tolle Künstlerin. „Gut gefallen hat mir das Gesamtpaket aus Songs und Comedy“, sagte die 34-Jährige. Freundin Sandra Kanzmeier aus Burg sekundierte: „Sie bringt einen spannenden Charme auf die Bühne, und besonders nett ist der persönliche Kontakt zum Publikum.“ Anja Gnädig war mit Sohn Manuel aus Schafflund zum Konzert gekommen, das mindestens dritte von Ina Müller. „Schön ist, dass sie Themen mitten aus dem Leben ergründet und dabei immer gute Laune auf die Bühne bringt“, sagte sie, was der zehnjährige Filius bestätigte. Er sei mit Ina Müller gewissermaßen groß geworden und könne fast jedes ihrer Lieder mitsingen – womit er nicht der einzige unter den Besuchern war.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 23:04 Uhr

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