zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 17:23 Uhr

Flensburger Förde : Pachtvertrag für Große Ochseninsel gekündigt: Wie geht es weiter?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der letzte Pächter Rüdiger Fleck musste die Insel räumen. Die dänische Naturbehörde hält sich über die Zukunft bedeckt.

Die große Ochseninsel steht vor einer ungewissen Zukunft. Als letzter einer einstmals fünfköpfigen deutschen Pächtergemeinschaft hat Rüdiger Fleck das Eiland verlassen. Die Verpächterin, Dänemarks staatliche Naturbehörde Naturstyrelsen, hatte Fleck den Pachtvertrag schon nach der Hälfte der ursprünglichen Laufzeit von 25 Jahren gekündigt und ihm seit 1. Juli auch untersagt, die Gebäude zu nutzen. Seine Tage sind gezählt. Im Laufe dieser Woche will er die Schlüssel abgeben und sich auf seinem alten Hausboot einen neuen Heimathafen suchen.

Die dänischen Ochseninseln in der Flensburger Förde waren immer ein beliebtes Ausflugsziel. Doch seitdem der Fährbetrieb eingestellt wurde, ist ihr Schicksal ungewiss. Flensburg büßt damit an touristischer Attraktivität ein.

Die Abreise von der Mini-Insel vor dem dänischen Kollund ist, aus Flecks Sicht, ein ganz bitterer Moment. Die ursprüngliche Pächtergemeinschaft war nach zwölf Jahren Bewirtschaftung auseinander gebrochen. Weil im Zuge der Auseinandersetzung auch die Fähre abgezogen wurde, konnte Fleck eine wesentliche Pachtbedingung nicht mehr erfüllen – die Erreichbarkeit der Insel mit Campingplatz und Krog-Wirtschaft sicherzustellen.

Weil auf diesem Wege auch die Einnahmen aus Gastronomie und Konzerten wegfielen, war Flecks Scheitern nur eine Frage der Zeit. Der Inselwirt hatte zwar bis zuletzt gehofft, sich mit dem dänischen Staat einigen zu können, musste aber erkennen, dass auf der anderen Seite kein Entgegenkommen zu erwarten war. „Ich hatte keine Wahl mehr“, so Rüdiger Fleck. „Vor allem habe ich nicht die finanziellen Möglichkeiten, die absurd teuren dänischen Anwälte bei Laune zu halten.“

Und so verlässt er die Insel mit einem Riesenverlust. „Ich habe viel in die Gebäude hineingesteckt. Und 80 Prozent des Inventars bleiben hier. Ich kann ja kaum was mitnehmen.“

Inge Gillesberg, für die Insel zuständige Mitarbeiterin der Naturbehörde in Gravenstein, hält sich mit Bewertungen und Prognosen zurück. Die Insel bleibe grundsätzlich öffentlich zugänglich, mit einem regelmäßigen Fährbetrieb aber sei in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen, sagte sie auf Anfrage. Über die Zukunft der Insel hüllte sie sich in Schweigen. Es sei nicht sicher, ob es in absehbarer Zeit wieder eine Verpachtung nach dem jetzt gescheiterten Modell geben könne. „Das ist jetzt alles offen. Wir müssen uns erst einmal einen Überblick verschaffen.“

Das tun andere auch schon. Fleck zufolge kommt es schon seit Wochen zu nächtlichen Plünderungen. „Die kommen mit Booten und räumen ab. In der Werft ist schon lange kein Werkzeug mehr“, sagt der letzte Inselbewohner. Dazu Gillesberg: „Wir können nicht ständig auf der Insel patroullieren, aber wir halten ein Auge drauf.“ Fleck ist skeptisch. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gebäude Schaden nehmen.“

Für die Touristiker ist das Scheitern ein herber Verlust. Gorm Casper, Chef der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (TAFF), erinnert allein an die über 200 stimmungsvollen Inselkonzerte. „Dass die Ochseninsel brach liegt, muss aus touristischer Sicht unbedingt vermieden werden.“ Casper kündigte an, unverzüglich mit seinen dänischen Kollegen in Kontakt zu treten, um die einmalige touristische Attraktion gleich vor den Toren des Oberzentrums Flensburg zu erhalten und wiederzubeleben.

Da wird vieles von einer festen Fährverbindung abhängen. Angedacht war, die „Möwe“, die dreimal täglich von Flensburg aus zu Rundtouren um die Insel startet, mit einzubinden. Aber so weit ist das Fährschiff noch nicht. Aktuell arbeitet Kapitän Hans-Peter Ketelsen die Anforderungsliste der dänischen Seefahrtsbehörde ab, die das Schiff für den grenzüberschreitenden Verkehr erst zertifizieren muss. „Wir können uns dann schon vorstellen, den Festlandanleger bei Sønderhav anzulaufen. Aber als feste Inselfähre taugt die Möwe nicht. Dazu ist sie zu groß.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 25.Jul.2016 | 08:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen