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Flensburger Tageblatt

25. Juli 2016 | 23:58 Uhr

Flensburger Bahngutachten : Ohne Weiche kein Halt am Zob

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt veröffentlicht ihr lang erwartetes Bahngutachten – die Stellungnahmen der Politik fallen höchst unterschiedlich aus.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Niebüll könnte zwischen 2019 und 2021 umgesetzt werden. Unter fünf untersuchten Fernbahnstandorten (Pattburg, Harrislee, Citti-Park, Weiche und Optimierung des heutigen Bahnhofs) lassen sich Fern- und Regionalverkehr betrieblich und vom Angebot her nur in Weiche, am Citti-Park und am heutigen Bahnhof sinnvoll abwickeln. Ein Nahverkehrsbahnhof am ZOB ist nur mit einem Fernbahnhof in Weiche sinnvoll. Das sind drei zentrale Aussagen des lange erwarteten Bahngutachtens, das seit gestern auf der Internetseite der Stadt Flensburg.de öffentlich ist. Das Gutachten soll am Freitag, 19. Februar, um 17 Uhr im Europaraum des Rathauses öffentlich diskutiert werden. Beim Treffen der deutsch-dänischen Verkehrskommission am 15. Februar will es Wirtschaftsminister Reinhard Meyer mit der dänischen Seite diskutieren. Nach der ersten Sichtung fallen die Stellungnahmen der Politik höchst unterschiedlich aus:

Arne Rüstemeier (CDU)

„Es ist wichtig, dass wir in Flensburg zu einem Ende der ewigen Debatte um die Gleisanbindung in der Innenstadt kommen. Das Gutachten zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, die aber mit Kosten verbunden sind, die man in einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung beurteilen muss. Millionen auszugeben, damit Besucher direkt bis an unsere Förde fahren können, ist sicher nicht nachhaltig.

Wir müssen schnellstmöglich zu Entscheidungen kommen: Welche Variante ist für unsere Region die beste? Ist es die, die den Reisenden von Nord nach Süd eine schnelle Fahrt nach Hamburg ermöglicht, oder eine, die den alten Bahnhof dicht am Zentrum ansteuert? Das Land ist aufgefordert, diesen Dialog gemeinsam mit der Stadt zu führen. Egal, wie die Lösung lautet: Die Anbindung des Bahnhofs an den ÖPNV muss stetig weiter verbessert werden.

Eine Erkenntnis bringt das Gutachten einwandfrei: Die Gleise nördlich des ZOB werden nicht mehr reaktiviert werden. Die Eisenbahnbrücken an der Hafenspitze können abgerissen werden!“

Helmut Trost (SPD)

Die Errichtung eines neuen Fernbahnhofes in Weiche macht keinen Sinn – betriebswirtschaftlich wird sich diese Millioneninvestition niemals rechnen, verkehrstechnisch mag sie Vorteile für Reisende aus Süddänemark bringen. Der Zeitgewinn von wenigen Minuten wird jedoch mit großen Nachteilen für Flensburg erkauft.

Aus Flensburger gesamtstädtischer Sicht sollte man nicht weiter den Träumen für diesen „Wolkenkuckucksbahnhof“ hinterherlaufen. Bei diesem Modell würde Flensburg auf der Nord-Süd-Achse im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen.

Pelle Hansen (Grüne)

Wir begrüßen sehr, dass zur Möglichkeit der Reaktivierung der Strecke Flensburg – Niebüll die Gutachter zu einem so eindeutig positiven Ergebnis kommen. Dabei erhoffen wir uns auch eine Durchbindung des Schienenverkehrs von Kiel bis Westerland. Bei der Standortfrage des oder der zukünftigen Flensburger Bahnhöfe setzen wir Grüne mehrere Prioritäten.

Ziel muss sein, mehr Menschen zur Nutzung des Umweltverbundes Bahn-Bus-Rad zu bringen und damit den Modal Split zu verbessern. Das Ergebnis muss eine städtebauliche Aufwertung des Bahnhofsumfeldes beinhalten.

Die Gutachter kommen hier zu einem breiten Bild, das verschiedene Entscheidungen zulässt und es zeigt sich, dass eine frühe Vorfestlegung auf einen der Standorte, wie es der Oberbürgermeister tat, keinen Sinn macht.

Flemming Meyer (SSW)

Ein Ausbau des Bahnhofs Weiche zum deutsch-dänischen Fernbahnhof wäre eine echte Entwicklungsperspektive für unser Grenzland. Ein solcher Fernbahnhof würde eine bessere Erreichbarkeit für den Fernverkehr der Region in Deutschland und Dänemark gewährleisten und zugleich interessante Möglichkeiten zur Erweiterung und Optimierung des Bahnverkehrs eröffnen. So wäre auf deutscher Seite etwa eine Reaktivierung der Strecke Flensburg-Niebüll sowie der Strecke zum Flensburger ZOB zu erwägen. Und auch für unsere dänischen Partner ergäben sich attraktive Optionen, insbesondere eine Verbesserung der Zugverbindung Aarhus-Hamburg.

Harro Teichmann (Wif)

Das Gutachten zeigt auf, welche Steigerung an Bahnfahrgästen durch die Reaktivierung der Hafenbahn und einer Endhaltestelle am Zob erreicht werden könnte. Mit dem Zob würden sich die Fahrgastzahlen verdoppeln. Wir sehen im Fernverkehr die Verbindung Kiel – Flensburg – Westerland. Nur Weiche ermöglicht hier eine direkte Durchfahrt. Wir müssen politisch Druck machen, damit das Land mitspielt.

Christian Lucks (FDP)

Wir sind für eine schnellstmögliche Reaktivierung der Strecke nach Niebüll und favorisieren die Verlegung des Fernbahnhofs nach Weiche mit einer Anbindung der Regionalzüge an den ZOB. Der alte Bahnhof könnte so langfristig aufgegeben werden und Platz für städtebauliche Projekte in dem neuen Sanierungsgebiet bieten.

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