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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Pop Art für die graue Jahreszeit: Museumsberg in grellen Farben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Sonntag eröffnet im Heinrich-Sauermann-Haus die Ausstellung „CrossOver“ von Tamer Serbay

Seine Eltern hatten sich ein Studium der soliden Sorte für ihren Sohn gewünscht, gern in Deutschland. Jedenfalls nicht Kunst. Die Familie fand in Innenarchitektur einen Kompromiss, nur der junge Tamer Serbay, 1947 im türkischen Malatya geboren, keinen Studienplatz. Er griff bei einem anderen zu und wurde 1976 in Kiel Landwirt mit Diplom. Die Jahre danach unter anderem als Vertreter für Futter- und Düngemittel, weiß Michael Fuhr, waren erfüllt für Serbay. Doch das „künstlerische Grummeln“ kehrte zurück, wie der Museumsdirektor berichtet.

Zum Glück. Seit 1982 ist Tamer Serbay, der in der Landeshauptstadt lebt, freischaffender Künstler. Gleich eine seiner ersten Ausstellungen 1980 in Kiel wurde ein Erfolg – nahezu jedes seiner Bilder wechselte den Besitzer. Nur Künstlerkollegen wie Chris Siebenrock blieben kritisch. „Das ist keine Kunst, das ist Malerei“, zitiert Michael Fuhr den Kommentar der Objektkünstlerin damals. Heute bezeichnet Tamer Serbay Siebenrock als seine „künstlerische Ziehmutter“. Am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet seine Ausstellung „CrossOver“ im Heinrich-Sauermann-Haus.

„Alle Bilder, die hier zu sehen sind, sind nur für den Museumsberg gemalt worden“, betont Michael Fuhr, der Serbay seit einer gemeinsamen Jury-Tätigkeit kennt. Er habe die Zusammenarbeit als überaus entspannt empfunden. Die Technik, mit der der Kieler große Kunstwerke verfremdete, fand der Museumschef spannend, wagte aber, einen Wunsch zu äußern: „Kannst du dich mit unserer Sammlung auseinandersetzen?“ Kein Problem.

Er habe die Arbeiten aus dem Museumsbestand zunächst fotografiert, erläutert Serbay. Nicht er hat sie ausgewählt, sie haben ihn angesprochen, sagt er, und beide, die Kunst und der Künstler, seien in einen Dialog getreten. Die Künstler hätten ihn bei der Arbeit begleitet, auch inhaltlich habe er sich mit ihnen beschäftigt. „Ich bin mit Katrine, einem Werk von Käte Lassen, befreundet“, sagt Serbay einfach so ohne Wimpernzucken. „Warum bist du so traurig“, habe er das Mädchen gefragt – und es in fröhliche Farben getaucht.

Das geschieht am Computer anhand der Fotografien. Er versuche, die Quintessenz des Werks zu isolieren und zu verfremden. Neben zwei zueinander passenden Varianten, wobei die zweite schon eine Reproduktion sei, stelle er ein drittes Bild. Und zwar eine Hinterglasmalerei, die Farben und Details aus den „Vorbildern“ aufnimmt. Statt Öl auf Leinwand oder MDF nutzt er Acryl und Glas, das bewusst spiegeln darf, damit es mit dem Betrachter interagieren kann. Elemente der Moderne eben.

„Ich versuche, die Kunst der alten Künstler in die zeitgenössische Kunst zu adoptieren“, resümiert der Kieler. Pop Art sei ihm dabei unheimlich nah gewesen. Den Auslöser gab vor wenigen Jahren seine Erkenntnis, immer auf einer bestimmten Ebene gearbeitet zu haben, erklärt Serbay, der mit Installationen und Land-Art bekannt wurde.

Manche der Bilder erinnern daran, was Wärmebildkameras zeigen, etwa der italienische Hirtenknabe (im Original von Carl Ludwig Jessen) oder die neue Inger, ursprünglich von Käte Lassen. Michael Fuhr ist so angetan, dass er eine oder zwei Arbeiten des „Weltbürgers der Kunst“ unbedingt auf dem Museumsberg behalten will.

„Rettet unsere Bilder aus dem Museum“, einen Ausspruch von Tamer Serbay hat Fuhr als Untertitel für den Katalog gewählt; unter dem Stichwort Arbeitsschritte liefere die Handreichung zudem die „Bastelanleitung“ gleich mit, formuliert Fuhr. „CrossOver“ entspricht seinem Anliegen, dass Künstler die Sammlung zur Inspiration nutzen. Die Ausstellung „kann dazu anregen, die altbekannten Bilder mit anderen Augen zu sehen“.

Tamer Serbay – CrossOver, 9. Oktober bis 8. Januar 2017; dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 12:08 Uhr

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