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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 06:51 Uhr

Großeinsatz am Bohlberg : Polizei sprengt Flensburger Drogenring

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Massives Aufgebot an Einsatzkräften in Fruerlund und anderen Stadtteilen – 13 Personen aus der Stadt und Umgebung vorläufig festgenommen

Helle Aufregung in den Morgenstunden: Ein Ehepaar, das direkt gegenüber der Fruerlund-Schule in einem Einfamilienhaus lebt, sowie andere Anwohner des Bohlbergs wurden gestern früh aufgeschreckt. Kurz nach 8 Uhr bereits war die ganze Straße mit Mannschaftswagen der Polizei gepflastert. „Es standen hier an die 20 Fahrzeuge, zum Teil mit Anhänger, auf denen schwere Gerätschaften deponiert waren“, sagt der Hausbesitzer. Selbst im Mühlenholz und an der Mürwiker Straße standen Einsatzfahrzeuge bereit.

Als der Hauseigentümer durch die Straße fuhr und das Seitenfenster herunterkurbelte, um sich nach Sinn und Zweck der Aktion zu erkundigen, gab ihm ein Polizist mit schusssicherer Weste klar zu verstehen, dass von ihm keine Auskunft zu erwarten sei. Nur so viel: „Ihre Sicherheit ist nicht gefährdet.“

Dennoch schossen die Gerüchte ins Kraut. Der Kioskbesitzer an der Gerhart-Hauptmann-Straße hatte zunächst spekuliert, es handele sich um einen Schlag gegen IS-Terroristen. Auch von einem Einsatz im Rocker-Milieu wollten einige Kunden wissen. Doch Fehlanzeige. Solche Einsätze gab es in fünf Bundesländern, in Schleswig-Holstein jedoch nicht. Eine Drogen-Razzia? Treffer!

Der Einsatz war Teil einer groß angelegten, konzertierten Aktion einer Ermittlungsgruppe aus Bundes- und Landespolizei, Zoll, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung. „Es wurden mehrere Orte im Flensburger Stadtgebiet durchsucht“, bestätigte gestern Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt auf Anfrage. Wo genau, gab sie nicht preis.

Nach Tageblatt-Informationen waren von der Aktion auch das Harrisleer Gewerbegebiet, Jarplund-Weding sowie die Ortschaften Jardelund und Medelby betroffen. Zeitgleich wurden Objekte in Berlin und Nordrhein-Westfalen in Augenschein genommen.

Die Bilanz: 400 Beamte im Einsatz, 30 Anwesen durchsucht, 13 Personen festgenommen. Die mutmaßliche Bande von Drogenhändlern besteht aus Tätern zwischen 26 und 57 Jahren. Sie stehen im Verdacht, schon seit mehreren Jahren in Flensburg und Umgebung Cannabis-Plantagen betrieben und die Ernte mit hoher Gewinnspanne an den Kunden gebracht zu haben. Als Hauptbeschuldigte wurden ein 56-jähriger Geschäftsmann aus Flensburg und ein 50-Jähriger aus Jardelund am frühen Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Sie sollen die Erlöse über ihren Geschäftsbetrieb dem „legalen Geldkreislauf“ zugeführt haben. Im Klartext: Geldwäsche.

Die Beschuldigten sollen laut Polizei Gewinne in Millionenhöhe gemacht haben. Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittler vier „aktive“ und zwei abgebaute Plantagen – darüber hinaus 1500 Marihuanapflanzen, 32 Kilo Marihuana und Cannabisplatten. Mehr noch: In einem Fall entdeckten die Einsatzkräfte sogar Industriesprengstoff sowie Waffen unterschiedlicher Art. Zudem wurden zwei Pkw, mehrere hochwertige Motorräder und 25  000 Euro in bar sichergestellt.

Nach dem Termin beim Haftrichter wanderte der Geschäftsmann aus Jardelund umgehend hinter Gitter. „Im Falle des Flensburgers“, so Stahlmann-Liebelt, „ist die Vollstreckung des Haftbefehls gegen Auflagen ausgesetzt worden.“

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erstellt am 10.Nov.2016 | 07:48 Uhr

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