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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2014 | 06:47 Uhr

Hilfe für überforderte Besitzer : "Pferdeklappe" soll Leben retten

vom

Auf einer Koppel in Norderbrarup können überforderte Pferdebesitzer anonym ihre Tiere abgeben. Tierschützer wollen damit verhindern, dass Pferde qualvoll eingehen.

Norderbrarup | Um Pferdehaltern zu helfen, die mit der Haltung ihrer Tiere überfordert sind, hat die Pferde- und Ponysportgemeinschaft Rurup (PPSG) jetzt ein echtes Novum in der Region Schleswig-Flensburg eingerichtet: eine Pferdeklappe als anonyme Auffangstation, ganz nach dem Vorbild der Babyklappe. Hier können Menschen die Tiere ab sofort anonym abgeben, wenn sie keine andere Lösung mehr wissen - anstatt sie verwahrlosen zu lassen und sie somit zu quälen.
Treibende Kraft hinter dieser Idee ist Petra Teegen, die in der Vergangenheit schon oft Not leidende Pferde wieder aufgepäppelt und in gute Hände weitervermittelt hat. Oftmals standen hinter diesen tragischen Geschichten Menschen, die finanziell überfordert waren, nicht genügend über Tierhaltung wussten, die Angst und Sorgen hatten und zum Schluss einfach resignierten, weiß Petra Teegen. Aber es gebe leider auch Pferdehalter, denen es egal gewesen ist, wie ihr Pferd durch den Winter kommt. Sie seien schlicht und einfach zu bequem, ihren Tieren Wasser und Futter auf die Weide zu bringen, wenn der Winter kommt, es kein Gras mehr gibt und das Wasser gefriert. "Wir haben erlebt, dass ein Pferd tagelang in einer Schneewehe lag, schon beinah mumifiziert, zu schwach, um noch aufzustehen", erzählt Teegen. Zu spät sei das Ordnungsamt gerufen worden, um das Tier noch retten zu können. Eines hätten die Menschen in all den schrecklichen Fällen gemeinsam gehabt: Sie hätten keine Hilfe annehmen können - "sei es aus Stolz, aus Scham oder aus Egoismus", so Teegen.

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Anonyme Koppel mit zwei Ponys

Sie selbst hat allein im vergangenen Jahr neun, im vorletzten Jahr sogar 19 und in diesem Jahr bisher drei dieser Fälle vom Ordnungsamt zugewiesen bekommen. Doch sie vermutet, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Um solchem Elend vorzubeugen, wurde nun also die Pferdeklappe eingerichtet. Deren Organisation liegt zurzeit noch bei der PPSG, soll aber auf Dauer vom eigens gegründeten Verein "Notbox" übernommen werden, dessen Vorstand zwar schon feststeht, an dessen Satzung zurzeit aber noch gefeilt wird.
Die Pferdeklappe ist in erster Linie eine - gut beschilderte - Koppel in der Ruruper Straße in Norderbrarup, direkt neben der Bahnüberführung und ohne ein Haus in der Nachbarschaft. Pferdebesitzer können dort also ihre Tiere anonym und ungesehen abliefern, wenn sie anders nicht mehr weiter wissen. Zwei Ponys grasen dort, um dem Neuankömmling Gesellschaft zu bieten. Die Koppel wird täglich von Vereinsmitgliedern besucht. Vorteilhaft wäre es, wenn der Tierhalter auch den Equidenpass mit abgibt. Absolute Anonymität wird von den Vereinsoberen in jedem Fall zugesichert. Die abgegebenen Tiere erhalten eine tierärztliche Allgemeinuntersuchung, werden aufgepäppelt und - falls notwendig - medizinisch versorgt. "Sollten sie aber so geschwächt und nicht mehr zu retten sein, müssen wir sie auch auf ihren letzten Weg schicken", erklärt Teegen.
Sechs Wochen nach der Abgabe habe der Tierbesitzer noch die Möglichkeit, seine Entscheidung zurückzunehmen. Allerdings müsse er dann auch für die entstandenen Kosten aufkommen, betont die Pferderetterin. Nach dieser Zeit würden die Tiere in gute Hände vermittelt. Durch das Abstellen der Pferde in der Pferdeklappe erkläre sich der ehemalige Besitzer mit diesem Verfahren einverstanden. Aber: "Wir sind kein Gnadenhof", betont Teegen.

Zur Bewältigung der Kosten ist der Verein auf Spenden angewiesen, die vorläufig noch auf das Vereinskonto der PPSG 90018426 bei der Nospa (BLZ 21750000) mit dem Verwendungszweck "Pferdeklappe" eingezahlt werden können. Auskünfte zur Pferdeklappe erhält man telefonisch unter 04641/462934.

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von
erstellt am 28.Jun.2013 | 08:22 Uhr

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