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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:14 Uhr

„Ohne Tafel kann ich nicht überleben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Tafel der Johanniter Unfallhilfe in der Waldstraße unterstützt Menschen, die Hilfe brauchen

Ob Kind oder Erwachsener, jeder kann von Armut betroffen sein. Die Gründe dafür sind oft ganz unterschiedlich. Eine Kündigung oder einfach zu wenig Rente, schon ist man mittendrin. Wer in solch einer Situation steckt, weiß oft nicht, wie er die Probleme meistern soll. Damit wenigstens der Kühlschrank gut gefüllt ist, gibt es in Flensburg zum Beispiel die Tafel. Wie ist sie organisiert? Wer arbeitet dort und wer nimmt das Angebot in Anspruch?

Seit Mai 2013 hat Klaus Grebbin die Organisation der Johanniter Unfallhilfe e.V. als Tafelleiter übernommen – mit 4500 Euro Miesen. Warum? „Ich dachte, das wäre mal eine richtige Herausforderung, trotz des kleinen Budgets.“ Mit seiner Berufserfahrung aus über 30 Jahren als Speditionskaufmann im Bereich Lager / Logistik gestaltete er die Räumlichkeiten in der Waldstraße um und lässt öfter seine Kontakte für die Organisation spielen. Unterstützung bekommt er zum großen Teil von ehrenamtlichen Helfern. Es sind beispielsweise Schüler, Studenten, aber auch Senioren, die sich sozial engagieren wollen.

Zweimal in der Woche haben Bedürftige die Möglichkeit, die angebotenen Lebensmittel nach Bedarf zu empfangen. Wichtig ist zum einen, dass man als Nutzer registriert ist und zum anderen, dass vor Betreten der Ausgabe zwei Euro bezahlt werden. Rund 4750 Bedürftige aus Flensburg sind angemeldet. Wie nötig das Angebot ist, wurde klar, als eine Rentnerin an der Kasse feststellte, dass sie statt zwei Euro nur 50 Cent mitgenommen hatte. Unter Tränen versuchte sie, ihre missliche Lage zu erklären. Sie würde das nächste Mal mit Zinsen den Rest nachzahlen. Die Helferin an der Kasse zeigte Herz und ließ sie dennoch zur Ausgabe gehen. Auch andere Bedürftige wissen nicht, wie sie ohne die Tafel leben könnten: Andre Hörhold ist 32 und leidet an Multipler Sklerose. Er kann deshalb nicht arbeiten. Die Tafel findet er einfach nur wunderbar. „Ich bin sehr dankbar. Es gibt viel zu wenig davon. Man hilft mir sogar beim Einpacken, was auch nicht selbstverständlich ist. Ohne die Tafel könnte ich nicht überleben“, sagt er mit einem glücklichen Lächeln und den Lebensmitteln auf dem Schoß.

Doch werden nicht nur Lebensmittel zum Mitnehmen angeboten. Ein kostenfreier Schnitt vom gelernten Friseur immer montags, ein Flohmarkt mit Spielzeug und Krimskrams, einmal im Monat ein Kleiderbasar sowie dreimal die Woche frisch gekochtes vom gebürtigem Flensburger Koch Clemens Clementsen für einen Euro werden zusätzlich angeboten. 2013 als Ein-Euro-Jobber angefangen, ist Clementsen heute fester Bestandteil der Helfer-Truppe. Durch den stressigen Job als Koch, der ihm mitunter nur drei Stunden Schlaf am Tag gönnte, erlitt er innerhalb von vier Jahren vier Schlaganfälle. Durch die gute Arbeitsatmosphäre an der Tafel gelang ihm die Rehabilitation und er kann mittlerweile wieder mit voller Kraft arbeiten.

Bei all dem Trubel werden auch die Kleinen nicht vergessen. So bekommt jeder Erstklässler zur Einschulung einen Ranzen, Materialien wie Stifte,Blöcke und Stundenplan und allem voran eine Schultüte mit Süßkram gestellt. „Sie sollen genauso gut wie die anderen Kinder dastehen“, erläuterte Grebbin dazu. Wenn ein Kind etwas zum Nikolaus geschenkt bekommen möchte, muss es lediglich einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben. Das Schöne daran: Die Helfer schauen, welche Wünsche erfüllt werden können. 2015 wurden 174 Zettel geschrieben, wovon 91 komplett in Erfüllung gingen. Den Wunsch nach einem kleinen Geschwisterchen können die engagierten Helfer jedoch nicht erfüllen.

Dem Team um Klaus Grebbin liegt sehr viel an dem Wohl der Menschen. Das spiegelt sich auch in dem positiven Engagement wider, mit welchem sie ihre Arbeit erledigen. Ein Lächeln oder ein kurzer Schnack ist immer drin.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 12:27 Uhr

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